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[iIa] Das 'Phantom' Ernemann Film 'U' 6x9: Box oder nicht?
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27.02.24 17:35
Jan_S 

BZF-Meister

27.02.24 17:35
Jan_S 

BZF-Meister

[ iIa ] Das 'Phantom' Ernemann Film 'U' 6x9: Box oder nicht?

Hallo Forum,

heute soll eine ungewöhnliche Kamera vorgestellt werden, die zwar oft unter die Boxen subsumiert wird, aber nicht leicht einer Kategorie zugeordnet werden kann. Die Rede ist von der Ernemann Film 'U' 6x9.





Formal handelt es sich um eine Kastenkamera mit Holzgehäuse, die konstruktiv den Film-'K'-Modellen von Ernemann ähnelt. Die Besonderheit besteht darin, dass das Objektiv in einem Holz-Tubus sitzt, der herausgezogen und durch federnde Metallstreifen arretiert wird, wodurch sich eine für eine Box ungewöhnliche Form ergibt. Mit einem U hat das allerdings nichts zu tun; die Modellbezeichnung erschließt sich mir nicht.



Das Schiebekastenprinzip ermöglicht es, die Kamera im Transportzustand etwas kleiner zu halten als eine starre Film 'K' 6x9, wie der Vergleich zeigt. Die Abmessungen betragen im zusammengeschobenem Zustand 14 x 8,0 [ohne Berücksichtigung von Sucher und Filmschlüssel] x 9,5 cm.



Das wird allerdings mit dem Nachteil geringerer Stabilität erkauft: So präzise die Kamera auch gefertigt ist – Hans-Dieter Götz bescheinigt in seinem Buch über Box-Kameras den Ernemann-Boxen, es handle sich um "feinste Schreinerarbeit" (S. 10) –, so hat der Holztubus doch zwangsläufig ein gewisses seitliches Spiel.

Schon mit dieser Gehäusekonstruktion ergibt sich eine deutliche Abweichung vom üblichen Box-Prinzip. Das gilt auch für die etwas anspruchsvollere technische Ausstattung. Eine Entfernungseinstellung ist zwar nicht möglich, aber bei der Optik handelt es sich um ein richtiges „Doppelobjektiv“ 11/10,5 (später als Erid bezeichnet), das in einem vollwertigen Verschluss sitzt, einem Automat A mit Verschlusszeiten von 1/25 bis 1/100 und den Blenden 11–36.

Ansonsten zeigt die Film 'U' Übereinstimmungen mit dem zweiten Modell der Film 'K': Öffnungsmechanismus, Filmtransport und äußere Gestaltung sind vergleichbar. Es muss aber verschiedene Varianten gegeben haben: Das im Ernemann-Buch von Peter Göllner (S. 123, 180) abgebildete Exemplar ist wie die Film-K-Modelle mit zwei Brillantsuchern ausgestattet; das hier vorliegende Exemplar besitzt einen Klapp-Rahmensucher, ist also für Aufnahmen aus Augenhöhe konzipiert. Der Trageriemen befindet sich an der kurzen Seite.





Informationen über das Modell sind aber rar. Eigentlich sind Ernemann-Produkte ja gut dokumentiert; diese Kamera ist allerdings in keinem Ernemann-Katalog verzeichnet. Unklar ist allerdings, woher die Abbildung bei Kerkmann (dort Nr. 0505) stammt.

Die Kamera trägt keine Seriennummer, das ist aber bei vielen der einfacheren Modelle von Ernemann der Fall. Die Modellbezeichnung findet sich nur in der Bedienungsanleitung. Gekennzeichnet ist die Kamera nur mit dem Ernemann-Schriftzug auf dem Tragegriff und dem seit 1920 verwendeten Ernemann-Logo, dem Malteserkreuz. Neben dem Tragegriff fehlt eine runde Plakette; vielleicht ein Ernemann- oder ein Händlerschild.

Oft wird als Erscheinungsjahr 1923 angegeben (so bei Göllner); Bernd K. Otto zitiert in einem Artikel von 2022 (Photo-Deal 115, S. 60–73) aber aus den Photographischen Nachrichten vom März 1925, wonach das Modell erstmals auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1925 gezeigt wurde. Angesichts der mageren Datenlage bewertet er die Film-'U' zusammenfassend als "äußerst selten angebotenes und in Sammlungen vertretenes 'Phantom' der Kamerageschichte" (S. 70).

Die Kamera wird auf den wenigen Abbildungen meist im Querformat gezeigt; dafür spricht zumindest die Position des Verschlusses und damit des Auslösers; so ergibt sich eine Parallele zum ersten Modell der Film K (--> https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...&thread=105), die ebenfalls als Querformatkamera konzipiert ist. Allerdings liegt in Querformat-Position bei der Film U der Filmschlüssel auf der Unterseite, sodass die Kamera nicht eben abgestellt werden kann. Der auf der kurzen Seite angebrachte Trageriemen führt zur boxtypischen Hochformatform. Wie auch immer – eine natürliche Fotografierhaltung ergibt sich eigentlich nicht, denn die Kamera ist, da mit dem Rahmensucher aus Augenhöhe fotografiert wird, vergleichsweise unhandlich.



Die Film 'U' hat es – unter demselben Namen! – auch im Format 9x12 für Platten gegeben (abgebildet bei Abring Nr. 99; Otto S. 69).

Insgesamt sicherlich keine prototypische Box, aber doch ein randständiger Vertreter der Kategorie. Ich würde vorschlagen, die ungewöhnliche Kamera in die Liste der Rollfilmboxen aufzunehmen.


--
Beste Grüße
Jan

Zuletzt bearbeitet am 27.02.24 17:39

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27.02.24 19:41
Sammler 

BZF-Meister

27.02.24 19:41
Sammler 

BZF-Meister

Re: Das 'Phantom' Ernemann Film 'U' 6x9: Box oder nicht?

Hallo Jan

Für mich ist das keine Box da sie viel zu aufwändig ist (versch. Zeiten, versch. Blenden)

Was ist für mich eine Box, ich weiß andere Sammler denken anders
Ein annähernd Würfelförmiges Gehäuse welches auch die Brennweite ohne Auszüge bestimmt.
Keine oder nur 1-2 Einstellmöglichkeiten
Beim Neukauf sollte sie extrem Preiswert sein denn das war ja der Urgedanke um Laien "ANZUFÜTTERN".
Sie muss ohne Vorkenntnisse bedienbar sein, also "Idiotensicher".

Die Ernemann ist dafür einfach zu gut. Sollte die Ernemann eine Box sein was ist dann eine Rolleiflex oder eine Plattenkamera die ja auch ein Kastenförmiges Gehäuse hat und die eigentliche Kamera herausziehbar ist.

Ich habe selbst bei der Boxliste schon mal ein ungutes Gefühl da einige Boxen w.z.B Zeiss schon langsam das Box Niveau verlassen.

Ich denke das man über das Thema "was ist eine Box" vortrefflich streiten kann aber sicherlich nicht zu einem alle zufriedenstellendem Ergebniss kommen.

Gruß
Wolfgang der Sammler

27.02.24 21:16
Rainer 

Administrator

27.02.24 21:16
Rainer 

Administrator

Re: Das 'Phantom' Ernemann Film 'U' 6x9: Box oder nicht?

Hallo zusammen,

ja das wieder das Thema Box oder Nicht-Box. Habe ja versucht das Problem im Rollfilmkamera-Verzeichnis darzulegen. Die Film U hat andererseits eine richtige Kastenform ....

Ich habe die Kamera entsprechend kommentiert im Verzeichnis, sieht einfach zu schick aus, um sie wegzulassen

Beste Grüße von Haus zu Haus
Rainer (Forumbetreiber)

Analog: Aus Negativ wird Positiv.
Digital: Pixel sind nicht alles, aber ohne Pixel ist alles nichts.

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