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Ica Polyskop 607/2 (bzw. 607/3)
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26.08.26 16:39
Jan_S 

Moderator

26.08.26 16:39
Jan_S 

Moderator

Ica Polyskop 607/2 (bzw. 607/3)

Hallo zusammen,

die zahlreichen Polyskop-Modelle der Ica unterscheiden sich zum Teil nur in Nuancen; das mag für manche langweilig sein, kommt dem Sammlertrieb aber sehr entgegen. Ich kann hier nun eine der selteneren Modellvarianten zeigen, nach der ich mehrere Jahre habe suchen müssen, das Polyskop 607/2 (bei Auslieferung mit Wechselmagazin) bzw. 607/3 (gleiches Gehäuse, Auslieferung mit Einzelkassetten). Es handelt sich um die letzte Ica-Version des Polyskops im Format 4,5 x 10,7, ein Übergangsmodell, das nur im Zeitraum 1925–26 in den Katalogen angeboten wurde und nach der Zeiss Ikon-Fusion abermals überarbeitet wurde. Abgebildet und beschrieben wird es im Ica-Katalog 1925 (Liste 125 C), S. 70.





Grundsätzlich basiert die Kamera auf dem Polyscop/Polyskop 606 bzw. 607, das als 606/1 (mit Wechselkassette) bereits an anderer Stelle vorgestellt wurde (--> https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...5&thread=32). (Der Unterschied zwischen den vorherigen Modellen 606 und 607 besteht nur darin, dass beim Modell 607 die Frontplatte vertikal verschiebbar ist.)

Das neue Modell 607/2 bzw. /3 besitzt also im Wesentlichen die gleichen Merkmale: Präzisions-Stereokamera in starrer Bauform für Platten 4,5x10,7; Metallgehäuse mit eingelassenem Brillantsucher; zwei Tessare 4,5x6,5 cm in Stereo-Compur 1–1/250. Während bei den früheren Modellen eine ganze Palette von Objektiven zur Auswahl stand, wurden 607/2 und /3 ausschließlich mit Tessaren 4,5 angeboten.

Geändert haben sich der Sucher für Aufnahmen aus Augenhöhe und vor allem die Konstruktion der Entfernungseinstellung: Die Kamera ist nun nicht mehr mit einem Newtonsucher, sondern mit einem einen klappbaren Ikonometer ausgestattet, wie ihn auch die ebenfalls 1925 erschienen Plaskope 602 und 603/2 besitzen (--> https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...5&thread=46). Die Fokussierung erfolgt nun nicht mehr über einen Hebel, der das Vorderteil über einen Schneckengang bewegt, sondern über einen Zahntrieb mittels zweier seitlich angeordneter Triebknöpfe. Zwischen Vorderteil und Kamerakörper befinden sich zwei getrennte Balgen, die bei der Naheinstellung sichtbar werden. Die eingestellte Entfernung ist auf einer Skala auf der linken Seite ablesbar.



Warum die schon vor 1912 von Zulauf etablierte und offenbar bewährte Konstruktion geändert wurde, ist mir nicht klar: War die Herstellung vielleicht günstiger? Mir scheint die Handhabung zumindest etwas bequemer als mit dem obenliegenden Hebel. Schon kurze Zeit später, mit Übernahme in das Programm von Zeiss Ikon 1926/27, wurde auf die technisch schlichtere Lösung der Frontlinsenverstellung umgestellt (im Zeiss Ikon-Katalog von 1927 heißt das Modell dann Polyskop 607/4). Die Frontlinseneinstellung finden wir dann auch beim ZI-Polyskop 609 (--> https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...5&thread=41) und anderen späten Ica-Konstruktionen wie der modernisierten Bébé (40/2 und 41/2) von 1925 (--> https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...&thread=320).

Die Kamera wurde im Zeitraum 1925–26 für 505 (607/2) bzw. 405 RM (607/3) angeboten. Die Modelle unterscheiden sich nur im Lieferumfang: 607/2 mit Wechselkassette (neues Design mit geändertem Öffnungsmechanismus), 607/3 mit Einzelkassetten. Technisch gab es keinen Unterschied, wie man im Katalog 1925 erfährt, denn „einzelne Metallkassette, Filmpack- und Wechselkassette liegen im gleichen Fokus und können ohne weiteres abwechselnd, und ohne Zuhilfenahme eines Adapters, verwendet werden“ (S. 70) – auch das ein Unterschied zum Vormodell, bei dem ein Adapter erforderlich war. Das vorliegende Exemplar kam mit einer (defekten) Wechselkassette älterer Bauart, die nicht zur Kamera passt; ich gehe also davon aus, dass es ursprünglich nur mit Einzelkassetten ausgeliefert wurde, und habe es als Modell 607/3 klassifiziert.

Das Exemplar hat deutliche Gebrauchsspuren, funktioniert aber – nach Reinigung des Verschlusses und Befestigung des Brillantsuchers – wieder einwandfrei. Leider habe ich versäumt, bei der Demontage Bilder vom Innenleben zu machen; das ist ganz interessant. – Ich zeige die Kamera hier mit einer passenden Packfilmkassette.

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Beste Grüße
Jan

Datei-Anhänge
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