Am 19. November 1929 meldete die Zeitschrift „Die Photographische Industrie“: „Die Firma Balda-Werke, Max Baldeweg, Dresden 34, Wilischstraße 1, bringt eine neue Kastenkamera unter der Bezeichnung, Balda-Rollbox" heraus. Die Rückwand dieser neuen Kamera, die sich durch ihre einfache Handhabung auszeichnet, ist nach Art der bekannten Balda-Rollfilmkassette ausgebildet. Die Rückwand kann aufgeklappt, der Einsatz herausgenommen und der Rollfilm eingelegt werden wie bei jeder Rollfilmkassette. Die Kamera zeichnet sich durch ihren außerordentlich niedrigen Preis aus. Sie ist mit einem Rahmensucher ausgerüstet, der durch seine flache, versenkbare Lage beim Tragen der Kamera nicht zu merken ist. Die Kamera ,,Balda-Rollbox" wird in Braun und Schwarz mit geschmackvollem Karton geliefert und kann somit für den Photohändler als ein sehr guter Verkaufsartikel, besonders für den Weihnachtsbedarf, gelten.“ Den Namen „Roll-Box“ hatte Max Baldeweg am 6. November 1929 als geschütztes Wortzeichen angemeldet und am 7. Juni 1930 wurde er eingetragen. Wie lange diese erste Ausführung der hergestellt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Eine Gebrauchsmustereintragung vom Juli 1930 und ein Patent vom Dezember 1930 für eine Rollfilmboxkamera für Max Baldeweg legen jedoch die Vermutung nahe, dass die neue Modellvariante bereits in der zweiten Jahreshälfte 1930 auf den Markt kam.
Das Metallgehäuse der Rollfilmbox besitzt einen braunen Lederbezug. Der Rollfilmhalter ist fest am Gehäuse montiert. Es kann also kein Plattenhalter eingeschoben werden. Der einfache Verschluss mit der Linse ist frontseitig aufgesetzt. Er erlaubt Zeit- und Momentaufnahmen (ca. 1/25) und besitzt ein Drahtauslösergewinde. Der klappbare Drahtrahmensucher fehlt beim vorliegenden Exemplar leider.
Sehr ähnliche Boxkameras (allerdings mit rückseitigen Platteneischub) finden sich derzeit bei Ebay Nr. 115647809059 (als eventuelle Ernemann) und beim Deutschen Kameramuseum als „Laack Merkur“ (https://kameramuseum.de/objekte/laack-merkur-65-x-9-cm/).
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das ist ja in der Tat eine interessante und auch etwas kuriose Kamera! Man hat ja den Eindruck, dass die vorhandene Rollfilmkassette der Ausgangspunkt war und man ein Boxgehäuse davorgesetzt hat. Für eine Kamera um 1930 – seinerzeit gab es ja schon eine Reihe von kompakten Rollfilmboxen – wäre das eigentlich eine recht archaische Lösung. Aufschlussreich finde ich da den Hinweis auf das Ebay-Angebot: Die dort angebotene Kamera (mit Sicherheit keine Ernemann; auf die Idee ist der Verkäufer wohl wegen des Dosenverschlusses gekommen) entspricht offenbar Deinem Modell, nur hat sie kein Rollfilmrückteil. Ist möglicherweise also eine (hauseigene?) Plattenbox der Ausgangspunkt, die man bei Balda mit einer Rollfilmkassette aus eigener Produktion 'modernisiert' hat? Die Bezeichnung Rollbox spräche dafür. Aber selbst wenn das so war, bleibt es doch eine recht rustikale Konstruktion, da kann das Leder noch so farbig sein...
das sehe ich ebenso. Die Rollfilmkassette scheint ein Verkaufsschlager von Balda gewesen zu sein, also wurde sie einfach an die neue Rollfilmbox montiert. Ein besonders großer Erfolg scheint die erste Rollbox nicht gewesen zu sein, denn sie ist heute selten und wurde bereits nach kurzer Zeit durch das Nachfolgemodell ersetzt. Vielleicht findet sich ja irgendwann noch ein Verkaufspreis für diese erste Rollbox, um einen Vergleich mit den anderen Rollfilmboxen zu ermöglichen.
wirklich eine eigenständige, eigenartige, eigenwillige besondere Box, die sich vom Durchschnitt durch die kasssetten-artige Rückseite. Da muß man erstmal drauf kommen ...
Ich kann mir denken, dass die Verschluß-Objektiveinheit das Image der Kamera anhob, sieht wie "ein richtiger" Fotoapparat aus, hat was.
Beste Grüße von Haus zu Haus Rainer (Forumbetreiber)
Analog: Aus Negativ wird Positiv. Digital: Pixel sind nicht alles, aber ohne Pixel ist alles nichts.
die ebay Box 115647809059 unterscheidet sich aber nicht nur durch Platte oder Film sondern auch durch den Rahmensucher diser soll ja bei der Rolfilmkamera versenkbar sein (leider auf den Bildern nicht zu sehen) und der Plattenkamera wo dieser schwenkbar ist.
Ich habe die Kameraseite, wo sich der Klappsucher befand, nochmal im Streiflicht fotografiert. So sieht man recht gut, dass das Gehäuseblech entsprechend gepresst wurde.
Was die Vergleichskameras betrifft, so ist die „Laack Merkur“ zweifellos eine Balda-Kamera (https://kameramuseum.de/objekte/laack-merkur-65-x-9-cm/). Sie besitzt die gleichen „BW“-Initialen (Balda Werke) auf dem Verschluss wie meine Rollbox. Die Sucherbefestigung ist anders als bei meiner Box und das Gehäuse besitzt auch nicht die Pressung für den Sucher. Außerdem hat die Kamera eine andere Griffbefestigung.
Die Ebay Kamera (115647809059) besitzt die gleiche Griffbefestigung wie die Rollbox und der Verschluss sieht ebenfalls identisch aus. Es finden sich aber keine Balda-Initialen auf dem Verschluss und der Sucher ist ebenfalls anders.