Ich möchte eine meiner letzten Anschaffungen vorstellen, eine Holzplattenkamera im horizontalen Format von Emil Wünsche, Modell Afpi 9x12.
Ich habe keine besonderen Informationen über die besondere Anordnung dieses Modells gefunden und wage auch nicht, eine Herstellernummer zu wagen. Die Katalogbilder, die ich von Afpi-Kameras besitze, sind leider unzureichend und die meisten von ihnen sind vertikal, nicht horizontal. Tatsächlich sind die einzigen horizontalen, über die ich ein Bild habe, die Nr. 545 für ein großes Format von 13x18 und das Nr.569 von 10x15 eignet sich auch als Stereoskop, die letztlich nichts miteinander zu tun haben.
Mir fällt das Vorhandensein von zwei Typenschildern stark auf, was im Allgemeinen ungewöhnlich sein muss. Der erste bezieht sich auf den Hersteller und die Heimatstadt - etwas, das ich bei meinen Kameras nicht gesehen hatte und auch nicht üblich sein sollte - und der zweite befindet sich hinten und bezieht sich auf das Afpi-Modell. Das brachte mich dazu, mich zu fragen, ob es eine besondere Beziehung zwischen Wünsche und Graz gab, aber ich kam nicht zu schlüssigen Ergebnissen. Die Niederlassung in Bodenbach war für Österreich zuständig.
Leider hatte die Kamera ihren ursprünglichen Zentralverschluss nicht dabei. An seiner Stelle stand ein AGC-Stück aus Voigtländer, das nichts damit zu tun hatte und das Ensemble abschoss. Ich musste einen geeigneten Spender suchen, so dass ich eine Dekorationskamera opfern konnte, die einen funktionalen und zeitgemäßen Unicum-Verschluss von B&L mit den von Wünsche verwendeten Modellen lieferte. Es wäre nicht auszuschließen, dass er andere B&L-Verschlüsse wie den Automat verwendet. Da die Brennweiten der Kameras unterschiedlich sind, wäre die Optik nicht funktionsfähig. Aber zumindest konnte ein Zustand wiederhergestellt werden, der dem ursprünglichen Zustand ähnelt. Während des bedauerlichen Reinigungsprozesses zerbrach die hintere Fokusscheibe, was ein erheblicher Rückschlag war. Aber ich konnte einen passenden Spender finden, der perfekt für diese Zwecke geeignet ist.
Das Set wird dank des Fokussiermecanik-Moleters erweitert, wodurch ein wunderschöner dunkelroter Balgen entsteht und eine zweifache Auszug ermöglicht wird. Es verfügt über eine einzige Fokustabelle. Die Stütztangen sehen typischerweise aus wie E. Wünsche, obwohl ihnen die Unterwurfschrauben fehlen. Dennoch erfüllen sie ihre Funktion einwandfrei. Sie stützen sich auf ein sehr aufwendiges Objekttäger-Halter. Die Sprezien wirken ebenfalls typisch für E. Wünsche.
Wie auf dem letzten Foto zu sehen ist, ist die Zahl 15 zweimal im Holz eingraviert. Vielleicht handelt es sich um eine Art Kontrollnummer oder einen Kontrolleintrag?
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zu Wünsche Graz habe ich so meine eigenen Gedanken
Wünsche war zuert ein Kamerahändler der ab 1889 in Reick eine Photohandlung betrieb. Vielleicht gab es ja eine Niederlassung in Graz über die man heute nichts mehr findet. Leider habe ich keine "richtige" info zu Wünsche. Thiele vermeldet aber das Wünsche erst ab 1896 eine eigene Fertigung hatte und diese 1909 schon wieder geschlossen wurde
Wenn man jetzt den Kadlubeck 98/99 zur Hand nimmt dann hat Wünsche von den rund 100 Kameras nicht alle selbst hergestellt.
vielen Dank für die Vorstellung dieser sehr schönen Afpi.
Zu Emil Wünsche gibt es eine umfangreichere Veröffentlichung von Jan Beenken (Sonderveröff. des Club Daguerre 2021). Dort sind auch quadratische Afpi Modelle mit aufgeführt.
Zu "Emil Wünsche Graz" kann man nachlesen, dass sich unter anderem in Graz eine der Hauptniederlagen von Emil Wünsche befand.