wenn man sich mit den 3x4-Kameras der frühen 30er Jahre beschäftigt, stößt man unweigerlich auf die Korelle 3x4 von Franz Kochmann, Dresden (später: Korelle-Werk). Es ist gewissermaßen der Prototyp der Spreizenkameras dieser Kategorie. Die Kamera erschien 1930 und wurde mit diversen Objektiv-Verschluss-Bestückungen gebaut, mit Frontlinsen oder Schneckengangfokussierung ausgestattet und unter diversen Handelsmarkennamen verkauft.
Es ist eine Spreizenkamera, deren Vorderteil auf Knopfdruck aufspringt, wobei sich der Rahmensucher automatisch öffnet. Der Filmtransport erfolgt über die beiden Rotfenster auf der Rückseite.
Auf dem Bild sieht man die Vielfalt der Varianten:
eine einfache Korelle mit Schneider Radionar 4,5/5 in Vario,
eine Korelle (ohne Schriftzug) mit Schneider Xenar 3,5 und Gesamtobjektivverstellung in Compur,
eine Korelle mit Meyer Trioplan 4,5 in Ibsor,
eine als Megor gelabelte Korelle mit Meyer Primotar 3,5
sowie eine als Herlango (Hrdliczka, Langer & Goldmann, Wien) bezeichnete Korelle mit einem "Hofmeister Jena Xenostar" 4,5/5, wiederum mit Schneckengang.
Weitere Handelsmarkennamen, unter denen die Korelle angeboten wurde, sind Eichapfel Bella; Reporter; Steinheil Kleinfilm und vermutlich noch weitere. Auch eine Korette ist belegt (vgl. Photo-Deal Heft 31 und 33). Kochmann bot Korelle-Kameras auch in anderen Formaten an (z. B. 4,5x6, 6x6).
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hier noch ein paar kleine Ergänzungen und Gedanken zur Kochmann Korelle 3x4:
Die Korelle 3x4 von Franz Kochmann wurde zuerst auf der Leipziger Frühjahrs-Photo- und Kino-Messe im Februar 1931 präsentiert. In einem Bericht zur Messe heißt es: „Die sehr rührige Firma Franz Kochmann, Fabrik photographischer Apparate, Dresden-A. 16, wartete ebenfalls mit einigen Neuheiten auf. […] Eine zweite Neuheit der Firma bildet die neue Kleinbildkamera „Korelle“ mit dem geringen Ausmaß 2,6 x 6,5 x 11,5 cm und einem Gewicht von nur 260 g. Die für das 3 x 4-Format auf 4 x 6 ½ cm bestimmte Kamera ist aus Leichtmetall hergestellt und durch einen Druck auf einen seitlich angebrachten Knopf sofort aufnahmebereit.“
Die Korelle 3x4 war die erste Kamera von Franz Kochmann, die diesen Namen bekam. Den Namen „Korelle“ ließ sich Franz Kochmann 1931 als Warenzeichen eintragen. Es folgten in den nächsten Jahren noch eine Reihe von Korelle-Kameras bis hin zur Reflex-Korelle.
Was die an anderer Stelle (https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...&thread=239) schon mal diskutierten Gemeinsamkeiten der Kochmann Korelle mit der Merkel Metharette betrifft, so kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass Franz Kochmann seine Kamera vor Ferdinand Merkel herausbrachte. Als Franz Kochmann seine kleine Korelle auf der Frühjahrsmesse 1931 vorstellte, war bei Ferdinand Merkel noch nichts von Rollfilmkameras zu lesen. Er präsentierte auf der Messe neben seinen Plattenkameras (u.a. Phönix Bakelit) noch eine Spiegelreflexkamera (Methar, die spätere Schmitz & Thienemann Meteor). Erst in einer Anzeige von Ende Mai 1931 kündigte er an, dass „die neuesten Rollfilm-Kameras […] in den nächsten Tagen lieferbar“ sind.
Wenn man sich die Korelle und die Metharette zusammen betrachtet, fallen neben den Ähnlichkeiten auch weitaus zahlreichere Unterschiede auf. Man kann durchaus zu dem Schluss kommen, dass Merkel die Korelle als Vorbild genommen hat, um seine Metharette zu konstruieren. Die Metharette weist dabei Vorteile/Verbesserungen gegenüber der Korelle auf: z.B. ist sie noch etwas kleiner und sie besitzt eine Filmandruckplatte. Inwieweit dafür eine Kooperation notwendig war, ist unklar, zumal die Konstruktion der Korelle wahrscheinlich nicht patentrechtlich geschützt war. Zumindest (und das wurde bei der Metharette schon erwähnt) besitzen beide Kameras einen nahezu identischen Rückwandverschluss.
den zahlreichen Korelle-Varianten sei hier ein weiteres Exemplar hinzugefügt, das durch eine interessante individuelle Modifikation gekennzeichnet ist: Die Kamera hat nachträglich einen Compur mit Schneckengang zur Gesamtverstellung bei der Fokussierung bekommen. Um den dazu erforderlichen Platz zu gewinnen, hat man die Frontplatte mit einer Aussparung versehen; erst dadurch ist sie mir überhaupt aufgefallen. Soweit ich sehe, handelt es sich um eine saubere Handwerksarbeit, und die Funktionalität ist einwandfrei gegeben. Vermutlich hat jemand eine einfache Korelle mit Frontlinseneinstellung auf diese Weise ‚getunt‘. Die Kamera besitzt ein Xenar 3,5/5 in Ring-Compur; das war eine – auch serienmäßig angebotene – gehobene Ausstattung (1931 bei Photo-Matthias für 85,50 RM angeboten), zu der die Gesamtverstellung ebenso passt wie der wohl ebenfalls nachträglich montierte Newtonsucher (meine anderen Korelle-Exemplare besitzen einen schlichten Rahmensucher). Xenar und Compur stammen gemäß Seriennnummer aus dem Jahr 1935. Wann die Modifikation vorgenommen wurde, lässt sich nicht mehr rekonstruieren.
als erstes ich möchte hier niemanden angreifen. Das sage ich nur weil mir so etwas schon mal vorgeworfen wurde.
Hier hat Jan eine wunderschöne umgebaute Kamera vorgestellt. Hochachtung vor dem Bastler/Umbauer. Persönlich würde ich mir wünschen das dies schon in der Überschrift deutlich herausgestellt würde. Hier würde doch die Betreffzeile nur erweitert werden müssen. Hier wurde das dann etwa so aussehen Kochmann Korelle 3x4 Umbau oder ein anderes beschreibendes Wort, was ja auch die Abart kennzeichnet wie anderer Sucher Objektiv ......
das ist ja mal wieder ein schönes Unikat – danke fürs Zeigen! Die Schneckengangkonstruktion und auch die Bestückung erinnern stark an die erste Modellvariante der Welta Welti: https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...&thread=158 .
herzlichen Dank – die Frage nach der Herkunft der Verschlusseinheit dürfte damit auch geklärt sein! Eine Welti also. Skala und Einstellelemente stimmen überein, ebenso Position und Form von Spannhebel, Auslöser und Drahtauslöseranschluss. Außerdem passt das Jahr 1935.
Hallo Wolfgang,
alles klar, ich habe die Betreffzeile noch ergänzt, das ist ja sinnvoll. Im Museum wird man die Variante wohl aber unter dem übergeordneten Eintrag Korelle 3x4 finden.
Beste Grüße Jan
axel:Hallo Jan,
das ist ja mal wieder ein schönes Unikat – danke fürs Zeigen! Die Schneckengangkonstruktion und auch die Bestückung erinnern stark an die erste Modellvariante der Welta Welti: https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...&thread=158 .