bei der heute recht seltenen Nettax 538/24 handelt es sich um eine Kleinbild-Sucherkamera mit Schlitzverschluss, gekuppeltem Entfernungsmesser und auswechselbarem Objektiv, die im Juli 1936 auf den Markt kam.
Auf der Leipziger Frühjahrsmesse desselben Jahres war sie zunächst als Super-Nettel III vorgestellt worden. Die seit 1934 angebotene Super Nettel (Modelle I [536/24] und II [537/24]) war eine Faltkamera mit fest eingebautem Objektiv, die als ‚Volks-Contax‘ wahrgenommen wurde (--> https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...&thread=189). So war auch die neue Kamera positioniert, allerdings bekam sie ein starres Gehäuse und ein Wechselbajonett. Auf diese Gemeinsamkeit mit der Contax spielt offenbar die im Sommer 1936 vergebene Bezeichnung Nettax an, eine Kontamination aus Nettel und Contax.
Die Nettax besitzt den gleichen Schlitzverschluss (1/5 – 1/000) wie die Super Nettel. Auch die Anordnung und Ausführung der Bedienungselemente verweist auf eine konstruktive Ähnlichkeit; hier zum Vergleich eine Super Nettel (I) von 1934.
Das Gehäuse der Nettax ist verchromt (ebenso wie das der Super Nettel II). Das Objektiv ist, wie erwähnt, mittels Bajonettanschluss auswechselbar. Das Drehkeilinstrument für den Entfernungsmesser befindet sich an der Fassung. Das Objektiv, ein Tessar 2,8/50, ist versenkbar. Die Entfernungseinstellung erfolgt über den seitlichen Hebel; die Einblicköffnungen für Sucher und Entfernungsmesser sind getrennt. Die Blende wird an der Vorderseite der Fassung reguliert.
Für die Nettax wie auch die Super Nettel gab es diverses Zubehör, z. B. verschiedene Zusatzsucher, den Nahbereichsmesser Contameter sowie einen Plattenadapter. Von einer echten Systemkamera kann aber insofern keine Rede sein, als das Objektivprogramm sehr eingeschränkt ist: Verfügbar waren das Normalobjektiv (Tessar 2,8 oder 3,5) sowie ein Triotar 5,6/10,5; über einen Zwischenring (538/39) konnte auch das Weitwinkel-Tessar 8/2,8 der Contax angeschlossen werden. Die Kamera war kein großer Erfolg; das Modell lief bereits im Februar 1939 aus, produziert wurden nur 3.000 Exemplare. Der Verkaufspreis betrug in der gezeigten Ausstattung 285 RM.
Weitere Informationen zu der Kamera findet man in einem Photo-Deal-Artikel von Bernd K. Otto, der sich mit der Entwicklung der Super Nettel befasst (Heft 29, II/2000, S. 56–60), sowie auf der Seite von Mike Elek (--> https://elekm.net/zeiss-ikon/nettax/).
Die Modellbezeichnung Nettax wurde übrigens in den 1950er Jahren wiederbelebt, und zwar für ein ganz anderes Modell (Nettax 513/16), eine eher einfache Rollfilmkamera 6x6 – die Prinzipien der Modellbenennung sind bei ZI oft schwer nachvollziehbar, umso wichtiger die Orientierung an den zweiteiligen Bestellnummern.
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eine interessante Kamera, die irgendwie auch ein wenig an die Leica erinnert. Bemerkenswert finde ich den Kombi-Knopf für Auslöser, Filmtransport und Verschlußzeiten-Einstellung.
Geht der Sucher irgendwie mit den Bildwinkeln bei Objektiv-Wechsel um?
Beste Grüße von Haus zu Haus Rainer (Forumbetreiber)
Analog: Aus Negativ wird Positiv. Digital: Pixel sind nicht alles, aber ohne Pixel ist alles nichts.
Rainer:eine interessante Kamera, die irgendwie auch ein wenig an die Leica erinnert. Bemerkenswert finde ich den Kombi-Knopf für Auslöser, Filmtransport und Verschlußzeiten-Einstellung.
Ja, sie ist – typisch Zeiss Ikon – sehr gut verarbeitet und liegt auch gut in der Hand. Konstruktion und Bedienkonzept mit dem Aufzugsknopf entsprechen dem der Contax-Modelle.
Rainer:Geht der Sucher irgendwie mit den Bildwinkeln bei Objektiv-Wechsel um?
Nein, und auch das ist wie bei der Contax: Der Sucher ist auf die Brennweite 50mm abgestimmt. Für die anderen Objektive muss man einen brennweitenspezifischen Zusatzsucher oder den Universal-/Revolversucher benutzen, die jeweils auf dem Zubehörschuh befestigt werden. Der Revolversucher ist allerdings nur für 8,5 und 13,5 cm ausgelegt. In dem oben abgebildeten Heft "Contaxphotographie" von 1936 (Zeiss Ikon C740a), in dem auch Super Nettel und Nettax behandelt werden, gibt es auch eine Auflistung der verfügbaren Sucher für diese Kameras. Für die Brennweite 10,5 wird nur ein Sucher erwähnt, ein Albadasucher mit der Nr. 433/41, der auch für 50mm verwendet werden kann. Das dürfte also der für diese Kamera bestimmte Sucher sein. Vielleicht wurde mit dem Objektiv auch ein spezifischer Sucher mitgeliefert, dafür finde ich aber keinen Hinweis.
Wolf:Eine schöne Kamera. Ist der Verschluss mit dem der Contax identisch?
Die Grundkonstruktion stimmt wohl mit dem der Contax II/III überein, allerdings weicht der Zeitenbereich ab (1/5–1/1000 gegenüber 1/2–1/1250 bei der Contax). Es ist aber der gleiche Verschluss, der auch in der Super Nettel verwendet wurde.
Danke für die Information. Ich sehe da keinen großen Nachteil zur 1/1250 der Contax, die Belastung der Mechanik und der Verschlussbänder war so schon groß genug.