Die Finetta 99 wurde wohl ab 1953 in den Finetta-Werken Peter Saraber in Goslar hergestellt. Dieses Kameramodell wird gern auch als Höhepunkt der Kameraentwicklung der Finetta-Werke bezeichnet. Die Finetta 99 ist eine kompakte System-Kleinbildkamera mit Federwerksfilmtransport und gilt auch als erste Kleinbildkamera mit Federwerksmotor für das Aufnahmeformat 24 x 36.
An der Kamera konnten mittels speziellem Bajonettanschluss (Patent DE000001673949U) verschiedene Objektive verwendet werden. Im obigen Bild angeschlossen ist ein Finatar 6,3/105 mm mit klappbar am Objektiv montierter Suchermaske (Patent DE000001656343U) und daneben im Bild ein P. Saraber Goslar Finon 2,8/ 45 mm (Macro, hergestellt von Staeble/München).
Da die Finetta über einen Federwerksmotor und Schlitzverschluss (bis 1/1000s) verfügt, wird der Tuchverschluss nach jedem Auslösevorgang blitzschnell per Federmotor (Patent DE000001686382U) wieder gespannt und gleichzeitig der Film weiter transportiert. Das kann man bei geöffneter Rückwand auch eindrucksvoll verfolgen. Ein passendes Video dazu (leider schlecht belichtet) findet sich hier: https://youtu.be/-imWBJGcks0?si=W2RC0mZI2UZDfcHs . Ich finde Auslöse-, Transport- und Spannvorgang fast noch eindrucksvoller als bei der Berning Robot. Kopiert wurde dieser von Peter Sarabèr konstruierte Mechanismus bei der Leningrad Kamera von GOMZ (https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...&thread=221 ).
Speziell für die Finetta Kameras lieferte das Werk in Goslar auch diverses Zubehör, so zum Beispiel das im obigen Bild mit gezeigte Finelux Blitzgerät (Patent DE000000848743B). Als Namensvariante für den amerikanischen Markt findet sich die Finetta 99 auch unter den Modellbezeichnung „Ditto 99".
Ab 1953/54 war als Weiterentwicklung auch die Finetta 99L verfügbar. Sie konnte mit einem zusätzlichem Langzeiten-Einstellrad auch die Belichtungszeiten 1/10 bis 1 Sekunde abdecken. Einige Bedienungsfinessen der Finetta 99L werden in folgendem Video erläutert: https://youtu.be/CMYuWUxuME0?si=VcnfnuU0ZMz_Vy-s . 1956 mussten die Finetta-Werke Konkurs anmelden und spätestens 1957 endete die Kameraproduktion.
Hier die allgemeinen Daten der Saraber Finetta 99:
Art: Kleinbild-Systemkamera
Baujahr: 1953 – 1956 (1957?)
Gehäuse: Leichtmetall
Aufnahmeformat: 24 mm × 36 mm auf 135er Kleinbildfilm
Objektive/Fokus: P. Saraber Goslar Finon 2,8/ 45 mm (Macro, hergestellt von Staeble), 22 cm bis unendlich und Finatar 6,3/105 mm (Hersteller?) 4 Meter bis unendlich
Verschluss: Tuchschlitzverschluss, 1/25 - 1/1000 s, B.
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Danke für die Ergänzung Wolfgang - das hatte ich vergessen zu erwähnen.
Außerdem wollte ich noch darauf hinweisen, dass wir den 'Urvater' der Finetta 99 auch schon hier im Forum haben: Uli Reichert hat eine sehr frühe Finette hier vorgestellt: https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...&thread=248
in der Tat ein bemerkenswertes Exponat, nicht zuletzt mit dem spektakulären Blitzgerät, und mit schönen 50er-Jahre-Details. Gehäusebezug und Fassung des Finatars sind sogar in der gleichen Farbe ausgeführt... Zu der Gehäusebespannung habe ich ein Frage: Was ist das für ein Material? Es erinnert mich an den grauen Bezug der späten Flexaret-Modelle. Und konnte man zwischen verschiedenen Gehäusefarben wählen? Die Exemplare im Kameramuseum weisen verschiedene Grau-/Grün-/Olivtöne auf, Deins scheint eher beige zu sein. Ähnliches kenne ich von der Yashica 44A (späte 1950er Jahre). Ist die Farbe der Objektivfassung dann zufällig?
Hallo Axel, funktioniert die Federwerk-Verschluss-Transporteinheit? Ich hatte schon mehrere Finettas mit Federwerk in der Hand, die nicht mehr funktionieren. Die Ursache lag jeweils an einer für diese Federspannungskräften zu schwach ausgelegte Bolzen an der Übertragungswelle, und, aus gleichen Gründen gerissene Übertragungshaken. Wenn deine Kamera funktioniert, dann Gratulation...
zum Gehäusebezug kann ich nichts rechtsgültiges sagen aber irgendwann kam mal in einer Diskussion die Aussage das zumindest der schwarze Bezug eine Folie ohne Trägermaterial gewesen sein soll. Wenn das stimmt müsste es so ähnlich wie D-C-fix geween sein denn diese Folien konnten mir genarbter Oberfläche hergetellt werden.
Glückwunsch zu dieser feinen ""Robot"" - artigen Kamera, gefällt mir insgesamt besser als mein Robot. Ein besonders Stück hast Du da "an Land gezogen".
p.s. auch das Blitzgerät: "Erste Sahne"!
Beste Grüße von Haus zu Haus Rainer (Forumbetreiber)
Analog: Aus Negativ wird Positiv. Digital: Pixel sind nicht alles, aber ohne Pixel ist alles nichts.
der Bezug ist aus Kunststoff (Gummi?), welcher anscheinend auch keinen Gewebeträger besitzt. Ich habe aber keinen Beleg dafür gefunden, dass man zwischen unterschiedlichen Farbtönen wählen konnte.
Die Federwerk-Verschluss-Transportmechanik funktioniert und die Zeiten klingen auch stimmig. Ob die Kamera tatsächlich funktioniert, wird der Filmtest noch ergeben. Auf dem oben verlinkten Video kann man zumindest erahnen, dass Auslösen, Spannen und Filmtransport in Sekundenbruchteilen erfolgen. Die wirkenden Kräfte auf die Mechanik und auch auf den Film müssen in der Tat recht groß sein.
Interessant finde ich noch die Fokuseinrichtung des Finon 2,8/45. Das ist im zweiten verlinkten Video auch zu sehen: Man kann den Fokusring mehrere Umdrehungen bewegen, sodass nach und nach die Fokusskala in vier Ebenen sichtbar wird.