es wird eine Kamera der Gebrüder Herbst im Querformat 15x10, ausgestattet mit Omnar Objektiv und Sellarsucher von Emil Busch, als Preis- Kamera von Busch vertrieben. Leider fehlt die Prägung von Busch.
Um die Kamera zu identifizieren habe ich das Foto aus Photo Antiquaria 153 aus dem Artikel von Hartmut Thiele zum Thema "Emil Busch AG, Optische Industrie Rathenow" Seite 19 gegenübergestellt.
Das Foto habe ich entfernt, man kann es bei der angegebenen Quelle nachlesen
Preis-Kamera Querformat 10x15 1. Hersteller & Vertrieb • Fertigung: Gebrüder Herbst, Görlitz • Vertrieb: Emil Busch AG, Rathenow • Bezeichnung: Preis-Camera bzw. Drei-Preis-Camera im Busch-Katalog • Datierung: ca. späte 1890er bis frühe 1910er Jahre • Besonderheit: Viele Herbst-Kameras wurden von Busch unter eigenem Namen vertrieben; Prägungen fehlen gelegentlich, obwohl die Konstruktion eindeutig Herbst-Merkmale zeigt.
2. Format & Bauart • Negativformat: 10×15 cm (Querformat) • Kameratyp: Reisekamera / Klappkamera mit Doppelauszug • Konstruktion: Massives Holzgehäuse (typisch: Kirschbaum oder Nussbaum), fein geschliffen und schellackpoliert mit Leder bezogen • Laufboden: eboniert, wirkt sehr hart und spröde
Objektiv & Sucher Objektiv • Emil Busch „Omnar“ Serie III mit Aluminiumfassung, Blende: 1:6,8 F=190 mm o Ein klassisches Busch-Reiseobjektiv, häufig in den Dreipreis-Kameras und Preis-Kameras verbaut o Verschluss: Compound von Friedrich Deckel
Sucher • Busch-Sellarsucher o Typisch für Busch-Kombinationen dieser Zeit o Montiert rechts oben auf der Frontstandarte
Doppelte Grundschiene (Doppelauszug) • Eine vordere feste Schiene • Eine hintere bewegliche Schiene, die den Balgenauszug verlängert • Beide Schienen laufen parallel und absolut spielfrei
Zahnstangen-/Zahnschienenführung • Die sehr fein gefräste Zahnstange/Zahnschiene ist in die Schiene integriert, nicht aufgesetzt • Der Triebknopf betätigt zwei Ritzel, greift sauber ein, ohne Ruckeln • ermöglicht die eine außergewöhnlich weiche Fokussierung • Die Metallteile sind präzise eingelassen und nicht einfach aufgeschraubt – ein Qualitätsmerkmal, das Herbst von vielen Konkurrenten abhebt
Balgen: Lederbalgen, konisch, tiefschwarz, mit sauber gefalteten Ecken
Frontstandarte: Metallverstärkt, mit präzisen Höhen- und Seitenverstellungen (Herbst-typisch: sehr sauber gefräste Führungen)
Hebel zur horizontalen Verschiebung: die Klemmung der Quer-/Seitverschiebung der Frontstandarte. Er löst die seitliche Verschiebung zur Perspektivkorrektur und exakten Ausrichten des Bildausschnitts
Typische Ausführung bei Herbst / Busch • Gerade bei Herbst Grundbauten (und damit auch bei Busch Vertriebskameras) ist dieser Hebel: • flach, leicht gebogen, • sitzt unten an der Frontstandarte, • wirkt auf eine Schwalbenschwanzführung, • und klemmt über eine Schraub-/Exzentermechanik. • Busch selbst verwendete diese Bauform fast nie in Eigenfertigung – das ist ein klassisches Herbst Detail.
Seitliche Führungsschienen • Kleine, präzise gefräste Seitenschienen halten die Frontstandarte exakt in Position • Diese Führungen sind ein typisches Herbst-Merkmal und wirken fast „überdimensioniert“ im Sinne von Stabilität Fokusskala • Feine Strichmarkierungen • Zahlen in gleichmäßiger, enger Typografie • Die Skala ist nicht dekorativ, sondern ein präzises Arbeitsinstrument
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Gebrüder Herbst Karl und Erich Herbst gründeten 1891 die Firma Gebrüder Herbst, Görlitz, eine Fabrik für fotografische Bedarfsartikel in der Mittelstraße 33 in Görlitz mit dem Produktschwerpunkt Atelier- und Reisekameras. Ab 1893 wurde die Produktion ausgebaut. Ein Umzug in die Rauschwalder Straße 12 erfolgte. Die Firma war ein hochqualifizierter Spezialbetrieb mit beeindruckender Fertigungstiefe und arbeitete meistens als Zulieferer, ganz selten unter eigenem Namen.
Kameras: • ca. 35 verschiedene Kameratypen • 13 Klappkameras in mehreren Ausstattungsvarianten • Formate von 9×12 cm bis 50×60 cm • Besonders wichtig: die Klappkamera „Ideal“ (9×12, 10×15, 13×18 cm) Handwerk • 18 Tischlermeister waren zeitweise beshäftigt.
Der Sellar Sucher wurde 1906 von Karl Martin entwickelt und von Busch auf den Markt gebracht. Er findet sich an vielen Busch Kameras dieser Zeit.
Martins Lösung war ein speziell geformter Spiegel, der: • zum Motiv hin nach innen gewölbt ist • zu den Seiten hin nach außen gewölbt ist Wenn man im 45 Grad Winkel auf diesen Spiegel schaut, erscheint ein aufrechtes, seitenrichtiges Bild. Damit Sucherbild und Aufnahme exakt übereinstimmen, muss der Fotograf genau im richtigen Winkel schauen. Dafür besitzt der Sucher einen Visierstab, dessen Spitze mit einem Punkt in der Spiegelmitte zur Deckung gebracht wird
Zitiert: Photo Antiquaria 153 aus dem Artikel von Hartmut Thiele zum Thema "Emil Busch AG, Optische Industrie Rathenow" Seite 19
irgendwie gefällt mir der Sellar-Sucher, der ein aufrecht und seitenrichtiges Bild liefert, im Gegensatz zu den einfachen Brillant- oder Mattscheiben-Winkelsuchern, z.B. bei Boxkameras.
Insgesamt eine feine Kamera.
Beste Grüße von Haus zu Haus Rainer (Forumbetreiber)
Analog: Aus Negativ wird Positiv. Digital: Pixel sind nicht alles, aber ohne Pixel ist alles nichts.
die Kamera ist sehr beeindruckend. Leider wurde die Mattscheibe beim Transport zerstört - Kälte und nicht sorgsamer Umgang. Die saubere Verarbeitung bei den Herbstkameras hat mich immer fasziniert. Schade, dass diese Herstellerfirma so wenig Beachtung findet. Sogar bei Kadlubeks werden die Gebrüder Herbst nicht erwähnt, sondern nur Herbst&Firl - eine eigenständige Firma, die 1899 von Ernemann übernommen wurde. Karl und Erich Herbst werden oft mit Ernst Herbst und Heinrich Firl verwechselt, haben aber keinerlei Bezug zueinander.
Preis-Kamera, Gebr. Herbst (Görlitz) für Emil Busch AG, Rathenow, ca. 1900–1910. Reisekamera im Format 10×15 cm mit Doppelauszug, konischem Lederbalgen und präzisen Metallführungen. Ausgestattet mit einem Busch-Omnar-Objektiv und dem charakteristischen Busch-Sellarsucher. Die Kamera gehört zur von Busch vertriebenen „Preis-“ bzw. „Drei-Preis“-Serie, deren hochwertige Holzkonstruktionen überwiegend von der Firma Gebrüder Herbst gefertigt wurden. Das Exemplar zeigt die typische Herbst-Verarbeitung mit fein gearbeiteten Holzverbindungen und exakter Mechanik.
Die Busch Drei-Preis-Kamera ist ein hochformatiges Modell mit dreifachem Auszug. Die Busch Preis-Kamera ist ein querformatiges Modell mit doppeltem Auszug.
Deine schöne Kamera ist also eine Busch Preis-Kamera. Ab 1912/13 besaß die Preis-Kamera ein wechselbares Objektivbrett. Eine solche Preiskamera ist hier zu sehen: https://www.engel-art.ch/busch-emil/
Welche Bezeichnung diese Kamera bei Gebrüder Herbst trug, ist nicht bekannt.
mein Beitrag ist mal wieder durch Umschalten verschwunden. Vielen Dank für deine Anmerkungen. Ich hatte irgendwo gelesen, dass die Bezeichnungen Preis und Drei-Preis mit der Ausstattungsqualität zu tun haben. Da lag ich total falsch.
In Photo Antiquaria 153, Artikel von Hartmut Thiele zum Thema "Emil Busch AG, Optische Industrie Rathenow" Seite 16/17 ist eine Drei-Preis-Kamera auch im Querformat dargestellt.
Mittlerweile habe ich den Thread in "Preis-Kamera Gebr. Herbst/Busch 10x15" umbenannt.
vielen Dank für die Werbeanzeigen. Das ist genau meine Kamera . Kannst du die Kamera irgendwie datieren? Die Linse ist - so ich erkennen kann - in Alumnium gefasst. In der unteren Werbeanzeige ist von einem Laufboden aus Aluminium die Rede, meine Kamera hat noch einen Holzlaufboden. Das, finde ich, macht den Charme dieser Kamera aus. Auf der ersten werbeanzeige ist meine Kamera mit Holzlaufboden dargestellt.
Wie kann man rausfinden, welche Kamerahersteller sich des "Unterbaus" von Gebr. Herbst bedienen?