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[iIa] Ernemann Miniatur-Klapp 4,5x6, 1. Version
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20.11.22 18:14
Jan_S 

Moderator

20.11.22 18:14
Jan_S 

Moderator

[ iIa ] Ernemann Miniatur-Klapp 4,5x6, 1. Version

Hallo Forum,

hier habe ich noch eine Baby-Plattenkamera, die Miniatur-Klapp im Format 4,5x6 von Ernemann. Es handelt sich um eine Spreizenkamera mit Schlitzverschluss; im Ernemann-Katalog von 1914 als "kleinste Schlitzverschlußkamera der Welt" beworben.



Das Objektivbrett liegt im geschlossenen Zustand hinter einer Abdeckung; diese wird herausgeklappt, es handelt sich nicht um einen Laufboden. Die Entfernungseinstellung erfolgt über einen Schneckengang am Objektiv, die Blende wird an der Objektivfassung verstellt. Das Objektiv ist horizontal verschiebbar, was für Hochformataufnahmen vorteilhaft ist.





Die Kamera besitzt einen vertikal ablaufenden Schlitzverschluss. Die Einstellung der Zeiten erfolgt durch Regulierung der Schlitzbreite, dazu dient eine Skala auf der Rückseite.



Eine Tabelle, in der die Werte den einzelnen Verschlusszeiten zugeordnet sind, war wohl ursprünglich auf der Außenseite der Abdeckung angebracht. An der rechten Seite befinden sich Drehräder für die Schlitzbreitenverstellung, den Aufzug, ein Hebel für die Umstellung zwischen B und Momentzeit sowie der Auslösehebel.



Auf der Oberseite gibt es einen aufklappbaren Newtonsucher, der zugehörige klappbare Diopter befindet sich vorn auf der Standarte.



Es handelt sich hier um die erste Version dieser Kamera; sie ist daran erkennbar, dass alle Bedienungselemente und der Auslöser an der rechten Seitenwand angeordnet sind. In dieser Form wurde sie im Zeitraum 1913–1920 gebaut. Um 1917 wurde der Verschluss geändert, dabei wurde die kürzeste Verschlusszeit von ursprünglich 1/2500 (!) auf 1/1000 verlängert (vgl. Göllner 1995, S. 212). In einer zweiten, auch äußerlich modifizierten Version befindet sich der Auslöser an der Frontseite, und die Bedienungselemente sind anders gestaltet. Ein Exemplar ist an anderer Stelle im Museum zu sehen, s. hier: https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...amp;page=12#112

Das oben gezeigte Exemplar ist mit einem Tessar 4,5/7,5 cm bestückt, das war seinerzeit die teuerste Variante. Die Kamera war für Platten oder Filmpack vorgesehen; oben ist eine (Noname-)Fimpackkassette montiert. Eine Mattscheibenrückteil war nicht dabei, es passen aber die Rückteile der Heag-Modelle des gleichen Formats (s. letztes Bild).

Eine faszinierende, sorgfältig konstruierte kleine Kamera. Leider ist bei meinem Exemplar der Verschluss defekt...

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Beste Grüße
Jan

Zuletzt bearbeitet am 30.03.26 22:31

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17.06.26 12:59
Jan_S 

Moderator

17.06.26 12:59
Jan_S 

Moderator

Re: Ernemann Miniatur-Klapp 4,5x6, 1. Version – Umbau

Hallo zusammen,

da ich ein Faible für umgebaute und modifizierte Kameras habe, die etwas über Probleme und Bedürfnisse früherer Nutzer verraten, konnte ich bei der hier vorzustellenden Kamera nicht widerstehen. Angeboten wurde eine „Klappkamera mit Rodenstock Trinar“ ohne genauere Beschreibung. Die war aber auch nicht erforderlich, denn die Kamera ist leicht als Ernemann Miniatur-Klapp 4,5x6 der 1. Version (1913–20) zu identifizieren, wie sie oben vorgestellt wurde – allerdings mit nachträglicher Modifikation.



Bei der Miniatur-Klapp handelt es sich bekanntlich um eine Schlitzverschluss-Spreizenkamera für Platten 4,5x6. Der Schlitzverschluss fehlt allerdings beim vorliegenden Exemplar; die entsprechenden Bedienungselemente wurden beidseitig abmontiert, ebenso die Rollos. An den Schlitzverschluss erinnert nur noch die Skala für die Einstellung der Schlitzbreite.





Das ursprünglich verbaute Objektiv (Ernemann, Goerz oder CZJ) mit Schneckengangeinstellung wurde ebenfalls entfernt; an seiner Stelle wurde auf der Frontplatte ein Rodenstock Trinar 3,5/75 mit Frontlinsenfokussierung in Ring-Compur 1–1/300 montiert. Wegen der damit verbundenen Verlagerung der Objektivposition musste der Auszug verkürzt werden; dazu wurden die Spreizen mit zusätzlichen Kerben versehen.



Das Objektivbrett muss vorsichtig in die Aufnahmeposition bugsiert werden, und weil die nötige Spannung fehlt, müssen die Spreizen manuell ausgerichtet und kontrolliert werden, aber es funktioniert grundsätzlich.

Gemäß Seriennummer dürfte das Objektiv aus früher Nachkriegsproduktion stammen; für den Verschluss kommt das Baujahr 1938–39 in Betracht. Rein technisch ist die Bestückung mit einem schlichten Dreilinser mit Frontlinseneinstellung sicherlich ein Rückschritt gegenüber der ursprünglichen Ausstattung, wenn auch die Lichtstärke überdurchschnittlich ist. Immerhin konnte und kann die Kamera auf diese Weise ohne größere Einschränkungen genutzt werden. Wenn man bedenkt, wie empfindlich die alten Schlitzverschlüsse sind und wie viele von ihnen defekt sind, ist es denkbar, dass in einer Zeit des Mangels der Versuch unternommen wurde, eine defekte Kamera mit einfachen Mitteln wieder nutzbar zu machen. Ich stelle mir vor, dass es auf dem Schwarzmarkt vielleicht Compur-Verschlüsse und Objektive gab. Nicht ausgeschlossen ist aber auch, dass der Umbau erst in jüngerer Zeit durch einen Anwender oder Sammler erfolgt ist.

Die Funktionsfähigkeit ist jedenfalls prinzipiell gegeben. Das Objektiv lässt sich sauber fokussieren, wie mit der vorhandenen Mattscheibe – es ist das ursprüngliche Mattscheibenrückteil mit dem charakteristischen Ernemann-Lichtschacht vorhanden – geprüft werden kann. Am Newtonsucher fehlt nur der Diopter, der eigentlich auf der Standarte befestigt ist. Der moderne Compur wirkt wie ein Fremdkörper, aber ansonsten ist der Umbau recht unauffällig, weil die Gehäuseseiten, auf denen die Schlitzverschluss-Bedienungselemente saßen, jeweils durch ein schwarz lackiertes Blech abgedeckt wurden. Weil das Objektiv aufträgt, musste die vordere Klappe mit einer Wölbung versehen werden. Hier wurde ein konisch zulaufendes Metallstück eingesetzt und mit Leder beklebt; etwas rustikal, insgesamt aber durchaus stimmig.



Beim direkten Vergleich mit der oben gezeigten Miniatur-Klapp zeigen sich kleinere Unterschiede im Detail, beispielsweise bei er Ausführung des Filmfensters. Hier dürfte es während der Bauzeit Änderungen gegeben haben. Das Baujahr des Kameragehäuses lässt sich nicht ermitteln, eine Seriennummer habe ich – anders als bei meiner 'echten' Miniatur-Klapp, einem späten Exemplar dieses Modells (1919/20), bei der sie sich rechts vom Filmfenster befindet – jedenfalls nicht gefunden.


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Beste Grüße
Jan

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Funktionsfähigkeit   Nachkriegsproduktion   Mattscheibenrückteil   Frontlinsenfokussierung   Schlitzverschluss-Spreizenkamera   Miniatur-Klapp   Ernemann-Lichtschacht   Schneckengangeinstellung   Frontlinseneinstellung   Schlitzverschluss-Bedienungselemente   Entfernungseinstellung   Baby-Plattenkamera   Compur-Verschlüsse   Schlitzverschluss   Schlitzverschlüsse   Hochformataufnahmen   überdurchschnittlich   Schlitzbreitenverstellung   Schlitzverschlußkamera   Bedienungselemente