Angeregt durch das aktuelle „PhotoDeal“-Heft (III/2020) mit einem interessanten Artikel über handliche „Kleinbild“-Kameras der 1930er-Jahre, die Aufnahmen im 3x4-Format machten und den 127er-Film nutzten (S. 4ff.), möchte ich hier eine etwas unbekanntere Art-déco-Schönheit vorstellen: die Agfa „Billy 0“.
Sie ist nur halb so groß wie die bekannten „Billy“- und „Billy-Record“-Modelle (6 x 9), d.h. sie hat Handygröße und passt tatsächlich in die Jackettasche (s. den Größenvergleich). Außerdem ist sie an Eleganz kaum zu überbieten.
Hier zunächst der technische Steckbrief:
• Baujahr: 1937 • Hersteller: Agfa (München) • Format: horizontal 4 (!) x 6 cm (auf 127er-Film) • Objektiv: Solinar 1:3,9 (f=7,5 cm) • Blenden: 3,9 bis 32 • Verschluss: Compur • Belichtungszeiten: T, B, 1, 1/2, 1/5, 1/10, 1/25, 1/50, 1/100, 1/300 Sek. • Fokussierung: manuell (vorderer Objektivring), 2 m bis ∞ • Bildzähler: elegantes Rotfenster auf der Rückseite • Sucher: zweiteiliger Klappsucher (ohne Optik); es gab sie auch mit zusätzlichem Brillantsucher (vgl. Kadlubek) • Filmtransport: manuell durch elegant geformten Schlüssel auf der Unterseite rechts, keine Doppelbelichtungssperre • Sonstiges: gestreifte Belederung, 1/4 Zoll Stativgewinde, Standfüßchen, Drahtauslöser-Anschluss, elegante Entriegelung der Rückwand rechts, zahlreiche schmückende Art-déco-Elemente
Die Kamera ist wertig, sehr leicht und kompakt, die ideale Ausflugs- und Unterwegs-Kamera (wenn man die Maße, ca. 12 x 6,5 x 2,5 cm, mal vergleicht mit den damals weit verbreiteten wuchtigen 6x9-Rollfilm-Kameras oder gar den Boxen). Vom Design her ist sie ein echtes Schmuckstück. Agfa hat in seiner langen Geschichte einfach unglaublich gute Kameras gebaut. Die „Billy 0“ ist sogar mit dem Vierlinser „Solinar“ ausgestattet (es gab sie auch mit dem einfacheren „Igestar“ 1:5,6).
Fotografiert habe ich noch nicht mit ihr, weil der 127er-S/W-Film (u.a. bei Fotoimpex) zwar noch zu bekommen, aber relativ teuer ist, und weil ich nicht weiß, ob mein Fotoladen das Format zum Entwickeln überhaupt annimmt. S/W-Abzüge im Sonderformat 4 x 6 cm, vom Labor manuell gemacht, dürften ins Geld gehen (und ich habe noch kein Heimlabor).
Die vergleichende Vorstellung gefällt mir. Beim ansehen des Fotos "Ein schöner Rücken" sieht man die kleine Beule unter dem Leder. Solche Ausbuchtungen findet man öfters bei Kamera Oldtimers. Ich überlege wie die zu stande kommen. An der neuen Kamera damals wird die Beule noch nicht gewesen sein. Wurde schon mal das Leder in der Vergangenheit abgenommen oder hat sich innen eine Schraube selbst leicht herausgedreht oder könnte das eine Rost Aufblähung sein?
hier tippe ich auf Korrosion (man sieht etwas Rost unter einer kleinen eingerissenen Stelle in der Belederung). Kein Wunder nach über 80 Jahren. Ansonsten funktioniert die Kamera perfekt, sogar die langen Zeiten und der Fokusring. Das Objektiv ist zeitgemäß unvergütet, beim Fotografieren wird man eine Sonnenblende brauchen.
ich habe mal vor vielen Jahren einen ähnlichen Fall gehabt. Ein Bekannter gab mir eine Kamera (weiss nicht mehr Fabrikat und Modell), wo ebenfalls eine solche Erhebung an der Rückwand vorhanden war.
Ich habe an der Stelle mit einem Skalpell einen Kreuzschnitt gemacht, das Leder dort vorsichtig angehoben. Es war eine Art Rostaufblühung. Ich vermute, bedingt durch unterschiedliche Metalle Schraube und Rückwand.
Ich habe dann vorsichtig mit einem Uhrmacher-Schraubendreher diese Aufblühung entfernt und danach einen kleinen Tröpfchen Rost-Primer aufgebracht. Nach zwei Tagen mit einem Hauch durchsichtigem Pattex-Kleber die "Wunde" wieder zugeklebt. Hat ganz gut funktioniert, jedenfalls war die Beule weg und die Schnittstelle eigentlich nicht sichtbar. Hat jahrelang keine Reklamation gegeben. Wie das jetzt aussieht, kann ich nicht sagen, da der Bekannte nicht mehr lebt...
Interessant übrigens die Beizeichnung Billy 0, das ist wohl später von Sammlerdaten-Strukturierern zugeschrieben worden. Ich glaube nicht , dass Agfa damals das Modell so nannte. Wäre interessant, zu erfahren, wer diesen Modellname zuerst verwendete .... Jedenfalls ist heute die Bezeichnung für das erste Modell der Billy-Serie üblich geworden.
Grüße von Haus zu Haus Rainer (Forumbetreiber)
Analog: Aus Negativ wird Positiv. Digital: Pixel sind nicht alles, aber ohne Pixel ist alles nichts.
optisch ähnlich (die geschwungenen Metal Streben links und rechts, der Schriftschnitt des Logos auf der Vorderseite, Friedrich Deckel rechts vom Objektiv, auch mit Solinar erhältlich) aber 600 Gramm schwer war die im 1938er Katalog abgebildete Billy Optima.