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[2 x iIa] Ernemann Heag XIV 9x12 (Zweiverschlusskamera)
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22.01.23 12:23
Jan_S 

Moderator

22.01.23 12:23
Jan_S 

Moderator

[ 2 x iIa ] Ernemann Heag XIV 9x12 (Zweiverschlusskamera)

Hallo miteinander,

diese Kamera sieht mit ihren abgerundeten Gehäuseseiten wie eine Rollfilmkamera aus. In den runden Seitenteilen befinden sich jedoch keine Filmspulen, sondern die Mechanik eines Schlitzverschlusses. Die Heag XIV ist eine Zweiverschluss-Kamera; der Katalog 1914 bewirbt sie als "Ideal-Kamera für Sportsleute und Touristen".



Es handelt sich um eine Laufbodenkamera für Platten im Format 9x12. (Es gab auch eine Version im Westentaschenformat 4,5x6.) Die Kamera verfügt über einen doppelten Auszug und Zahntriebeinstellung. Das Objektivbrett ist wie üblich vertikel und horizontal verstellbar. (Der Entriegelungsknopf für die vertikale Verstellung fehlt auf einer Seite, er lässt sich aber gelegentlich ergänzen.) Neben dem Brillantsucher ist ein ausklappbarer Newtonsucher vorhanden. Im vorliegenden Exemplar ist ein Ernemann Ernastigmat 6,8/13,5 in Automat B (1–1/100) verbaut. Bis dahin also eine ziemlich normale Plattenkamera.





Zusätzlich ist jedoch ein Schlitzverschluss eingebaut, der den Zeitenbereich 1–1/1000 s. umfasst. (Beim bis 1918 angebotenen früheren Modell war die kürzeste Zeit sogar 1/2500 s.) Ob die kurzen Zeiten bei den seinerzeit üblichen Empfindlichkeiten und dem vergleichsweise lichtschwachen Objektiv wirklich genutzt werden konnten, erscheint mir fraglich. Die Steuerung des Verschlusses erfolgt über die Einstellung der Schlitzbreite; Auskunft gibt eine Tabelle an der Seite.





Ausprobieren konnte ich den Schlitzverschluss nicht, er ist – wie in den meisten Fällen – defekt (vermutlich Bänder gerissen).

Zur Datierung des Exemplars: Angeboten wurde das Modell im Zeitraum 1909–1922. Da Laufboden und Standarte schwarz ausgeführt sind (seit 1913), die kürzeste Verschlusszeit 1/1000 beträgt (seit 1918) und als Warenzeichen das EW-Signet (um 1921) und das Malteserkreuz (seit 1920) verwendet werden und übrrdies der neuere Newtonsucher verbaut ist, dürfte es ein Exemplar vom Ende des Produktionszeitraums sein, also ca. 1920–22 gebaut worden sein.


--
Beste Grüße
Jan

Zuletzt bearbeitet am 20.02.26 12:44

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22.01.23 12:50
AWR59 

500 und mehr Punkte

22.01.23 12:50
AWR59 

500 und mehr Punkte

Re: Ernemann Heag XIV 9x12 (Zweiverschlusskamera)

Hallo Jan,

tolle Kamera! Für mich immer wieder faszinierend, was vor über 100 Jahren schon technisch möglich war. Mit Verschlußzeiten um 1/2500 sec. hätte ich 1918 wirklich nicht gerechnet.

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Mit besten Grüßen aus dem "echten Norden"
Andreas

22.01.23 13:32
Scannerhannes 

500 und mehr Punkte

22.01.23 13:32
Scannerhannes 

500 und mehr Punkte

Re: Ernemann Heag XIV 9x12 (Zweiverschlusskamera)

AWR59:
Für mich immer wieder faszinierend, was vor über 100 Jahren schon technisch möglich war. Mit Verschlußzeiten um 1/2500 sec. hätte ich 1918 wirklich nicht gerechnet.

Hallo,

das allein ist wohl keine Hexerei. Ich gehe mal davon aus, daß der Schlitz beispielsweise in einer fünfundzwanzigstel Sekunde über das ganze Bildfenster gezogen wird. Wird er auf 50mm gestellt und das Bildfenster sei 100mm lang, resultiert daraus schon eine Fünfzigstel Sekunde Belichtungszeit, auf 5mm einjustiert ist's eine fünfhundertstel, bei zweieinhalb Millimeter eine 1000stel ... pro Bildpunkt, niemals für das gesamte Bildfenster wie bei einem Zentralverschluß.

Deswegen haben Fotos von Rennwagen früherer Zeiten ovale Räder.

Bei Kleinbild-Spiegelreflexkameras konnte man die wirkliche Zeit, bis das ganze Bildfenster belichtet war, an der Blitzsynchronzeit erkennen, und die war den besseren Teil eines Jahrhunderts typischerweise 1/30stel, dann in die Größenordnung von 1/100stel wandernd, und es wurden konstruktive Tricks wie metallene Verschlußlamellen und vertikaler Ablauf (macht 24 statt 36 mm zurückzulegender Weg) angewandt.

Die technische Reife könnte man wohl daran ermessen, wie lange der Schlitzverschluß an dem einen Bildrand "Anlauf" nimmt, am anderen Bildrand wieder "bremst". Von der Edixa Spiegelreflexkamera wurde kolportiert, daß sie nicht ganz gleichmäßig belichtete. Ich habe selber eine auf mehreren Kontinenten benutzt und konnte nie einen Mangel feststellen. Und der Zwang, hier mit sehr hoch beschleunigten Teilen zu arbeiten, dürfte hinreichend erklären, warum die feinen Bändchen und Tücher irgendwann doch mal reißen.

Viele Grüße,

Hannes

Zuletzt bearbeitet am 22.01.23 13:34

23.01.23 18:35
axel 

Moderator

23.01.23 18:35
axel 

Moderator

Re: Ernemann Heag XIV 9x12 (Zweiverschlusskamera)

AWR59:
Hallo Jan,

tolle Kamera! Für mich immer wieder faszinierend, was vor über 100 Jahren schon technisch möglich war. Mit Verschlußzeiten um 1/2500 sec. hätte ich 1918 wirklich nicht gerechnet.

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Mit besten Grüßen aus dem "echten Norden"
Andreas


Hallo zusammen,

und Danke an Jan für die Vorstellung dieser interessanten Kamera!

Ich frage mich bei diesen Verschlusszeiten (1/2500) und einer Kamera mit Blende 6.8, ob das beim damals zur Verfügung stehenden Aufnahmematerial überhaupt einen praktischen Sinn ergibt?

Beste Grüße

Axel

23.01.23 19:28
Jan_S 

Moderator

23.01.23 19:28
Jan_S 

Moderator

Re: Ernemann Heag XIV 9x12 (Zweiverschlusskamera)

axel:
Ich frage mich bei diesen Verschlusszeiten (1/2500) und einer Kamera mit Blende 6.8, ob das beim damals zur Verfügung stehenden Aufnahmematerial überhaupt einen praktischen Sinn ergibt?

Das frage ich mich auch, Axel. Interessanterweise gab es zu Beginn des Jahrhunderts ja eine ganze Reihe solcher Modelle mit Schlitzverschluss bzw. in der Zwei-Verschluss-Bauweise; alle größeren Hersteller hatten m.W. so etwas im Programm. In den Katalogen wird immer die Eignung für Sportfotografie hervorgehoben. Das kann zwar nicht nur ein Werbegag gewesen sein; aber ich würde annehmen, dass die längeren Zeiten um 1/100 bedeutend häufiger verwendet wurden...

21.02.26 13:26
Jan_S 

Moderator

21.02.26 13:26
Jan_S 

Moderator

iIa Re: Ernemann Heag XIV 9x12 (Zweiverschlusskamera)

Hallo zusammen,

eigentlich suche ich ja noch nach der kleinen Variante der Heag XIV in 4,5x6; als nun aber ein Exemplar der 9x12-Version mit funktionierendem Schlitzverschluss (!) angeboten wurde, konnte ich nicht widerstehen, zumal es sich hier um eine frühere Ausführung mit der besten Objektivbestückung (Goerz Dagor 6,8/135) handelt. Die Kamera soll hier ergänzend kurz vorgestellt werden.





Wie bereits oben erwähnt, wurde die Heag XIV in der Größe 9x12 im Zeitraum 1909–1922 angeboten. Dieses Exemplar besitzt noch Merkmale der frühen Ausführung, nämlich die alte Standarte („starkes U-förmiges Vorderteil“) mit löffelartigen Handhaben sowie gerade geformte Spreizen. Der Schlitzverschluss erlaubt als kürzeste Zeit noch die 1/2500, und an der Gehäusewand ist ein automatisch ausklappender Newtonsucher ohne Seitenteile montiert. Die Kamera besitzt das klassische Ernemann-Rückteil mit kreuzförmigem Einblick, und als Warenzeichen wird die „Lichtgöttin“ genutzt. Anhand dieser Merkmale und der Seriennummer (2236xx) lässt sich die Kamera in den Zeitraum 1912–13 datieren.



Ausgestattet ist sie mit einem Goerz Dagor 6,8/135 in Automat B (bis 1/100). Das war die teuerste Ausstattung, im Katalog 1914 ist diese Variante mit 260 Mark gelistet. Der höherwertige – später als Chronos bezeichnete – „Sektorenverschluss“ wurde für diese Kamera übrigens nicht angeboten, für die kurzen Belichtungszeiten war ja der Schlitzverschluss zuständig.

Der Clou: Dieser Schlitzverschluss läuft noch! (Der Kamera lag übrigens eine handschriftliche Anleitung mit dem Briefkopf einer Kamerawerkstatt bei; vermutlich war der Apparat vor 10 Jahren bei einem Service).
Hier sieht man, wie bei halb gespanntem Verschluss die Schlitzbreite eingestellt werden kann:



Die Werte sind der „Geschwindigkeits-Tabelle“ auf der Kameraseitenwand zu entnehmen. Sie gelten für die Federspannung Stufe 12; dabei knallt es ganz schön, wenn der Verschluss abläuft…



Die Federspannung kann aber ebenfalls in mehreren Stufen reguliert werden. Durch die Kombination von 9 Schlitzbreiten und 12 Federspannungen ergeben sich hier theoretisch 108 Belichtungszeiten. Welche Kombinationen tatsächlich möglich waren bzw. empfohlen wurden, weiß ich nicht – dazu muss es eine weitere Tabelle im Lieferumfang der Kamera gegeben haben. Pritschow stellt in seinem Standardwerk Die photographische Kamera und ihr Zubehör (1931) die Funktionsweise des Ernemann-Schlitzverschlusses am Beispiel einer späteren Version ausführlich vor; diese späte Version hat noch 7 Schlitzbreiten und 10 Federspannungen, woraus sich 'nur' noch 70 Belichtungszeiten ergeben (S. 485).

--
Beste Grüße
Jan

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Entriegelungsknopf   Zahntriebeinstellung   Zweiverschluss-Kamera   Ernemann-Schlitzverschlusses   „Geschwindigkeits-Tabelle“   Produktionszeitraums   Westentaschenformat   Interessanterweise   Kleinbild-Spiegelreflexkameras   Schlitzverschlusses   Spiegelreflexkamera   „Sektorenverschluss“   Zweiverschlusskamera   Verschlußlamellen   Objektivbestückung   Zwei-Verschluss-Bauweise   Ernemann-Rückteil   Belichtungszeiten   Schlitzverschluss   fünfundzwanzigstel