Der Schwede Alexander Victor war als Schausteller durch Europa gereist und hatte in Paris die lebenden Bildern der Brüder Lumiere gesehen. Er war davon so fasziniert, dass er nach zähen Verhandlungen mit den Brüdern einen Projektor mit Filmen erwarb und nun seine Show mit Filmeinlagen erweiterte. 1900 kam er in die Vereinigten Staaten, wo er bis 1908 auf Tournee ging.
Er war so von dem neuen Medium überzeugt, dass er 1910 die ´New Victor Animato-Graph Corp.´ in Davenport/Iowa gründete. Zweck der Gesellschaft war die Fertigung von Materialien für die aufstrebende Filmindustrie. Die Firma wurde kurz danach in ´Victor Animatograph Corp.´ umbenannt. Victor war auch Gründungsmitglied der ´Society of Motion Picture Engenieers´, hier schlug er vor, den 28mm breiten Sicherheitsfilm der Firma Pathe als Norm einzuführen, der ohne Gefahr auch in Wohnungen vorgeführt werden konnte. Der Vorschlag wurde angenommen, fand jedoch in der Industrie keine Gegenliebe. Erst der 16mm-Film auf nichtentzündlicher Basis, den Kodak 1923 vorgestellte, führte zu einem Umdenken.
Victor war einer der ersten, der 1923 u.a. eine passende Kamera für den 16mm Film auf den Markt brachte, die ´Victor Model 1´, eine Aluminiumbox mit Festobjektiv für Tageslichtspulen und Kurbelantrieb für 14B/Sek., es folgte ein ´Model 2´mit Elektromotor und integrierter Spannungsversorgung. Victor war damit seiner Zeit weit voraus, aber die erhältlichen Batterien und Akkumulatoren waren für eine tragbare Kamera nicht geeignet, nach 50 Exemplaren wurde die Fertigung eingestellt.
Der Markt wuchs schnell und damit auch Victors Firma, er meldete unzählige Patente im Bereich Kinotechnik an. 1927 kam die Kamera ´Victor Model 3´nach dem Vorbild der Bell & Howell Filmo 70 erfolgreich auf den Markt. Meine´ Victor Model 4´ ist das Nachfolgemodell der ´Victor Model 3T´. Eine massive Kamera aus Alu-Guss für 16mm Film auf 30m Tageslichtspulen, mit 5 justierbaren Bildfrequenzen und einem dreifachen Objektivrevolver versehen, das Modell wurde von 1935 bis 1949 gefertigt.
Der Durchsichtssucher für 25mm mit Parallaxenausgleich hat Rahmen für 50, 75 und 100mm und eine kleine Besonderheit, ein Pendel zur Kontrolle der senkrechten Kamerahaltung, rechts im Bild zu sehen. Daneben gibt es noch eine Einstellhilfe mit Mattscheibe durch ein nicht genutztes Aufnahmeobjektiv.
Linkes Bild: Die mattierte Fläche des Umlenkprismas. Rechtes Bild: Okular der Einstellhilfe.
Die Bildfrequenzeinstellung ist ungewöhnlich, der Knopf des Auslösers muss angehoben und bei der entsprechenden Bildfrequenz eingerastet werden, die Einstellung wirkt direkt auf den Fliehkraftregler und verstärkt bei höheren Bildfrequenzen den Andruck der Filmführung. Der Druck auf den Auslöser startet die Kamera, eine kleine Linksdrehung arretiert den Dauerlauf. Laut Bedienungsanweisung lässt sich ein Einzelbild bei Einstellung auf 8B/Sek und kurzem Druck erzwingen.
Der Auslöser, auf der Unterseite der Kamera der Bildzähler.
Hinter der Filmandruckplatte ist der Hebel für die Andruckverstärkung zu sehen.
Neben dem Federwerk das 33Fuss (ca.10m) durchzieht, kann der Film durch eine Handkurbel mit 8Bildern/Umdrehung transportiert werden, der Anschluss befindet sich über der Aufzugskurbel und ist mit einer Kappe verschlossen. Wie bei der Konkurrenz Bell & Howell sind bei der Kamera Ölstellen für das Laufwerk vorgesehen.
Wie so vielen Firmen ist auch Victor die Schließung nicht erspart worden, 1946 übernahm der Flugzeughersteller Curtiss-Wright die Firma, stellte 1948/49 die Kamerafertigung ein und 1950 den Geschäftsbetrieb. Alexander Victor verstarb 1961. Bis zu seinem Tode war er Mitglied der Society of Motion Picture Engenieer und wurde 1964 posthum in die Ehrenrolle der Gesellschaft aufgenommen.
Das Datenblatt: Ausschnitt aus einer Werbeanzeige in der Zeitschrift Movie Makers vom Juli 1935.
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