[ iIa ] Reise in die Vergangenheit: Monroe No. 7 von der Monroe Camera Company aus Rochester
Hallo zusammen,
heute möchte ich die Monroe No. 7 im Format 4x5 aus dem Jahr 1898 vorstellen.
Die Monroe Camera Company wurde 1897 mit einem Kapital von 25.000 US-Dollar gegründet. Es wurde nach Monroe County benannt. Ihr Vizepräsident war Albert Beir, der bereits seit 1896 im Kamerabaugeschäft tätig war. 1899 wurde das Unternehmen mit den in Rochester ansässigen Kameraherstellern Ray, Rochester Optical Co. und Rochester Camera and Supply Co. sowie der Western Camera Manufacturing Co. aus Chicago zur Gruppe Rochester Optical and Camera Company fusioniert.
Großformatige Modelle wie die No. 7 wurden nur kurz und in minimalen Stückzahlen gefertigt – entsprechend selten sind erhaltene Exemplare.
Beschreibung
• Plattenkamera/Klappkamera im Format 4 x 5
• Gehäuse aus Mahagoni, fein lackiert, beledert mit der Nummer 135
• Folding Bed Konstruktion mit Messingbeschlägen
• Laufboden aus lackiertem Mahagoni, Rückseite mit Leder
• Auszug doppelt
• Roter Lederbalgen
• Frontstandarte aus Mahagoni mit Höhenverstellung
• Objektiv: Rapid Rectilinear / Aplanat (typisch für Monroe Kameras)
• Tragegriff aus Leder
• Revolving Back, Formatwechsel ohne die Kamera vom Stativ zu nehmen
• Spring Back, Mattscheibe ist federnd gelagert, Plattenhalter kann lichtdicht eingeschoben werden mit der Nummer 168
• Aufsichtsucher mit Mattscheibe rechts auf Laufboden
Interessant ist das Händlerschild von Unger&Hoffmann Dresden/Berlin. Da die Entfernungsskala sowohl in feet und auch in Meters, nehme ich an, dass die Kamera von Unger&Hoffmann importiert wurde. Wenn die deutsche Firma die Kamera mit der Skala ausgestattet hätte, wäre die Bezeichnung Meter und nicht Meters.
Anmerkung: Der Balgen hatte auf der rechten Seite eine große Beschädigung (großes ausgefranztes Loch mit Unterbalgen verklebt), bei dem Auflichtsucher war das Messingblech gebrochen und verbogen und es fehlte die kleine Mattscheibe, der Tragriemen war ein bröseliges Etwas. Zum Glück hatte ich einen Spender für Balgenmaterial und Tragriemen aus der gleichen Zeit. Die Standarte war auf der linken Seite gebrochen und schlecht verklebt. Positiv war, dass der Unicumverschluss auf Anhieb funktionierte. Nach zwei Tagen intensiver Reparatur kann sich die Kamera wieder sehen lassen - siehe Fotos.
Da ich versuche, die Zeit vor der Fusion der 5 Kamerafirmen aus Rochester zu dokumentieren, fehlt mir "nur" noch eine Kamera der Western Camera Manufacturing Company
Die fünf Firmen, die 1899 zu RO&CC fusionierten Diese Unternehmen schlossen sich zusammen, um ihre Marktposition zu stärken und Produktionskapazitäten zu bündeln:
Rochester Optical Company Hersteller der Premo-Kameras, gegründet 1883/84.
Ray Camera Company Kleinere Rochester-Firma, bekannt für einfache Plattenkameras.
Monroe Camera Company Existierte nur kurz (1897–1899), produzierte preisgünstige Kameras.
Rochester Camera and Supply Company Händler und Hersteller von fotografischem Zubehör und Kameras.
Western Camera Manufacturing Company Ebenfalls ein Hersteller aus Rochester, weniger dokumentiert.
Quellen: Kadlubeks MOR0080 1898 McKeown's 12. Edition 2005/2006 S. 696
Für Interessierte: Es gibt einen 400-Seiten starken Katalog von Andrew. J. Lloyd-Katalog aus dem Jahr 1901 unter oben genannten Adresse. Darin ist schon nicht mehr eine Monroe-Kamera aufgeführt.
Urheberrechte 1: Keine Scans von Prospekten, Bedienungs-Anleitungen, Prominentenfotos, Kunstobjekten oder Buch/Zeitschriften-Artikeln, die über begründete Bildzitate hinaus gehen.
Urheberrechte 2: Nur selbst aufgenommene Fotos. Keine Fotos auf und in fremden Grundstücken / Gebäuden / Museen, Ausstellungen, Theatern, usw.
Urheberrechte 3: Textpassagen von fremden Quellen vermeiden, höchstens einige Zeilen deutlich als Zitat erkennbar mit genauer Quellenangabe.
Keine Fotos, auf denen Personen erkennbar oder zuord-bar sind, ohne deren schriftliche Genehmigung (DSGVO). Ebenso keine erkennbaren KFZ-Kennzeichen oder Fragmente davon! !
Fotos: Für beste Darstellung die Fotos (Thumbnails) unter den Textbeiträgen anklicken.
Der Zähler der Vorschaubilder zeigt NICHT die echte Zugriffszahl, die Bild-Anklicke direkt im Text werden nicht gezählt!
Re: Reise in die Vergangenheit: Monroe No. 7 von der Monroe Camera Company aus Rochester
Hallo Ingrid, hallo zusammen.
Danke für diese ausgezeichnete Kamera. Wieder einmal haben wir die hervorragende konstruktive Qualität dieser nordamerikanischen Kameras überprüft. Es ist wahrscheinlich, dass aufgrund der Datierung dieser Monroe-Kamera Unger & Hoffmann bereits ihre eigenen Kameras herstellten und andere von der Konkurrenz verteilten.
Re: Reise in die Vergangenheit: Monroe No. 7 von der Monroe Camera Company aus Rochester
Hallo Jorge,
Unger&Hoffmann hat vermutlich diese Monroe-Kamera importiert, wahrscheinlich auf Bestellung - Meters auf der Entfernungsskala war dem europäischen Markt gezollt - und mit seinem Händlerschild versehen. Die Konkurrenz in Rochester war untereinander sehr groß und für eine Firma wie Monroe Camera Company, die erst 1897 auf dem Markt erschien, war deshalb auch der europäische Markt interessant. 1899 waren nach nur zwei Produktionsjahren die Monroe-Kameras aus den Katalogen verschwunden. Monroe Nr. 7 war die letzte Kamera, die von der Monroe Camera Co. produziert wurde. Die Monroe Faltkameras wurden nur in einem allgemeinen Katalog von 1898 erwähnt. Vermutlich existiert auch kein eigener Katalog.
Gerade deshalb bin ich froh, ein so seltenes Exemplar - relativ gut erhalten - entdeckt zu haben.
Re: Reise in die Vergangenheit: Monroe No. 7 von der Monroe Camera Company aus Rochester
Versuch einer Dokumentation der Fusion fünf Kamerafirmen s.u. in Rochester im Jahr 1899
Zwischen 1885 und 1898 entstanden in Rochester mehr als ein Dutzend kleine und mittelgroße Kamerafirmen. Die fünf fusionierten Unternehmen waren alle im gleichen Segment tätig: Plattenkameras, Folding Cameras, einfache Amateurmodelle, Zubehör. Die Konkurrenz untereinander war groß – besonders gegen Eastman/Kodak, der ab 1888 mit der Kodak No. 1 den Markt revolutionierte.
Um 1895–1899 veränderte sich die Fotografie radikal: • Rollfilm verdrängte zunehmend Platten • Verschlüsse wurden komplexer (Bausch & Lomb UNICUM, AUTOMATIC, etc.) • Objektivstandards professionalisierten sich • Amateurfotografie explodierte
Die Fusion schien ein Rettungsanker, um gemeinsam zu produzieren.
1. Rochester Optical Company (Premo) • gegründet 1883/84 • größte der fünf Firmen • Premo-Kameras waren Bestseller • hatte bereits internationale Distribution • de facto der Kern des späteren RO&CC
2. Rochester Camera & Supply Co. • Händler + Hersteller, 1895 - 1899 • bot Zubehör, Plattenhalter, einfache Kameras • wirtschaftlich solide, aber technologisch nicht führend
3. Monroe Camera Company • gegründet 1897 • existierte nur zwei Jahre • produzierte preisgünstige, gut verarbeitete Kameras • Modelle wie die Monroe No. 7 waren technisch sauber, aber nicht massenmarkttauglich • europäische Exporte (z. B. Unger & Hoffmann Dresden/Berlin) zeigen Expansionsversuche • 1899 bereits aus Katalogen verschwunden
4. Ray Camera Company • kleine Rochester-Firma 1896 Produktionsbeginn • einfache Plattenkameras • kaum Kapital, kaum Innovation • Fusion war überlebenswichtig
5. Western Camera Manufacturing Co. • Sitz in Chicago, aber enge Verbindungen nach Rochester • wenig dokumentiert, 1896 - 1899 • vermutlich schwache Marktposition
Re: Reise in die Vergangenheit: Monroe No. 7 von der Monroe Camera Company aus Rochester
Der Fusionsprozess – Rekonstruktion der Ereignisse 1898–1899
1898 • Erste Gespräche zwischen Rochester Optical Co. und kleineren Herstellern • Andrew J. Lloyd-Kataloge zeigen die fünf Firmen noch getrennt, aber bereits unter einem gemeinsamen Dach. Er ist damit ein Dokument der Übergangsphase, Vorstufen der Zusammenführung – ein seltenes Zeugnis der Fusion selbst. • „Der Grund, warum dies so umfangreich im Katalog vertreten ist, weil er nicht nur die Linien der Rochester Optical Co. enthält, sondern auch die Linien der Rochester Optical Co. außerdem Linien der anderen vier Unternehmen, die gerade mit Rochester Optical fusioniert hatten um die Rochester Optical & Camera Co. zu gründen, das heißt: Rochester Camera & Supply Co., Western Camera Mfg. Co., Monroe Camera Co. und Ray Camera Co. In diesem Katalog sind ihre Linien weiterhin unter ihren eigenen Namen aufgeführt, aber für alle dieser Firmen muss die Fusion bereits abgeschlossen oder kurz vor dem Ende gestanden haben.“ (übersetzt aus dem Katalog) • Monroe-Kameras erscheinen im allgemeinen Lloyd-Katalog 1898, aber ohne eigene Publikation, nur als Pocket Camera vertreten • Die übrigen Firmen sind im Katalog recht ausführlich beschrieben
Frühjahr 1899 • Zusammenschluss wird vertraglich vorbereitet • Ziel: o gemeinsame Produktion o gemeinsame Distribution o Kostensenkung o Konkurrenzfähigkeit gegenüber Kodak
Sommer 1899 • Die Fusion wird vollzogen • Name: Rochester Optical & Camera Company (RO&CC) • Die Marken bleiben zunächst bestehen (wie im Lloyd-Katalog 1899 sichtbar) o Premo o Ray o Monroe o Western o Rochester Camera & Supply
1900-1901 • Marken werden nach und nach konsolidiert • Monroe verschwindet vollständig • Ray wird reduziert • Premo bleibt Leitmarke • 1901 im Lloyd-Katalog: keine Monroe-Kameras mehr
Monroe Camera Co. (gegründet 1897, Kapital 25.000 USD) war zu klein, um zu investieren, auch Ray Camera Co. und Western Camera Mfg. Co. hatten begrenzte Produktionskapazitäten, um den Neuerungen im Kameramarkt stand zu halten.
Die neue Firma RO&CC war wirtschaftlich nicht erfolgreich und verlor jährlich bis zu 100.000 US Dollar, u.a. weil sie im klassischen Plattensegment verharrten. George Eastman kaufte die gesamte RO&CC im Jahr 1903 für 330.000 US Dollar. Die Firma wurde wieder in Rochester Optical Company umbenannt und teilte sich bald die Gebäude mit Century und Folmer & Schwing, die ebenfalls von Kodak übernommen waren.
Kodak ließ die Premo Kameras weiter produzieren – sie waren die stärkste Marke der Fusion. Die Premo Modelle liefen bis 1921 weiter, alle anderen Marken verschwanden.