| Compur & Co.: Fertigungstoleranzen |
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30.07.14 17:00
Laufbodennicht registriert
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30.07.14 17:00
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Compur & Co.: Fertigungstoleranzen
Hallo, alle miteinander
Feingewinde für die Fotografie hat früher jeder nach Gusto produziert - schier alles, was an Durchmesser und Steigung möglich ist, gab es. Jeder Hersteller hatte seine eigenen Gewinde etc. Teile wurden individuell aneinander angepaßt bzw. zueinander passende Teile ausgewählt, z.B. passender Flansch zum Verschluß, die zwei Teile des Bajonetts der Bergheil. Die Notwendigkeit dieses Anpassens dürfte mit Pate gestanden haben bei der Numerierung von Kameras und Objektiven, genauso wie Garantiezusagen. Insbesondere bei präziseren und deshalb hochpreisigeren Kameras wurden Bauteile aufeinander abgestimmt und individuell markiert, handgeschrieben oder graviert wurden oft nur die letzten Stellen der Seriennummer.
F. Deckel hat aus Mangel an präzisen Werkzeugmaschinen eigene entwickelt. Die stellt Deckel immer noch her, Verschlüsse schon lang nicht mehr. Anfangs gab es bei Compuren allerdings auch abweichende Maße, in Größe 2 ("oddball") blieben einige Varianten. Als Deckel den Compur etabliert hatte, drückte er gegen heftigen Widerstand von Objektivherstellern dessen Anschlußmaße als Standard durch - zum Glück, aus heutiger Sicht. Die Objektivhersteller mußten präziser arbeiten, schon um Ausschuß zu vermeiden. Es ist wohl nicht falsch zu sagen, daß Deckel damit auch den Absatz seiner Werkzeugmaschinen förderte.
Auch Deckel selbst mußte präziser arbeiten - und das half auch der Qualität seiner Waren.
Was bedeutet das für Sammler heute? Eine Geschichte mag das erläutern.
Mein Dr.Staeble/Choroplast war beim Kauf halb in einen offensichtlich nicht passenden Compur gequetscht (typische Fotohändler-Mesalliance - auch Brennweite und Rückteil paßten nicht zur Kamera . Doch die Messung des Anschlußgewindes mit der Gewindelehre ergab M39x0.75, das entspräche einem Compur #1. Das ist jedoch als best fit zu betrachten - bei den Meßbedingungen frei Hand geht's kaum genauer als +-0.03mm. Seither hatte ich einen passenden Verschluß für dieses Objektiv statt des vorhandenen Compur gesucht.
Gestern abend habe ich etwas herumexperimentiert. In einen Klio paßte das Vorderglied perfekt - aber nicht das hintere. So etwa 5 Compure habe ich ausprobiert - mal paßte das Vorderglied, mal das hintere. Best fit in einem Rulex. Nicht perfekt, man müßte noch etwas nachpolieren, damit es bündig hineingeht. Das im Rulex sitzende Objektiv paßte aber nicht in den Compur, in dem das Choroplast war, aber der Tausch mit einem weiteren Compur klappte.
Die älteren Compure - und erst recht die dafür vorgesehenen Objektive - hatten also noch größere Toleranzen und waren nur bedingt austauschbar. Und das heißt, wie oben gezeigt, daß Sammler (und wohl auch Optomechaniker) zum Tauschen neigen können, was immer auch den Originalzustand ein wenig verfälscht. Daß manche Fotohändler, weil sie ja verdienen wollen und wohl ein nicht beliebig großes Ersatzteillager haben, zu recht wildem Mixen neigen, ist unübersehbar, aber derartiges Mixen ist oft leicht zu durchschauen.
Grüße, Laufboden
Zuletzt bearbeitet am 30.07.14 18:48
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14.08.14 07:00
Rainer  Administrator
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14.08.14 07:00
Rainer  Administrator

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Re: Compur & Co.: Fertigungstoleranzen
Hallo Laufboden,
mir ist auch mal eine Laufbodenkamera in die Hände gefallen (auf einer Sammlerbörse), wo man in Stellung unendlich nicht fokussieren konnte. Es stellte sich heraus, die Jemand die Frontlinse gewechselt hatte und die Ersatzlinse nicht voll eingeschraubt werden konnte.
Das Gewinde passte zwar, aber der Gewindegang war zu lang. Von den optischen Eigenschaften ganz zu schweigen. Deshalb rate ich beim Kauf von historischen Laufbodenkameras auch auf die Unendlich-Position zu achten und die Mattscheibenprobe zu machen.
Grüße von Haus zu Haus Rainer (Forumbetreiber)
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26.08.14 18:16
Laufbodennicht registriert
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26.08.14 18:16
Laufbodennicht registriert
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Re: Compur & Co.: Fertigungstoleranzen
Hallo Rainer,
Deckel bekam einigen Ärger, weil er Compure einer Größe nur mit einem festgelegten Gewinde produzierte. Es ist nur seiner damals starken Marktposition geschuldet, daß er das durchsetzen konnte. Kamerahersteller waren bis dahin gewohnt, ihre eigenen Standards durchsetzen zu können. Habe drei Compounds gleicher Größe. Einer davon, mit einem schönen Tessar R - was Repro heißen dürfte - ist von einem Vorbesitzer 'ausgeräumt' worden, ich vermute mal, er war zu einer schonenderen 'Reparatur' nicht fähig. Nur die Blende ist noch vorhanden. Alle Gewindedurchmesser sind mit der Schublehre gemessen gleich, und auch die Einschraubtiefen sind gleich. Dieses Objektiv wollte ich vor kurzem ummontieren. Aber kein einziges Glied der drei Objektive paßt in einen anderen Compound - sie passen so wenig, daß dies durch Fertigungstoleranzen nicht erklärlich ist. Da sind wohl Gewindeflanken und -steigungen hinreichend unterschiedlich zueinander. Da hat wohl der jeweilige Kamerahersteller sein eigenes Gewinde hineinschneiden lassen.
Rainer: .. mir ist auch mal eine Laufbodenkamera in die Hände gefallen (auf einer Sammlerbörse), wo man in Stellung unendlich nicht fokussieren konnte. Es stellte sich heraus, die Jemand die Frontlinse gewechselt hatte und die Ersatzlinse nicht voll eingeschraubt werden konnte.
Das Gewinde passte zwar, aber der Gewindegang war zu lang. Von den optischen Eigenschaften ganz zu schweigen. Deshalb rate ich beim Kauf von historischen Laufbodenkameras auch auf die Unendlich-Position zu achten und die Mattscheibenprobe zu machen.
Da ich bisher nur in der Bucht gekauft habe, konnte ich soetwas auch nie rechtzeitig prüfen. Nichtpassende Teile sind mir deshalb etwa dreimall untergekommen. In allen diesen Fällen war der Anbieter professioneller Fotohändler. Am liebsten kaufe ich deshalb vom Entrümpler. Die Qualität solcher Angebots ist ungewiß, in aller Regel ist zudem Nacharbeit nötig, aber der Preis paßt in der Regel dazu.
Einmal hatte ich allerdings eine zusammengewürfelte Kamera bewußt gekauft - das offensichtlich nicht zur Kamera passende Objektiv war alleine mehr wert als der Kaufpreis. Mit einem Profi, der nichtsahnende Gelegenheitskäufer über den Tisch ziehen will, habe ich aber auch kein Mitleid.
Sowohl den meisten Anbietern als auch den Sammlern alter Kameras ist das Objektiv herzlich egal, sie ignorieren es nichteinmal - es sei denn, es handele sich um Heliar, Dagor, Tessar, oder vielleicht noch Skopar, jeweils in Ringcompur. Manchmal gibt es deshalb beim Kauf einer Kamera in der Bucht eine positive Überraschung, wenn sich das im Angebot nicht erkennbare Objektiv nicht als zurecht verborgene und im Gebot kalkulierte Billigscherbe entpuppt, sondern als Rarität. Andererseits wäre es ausgesprochen doof, höher zu bieten, weil das Teil nicht identifizierbar ist.
Grüße, Laufboden
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