Kolibris sind bekanntermaßen die kleinsten Vögel der Welt und so nimmt es nicht Wunder, dass Emil Wünsche seine ‚Kleinbildkamera‘ vor reichlich 120 Jahren mit dem Modellnamen „Kolibri“ versah. Auch die Nachfolgefirma Zeiss Ikon benannte zu Beginn der 1930er Jahre ihre Kleinbildkamera im damals populären Aufnahmeformat 3x4 nach diesem kleinen Vogel (https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...&thread=232).
Wünsches Kolibri im Aufnahmeformat 6 x 6 (Rollfilm 117) ist allerdings weit weniger üppig ausgestattet, als das knapp 30 Jahre später erschienene Modell von Zeiss Ikon. Die Kamera verfügt über ein Holzgehäuse mit schwarzem Kunstlederbezug und über einen roten Lederbalgen. Der Laufboden wird nur von einer Spreize gehalten und besteht aus Leichtmetall. Fokussiert wird mittels Verschiebens des Objektivträgers auf dem Laufboden (ohne Unendlichanschlag). Als Objektiv dient ein mutmaßlicher Achromat unbekannter Brennweite und Lichtstärke. Ein Blendeneinstellung ist nicht vorhanden. Der einfache Verschluss muss aufgezogen werden und ermöglicht Aufnahmen in den Modi T und M (ca. 1/25 s). Als Sucher dient ein fest installierter Kleinwinkelsucher. Bei geöffneter Rückwand sieht man, dass weder Filmtransportrollen noch Spulenhalter vorhanden sind. Auch eine Filmandruckplatte sucht man vergeblich.
Als Vorbild für die Wünsche Kolibri diente sicherlich die ab 1899 hergestellte Kodak No. 2 Folding Pocket Camera im etwas größeren Format. Auch Hüttig hatte mit der Gnom ein sehr ähnliches Modell im Sortiment:
Die Wünsche Kolibri wird nach verschiedenen Quellen zwischen 1903 und 1905 datiert. Genauere Angaben habe ich jedoch nicht gefunden. Hier mal beide Vögelchen nebeneinander.
Während Wünsches Kolibri nur 245 Gramm auf die Wiege bringt, liegt die Zeiss Ikon Kolibri mit 475 Gramm schon deutlich schwerer in der Hand.
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vielen Dank für die ausführliche Vorstellung dieser interessanten Kamera! Zwei Aspekte finde ich hier besonders bemerkenswert:
1. Für mich ist immer wieder erstaunlich, bei wie vielen Kameramodellen deutsche Hersteller Anleihen bei Kodak gemacht haben. Ob es Westentaschenkameras von Contessa Nettel sind oder Agfa-Kameras im art déco-Design, die Jorge kürzlich vorgestellt hat, oder nun diese Kolibri – alle haben sie Vorläufer im Kodak-Programm. Für mich waren Kodaks bislang immer uninteressante Massenkameras, das muss ich wohl doch überdenken.
2. Wieder ein schönes Beispiel für die Willkürlichkeit oder auch Phantasielosigkeit, mit der bei Zeiss Ikon und den Vorgängern Modellnamen vergeben bzw. reanimiert wurden (Nettel, Ikonette usw.). Die spätere Kolibri 3x4 ist ja gerade nicht besonders klein... Von der Wünsche Kolibri scheint mir aber ein direkter Weg zur abgespeckten Icarette 6x6 zu führen, der Alpha 490 (https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...&thread=361) – ebenfalls reduziertes Gehäuse mit nur einer Spreize und sonst Minimalaussstattung.
Eine sehr interessante Kamera, wie alle von Emil Wünsche. Ich frage mich, ob jemand ein Katalogbild hat, um diese Präsentation zu teilen und zu vervollständigen. Ich habe kein Katalogbild dieser Kamera, obwohl ich das Modell kannte.
die konstruktive Ähnlichkeit der Wünsche Kolibri (und auch der Hüttig Gnom bzw. ab 1904 Lloyd 504) mit der ICA Icarette (bzw. Alpha 490) ist mir auch aufgefallen. Eventuell standen diese älteren Modelle ja Pate bei der Icarette. Allerdings hatte zumindest Hüttig das kleine Modell ab 1906 nicht mehr im Sortiment. Wie lange Wünsche die 6x6 Rollfilmkamera herstellte, ist mir nicht bekannt.
Eine Katalogabbildung der Wünsche Kolibri habe ich leider auch nicht. Man findet auf photographica-world einen schlecht aufgelösten Scan (http://www.photographica-world.de/_WUENSCHE.htm ). Jan Beenken hat in seinem Heft zu Emil Wünsche einige Katalogabbildungen. Für die Kolibri hat er jedoch ein Foto verwendet, welches sich auch bei collectiblend.com findet (Jan Beenken: Emil Wünsche. 2021, S.62).