unter der Bezeichnung „Duotar“ brachte Contessa-Nettel vermutlich 1922 einen Stativkopf mit Mikrometereinstellung heraus, der die Arretierung der Kamera in jeder Position ermöglichte. Nun habe ich mich lange Zeit für diesen Bereich gar nicht interessiert, zumal die frühen Metallstative, wie man sie oft als Beifang bekommt, ja zumeist etwas wackelig sind. Mir ist aber aufgefallen, dass der Duotar – namentlich in der späteren Zeiss Ikon-Version – recht hohe Preise erzielt (z. B. hier: https://www.leitz-auction.com/de/Zeiss-I...1629/AI-5-23358), und in den frühen Zeiss Ikon-Katalogen ist es auch der einzige angebotene Stativkopf. Pritschow stellt den Duotar in seinem Standardwerk Die photographische Kamera und ihr Zubehör (1931) ausführlich inkl. Explosionszeichnung vor (S. 385–386). Daher schien mir eine nähere Beschäftigung damit lohnend, und als nun in den Kleinanzeigen ein Exemplar günstig angeboten wurde, habe ich zugegriffen.
Der Kopf ist mit einer Höhe von 9 cm und einem Gewicht von 240 g klein und kompakt, macht aber schon auf den ersten Blick einen sehr soliden Eindruck. Die untere Platte besitzt das seinerzeit übliche Gewinde 3/8‘‘ zur Montage auf dem Stativ. Der Teller, an dem die Kamera befestigt wird, lässt sich über zwei Mikrometerschrauben unabhängig voneinander neigen und drehen und in jeder Position arretieren. Außerdem sind beide Platten drehbar. So ist einerseits jede beliebige Kameraposition möglich, anderseits erfolgt die Einstellung wesentlich präziser, als es mit einem Kugelkopf der Fall ist. Hier wurde früh also das Prinzip des Zwei-Wege-Getriebeneigers verwirklicht. Bei der 360°-Drehung des oberen Tellers lassen sich Skalenwerte von 1 bis 7 ablesen – vermutlich für Panoramaaufnahmen –, sodass eine Drehung um jeweils 45° möglich ist.
„Die Erfindung betrifft einen Stativkopf, der gegenüber den vorerwähnten Bauarten [Kugelkopf usw.] einen wesentlichen technischen Fortschritt darstellt, als die Beweglichkeit und Festlegung nach allen Seiten in beliebiger Weise möglich ist. Zu diesem Zwecke wurden zwei zueinander rechtwinklig verlaufende Neigungsachsen vorgesehen, von denen die erstere einen Arm hat, der um einen senkrechten, mit dem Aufschraubkörper verbundenen Zapfen um 360° herumschwenkbar ist. Die obere Neigungsachse hat ebenfalls einen drehbaren oberen Arm, der als Lager für einen um 360° auf oder in ihm ruhenden Aufsatzteller oder Gerätträger dient. Sämtliche Drehachsen sind, jede für sich, durch Klemmvorrichtung feststellbar. Der untere Arm des Stativkopfes hat einen Lagerzapfen, um den ein Zwischenglied schwenkbar ist.“
Zur Belastbarkeit werden in den Katalogen keine Angaben gemacht, doch im Zeiss Ikon-Katalog 1929 (C 347) heißt es, der Kopf sei „auch für Kino-Aufnahmeapparate ganz besonders empfehlenswert“ (S. 93). In der Patentschrift ist neben „Lichtbildkammern“ auch von Messgeräten die Rede.
Ich habe den Kopf hier mal auf ein Gitzo-Stativ montiert und mit verschiedenen zeitgenössischen Kameras bestückt, hier einer Nettel 9x12. Die Kombination macht einen sehr soliden Eindruck, die schwere Kamera lässt sich bequem und präzise ausrichten und wackelt nicht.
Wie bereits erwähnt, wurde der Duotar 1926 mit der Bestell-Nr. 1629 in das Programm der Zeiss Ikon AG übernommen; interessanterweise ist es neben einem Kugelkopf und dem von der Ica übernommenen Camera-Neiger (--> https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...4&thread=32) der einzige Stativkopf.
Der Preis betrug Ende der 1920er Jahre 18,50 RM. Besonders groß scheint die Auswahl auch bei der Konkurrenz nicht gewesen zu sein. Im Katalog 1931 von Photo-Matthias (Dresden) werden außerdem noch Modelle von Agfa und Meyer angeboten (jeweils 10 RM), preislich rangiert der Duotar mit jetzt 15,30 RM aber deutlich darüber. Es scheint also ein gehobenes Modell gewesen zu sein, und die Tatsache, dass das über 100 Jahre alte Exemplar noch tadellos funktioniert, bestätigt diesen positiven Eindruck.
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