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Schwarz-Weiß-Negative selbst entwickeln
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29.12.14 12:04
Rainer 

Administrator

29.12.14 12:04
Rainer 

Administrator

Schwarz-Weiß-Negative selbst entwickeln

Hallo zusammen,

auch heute noch - in Zeiten der digitalen Fotografie - kann man seine Schwarz-Weiß-Negative selbst entwickeln und anschließend auch selbst Papierabzüge mit einem Vergrößerer oder bei größeren Negativen auch mit einem Kopierrahmen herstellen. Auch kann kann man Negative mit einem Flachbett-Scanner oder Spezial-Scanner und einem Tintenstahl/Laser-Drucker selbst zu Papierbildern machen.

Verschiedene Firmen bieten noch die Chemikalien und Gerätschaften an. Selbst entwickelte Negative und dann auch selbst erzeugte SW-Papierbilder können ihren eigenen Reiz haben:
http://www.welt-der-alten-radios.de/ande...trecke-380.html

Was braucht man zum Entwickeln von SW-Negativen?

1) Eine Entwicklerdose. Die gibt es als Tageslicht- oder Dunkelkammer-Varianten. Hauptsächlich kommen Letztere in Betracht. Einige Dosen können verschiedene Filmformate verarbeiten. Wobei es beim 126-Instamatic- oder 110-Pocket-Format Beschaffungsproblemen geben kann, ebenso bei 16 mm Film. Der Film muß bei ABSOLUTER Dunkelheit eingelegt werden.

Dafür kann ein sogenannter Dunkelkammerack verwendet werden (hier im Forum beschrieben) oder aber man muß nachts in einem dunklen Zimmer (am besten ohne Fenster und lichtdichten Türen) unter einer lichtdichten Decke den Film einlegen. Hierfür ist etwas Übung und manuelles Geschick nötig. Ist der Film eingelegt und die Dose verschlossen, kann das Licht angemacht werden.

2) Entwickler- und Fixier-Substanzen: Es gibt flüssige und pulver-förmige Entwickler. Das sind entweder Einmal-Entwickler oder Mehrfachentwickler. Die werden je nach verwendetem Film (anhand von Tabellen) unterschiedlich lange (von der Zeit und Temperatur exakt kontrolliert) entwickelt.

Dabei kann es sein, daß man die Dose in einem bestimmten Zeitraster stürzen muß. Nach Ablauf der exakten Zeit, wird der Entwickler ausgegossen, es wird nach Anleitung kurz zwischengewässert und dann das zuvor nach Anleitung angesetzte Fixierbad eingefüllt. Dieses gibt es in Pulverform oder Flüssigkonzentrat. Nach der in der jeweiligen Anleitung vorgegebenen Zeit und Bad-Bewegung wird auch dieses Fixierbad ausgegossen und nun schluß-gewässert. Nach dem Fixieren kann die Dose bei Tageslicht geöffnet werden.

3) Entwicklertermometer. Üblich laufen die Prozesse bei 20 Grad ab (sollte auf plus-minis 1 Grad eingehalten werden), abweichende Temperaturen können teilweise durch Korrekturtabellen kompensiert werden. Stoppuhr für die exakte Zeiten.


4) Netz-Bad. Mit Netzmitteln kann die Trockenzeit der Negative verkürzt werden. Es gibt auch Gummi-Abstreifzangen, hier ist vorsichtiger Umgang erforderlich.

Die beschriebenen Geräte und Substanzen sind heute noch gut zu bekommen. Wer erst einmal einen Film selbst entwickelt hat, wird vielleicht schwer davon wieder loskommen. Natürlich konnte dieser Beitrag nur das Prinzip erklären. Auch hier macht Übung den Meister.


Dunkelkammersack:
http://www.blende-und-zeit.sirutor-und-c...9&thread=19

Kopierrahmen:
http://www.blende-und-zeit.sirutor-und-c...&thread=6#1

Entwicklerdosen:
Neben den üblichen Kleinbilddosen gibt es aber auch noch Dosen für 120-Rollfilme.
http://www.blende-und-zeit.sirutor-und-c...&thread=4#2

Vergrößerer für die Negative:
http://www.blende-und-zeit.sirutor-und-c...22&thread=2

Hinweis zu Punkt 1: Wann ist ein Raum lichtdicht? Wenn man auch 10 Minuten nach Betreten bei Dunkelheit nicht die Hand vor Augen sehen kann. Eine Armbanduhr mit Leuchtzeigern kann alles verderben, ebenfalls ein Handy, das im Dunklen angeht.

Grüße von Haus zu Haus
Rainer (Forumbetreiber)


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29.12.14 18:43
Klaus 

BZF-Meister

29.12.14 18:43
Klaus 

BZF-Meister

Re: Schwarz-Weiß-Negative selbst entwickeln

Hallo Rainer,

wenn ich mich nicht sehr irre, gab es in der Dunkelkammer an der TU-BS in den 70ern eine Rotlichtlampe, die eine gewisse Orientierung ermöglichte. Genutzt wurde es von Lehramtsstudenten, s.d. ich über Beziehungen auch dort einmal tätig werden durfte.

Völlige Dunkelheit - wie von dir beschrieben - war wohl gar nicht nötig?

Ansonsten gab es die von dir genannten Gerätschaften, an die ich mich ebenfalls noch erinnern kann.

Sonne lacht - Blende 8
Viele Grüße Klaus

30.12.14 19:12
Laufboden

nicht registriert

30.12.14 19:12
Laufboden

nicht registriert

Re: Schwarz-Weiß-Negative selbst entwickeln

Hallo Klaus,

das kommt auf den Film an.

Klaus:
wenn ich mich nicht sehr irre, gab es in der Dunkelkammer an der TU-BS in den 70ern eine Rotlichtlampe, die eine gewisse Orientierung ermöglichte. Genutzt wurde es von Lehramtsstudenten, s.d. ich über Beziehungen auch dort einmal tätig werden durfte.

Völlige Dunkelheit - wie von dir beschrieben - war wohl gar nicht nötig?

Für SW-Filme galt:
Orthochromatische Filme erlaubten ein klein wenig Beleuchtung mit Licht einer einzigen Wellenlänge, meist ein bestimmtes Rot. Das waren Filme, die für ein enges Farbband sensibilisiert waren.
Hoppla, da habe ich etwas zugelernt - sie waren, wie "ortho" also richtig, nahelegt, für einen möglichst großen Teil des sichtbaren Lichts sensibilisiert, aber eben nicht für rot. "Richtig" hieß das deshalb, weil die ersten Filmemulsionen hauptsächlich im blauen Bereich empfindlich waren.

Panchromatische Filme hingegen erlaubten genau eine Art Licht - keines
Genauer gesagt nicht kein Licht, sondern kein sichtbares Licht und nichts im angrenzenden Bereich (IR,UV). Schließlich leuchtet ja alles, doch selbst glühend eifrige Fotolaboranten erreichen keine Grauglut - wie Objekte ab 400°C, nachts wahrnehmbar - und noch nichteinmal kurzwelliges Infrarot .
Orthochromatische Farbfilme gab es verständlicherweise keine

Orthochromatische Filme sind deshalb zwar einfacher zu entwickeln, aber die Grauwerte sind nicht tonwertrichtig, entsprechen also weniger dem natürlichen Eindruck. Für technische Zwecke macht das nichts, im Gegenteil - ein schmales Farbband oder gar Licht einer eine einzigen Wellenlinie gibt, wenn die Entfernung entsprechend eingestellt wird, ein schärferes Bild auch ohne apochromatisches Objektiv. Bei der Chipproduktion etwa werden Objektive eingesetzt, die genau für die Wellenlänge gerechnet sind, mit der belichtet wird. Auf gute Farbkorrektur braucht man deshalb nicht zu achten, das gibt mehr Platz für anderweitige Korrekturen. Wenn die Emulsion dann nur für diese Spektrallinie sensibel ist, ist's umso besser.

Grüße, Laufboden

Zuletzt bearbeitet am 30.12.14 19:26

30.12.14 19:49
Rainer 

Administrator

30.12.14 19:49
Rainer 

Administrator

Re: Schwarz-Weiß-Negative selbst entwickeln

Hallo Klaus,

die ortho-Filme waren in der Regel Dokumentenfilme mit hoher Auflösung, aber geringen Belichtungsumfag. Diese Filme konnten mit sehr wenig - streng einfarbigen - Dunkelkammerlicht beaufschlagt werden.

Aber übliche SW-Filme für die normale Photographie waren Pan-Filme und die durften in der Dunkelkammer gar kein Licht bekommen.



Grüße von Haus zu Haus
Rainer (Forumbetreiber)

30.12.14 23:26
Laufboden

nicht registriert

30.12.14 23:26
Laufboden

nicht registriert

Re: Schwarz-Weiß-Negative selbst entwickeln

Hallo Rainer,

gerade habe ich von orthopanchromatischen Filmen gelesen - so etwas ist mir zur Filmzeit nie über den Weg gelaufen ...
Offenbar so etwas wie 'ne Kombination aus beiden, um dem üblichen Grauwertempfinden besser entgegenzukommen.

Allerdings muß ich gestehen, mangels eines eigenen Labors - erst Platz-, dann Geldmangel - SW-Film bald aufgegeben zu haben, habe ja scho einmal hier geschrieben, weshalb. Die Ergebnisse - Negativ und Papierbild - waren einfach zu schlecht.

Rainer:
die ortho-Filme waren in der Regel Dokumentenfilme mit hoher Auflösung, aber geringen Belichtungsumfag. Diese Filme konnten mit sehr wenig - streng einfarbigen - Dunkelkammerlicht beaufschlagt werden.

Aber übliche SW-Filme für die normale Photographie waren Pan-Filme und die durften in der Dunkelkammer gar kein Licht bekommen.

Grüße, Laufboden

31.12.14 08:33
Rainer 

Administrator

31.12.14 08:33
Rainer 

Administrator

Re: Schwarz-Weiß-Negative selbst entwickeln

Hallo zusammen,

ich will nur feststellen, daß es beim Einlegen von üblichen SW-Negativ-Filmen am Besten ist, bis zum Verschließen der Entwicklerdose auf absolute Dunkelheit in direkter Umgebung der Dose zu achten.



Grüße von Haus zu Haus
Rainer (Forumbetreiber)

31.12.14 11:11
Willi 

BZF-Meister

31.12.14 11:11
Willi 

BZF-Meister

Re: Schwarz-Weiß-Negative selbst entwickeln

Hallo Rainer!

Rainer:
...ich will nur feststellen, daß es beim Einlegen von üblichen SW-Negativ-Filmen am Besten ist, bis zum Verschließen der Entwicklerdose auf absolute Dunkelheit in direkter Umgebung der Dose zu achten.
Nachdem hier sehr viel theoretisch über mögliche Dunkelkammerbeleuchtung und Farbempfindlichkeit von Schwarzweißfilmen geschrieben wurde, auch von mir nach 45 jähriger Dunkelkammerpraxis einige Erläuterungen.

Orthochromatische Platten und Filme waren bis ca. 1920 allgemein gebräuchlich. Die fehlende Rot- und erhöhte Grünsensibilisierung war für Landschaftsaufnahmen, mit zwingender Verwendung eines Gelbfilters zur Reduktion der hohen Blauempfindlichkeit, von Vorteil. Die völlig fehlende Rotempfindlichkeit stellte ein großes Problem bei Aufnahmen von roten Objekten dar. Bilder von Feuerwerfahrzeugen aus dieser Zeit zeigen schwarze Fahrzeuge und für die Abbildung von Lokomotiven für Werbebilder, die ja meist schwarz mit roten Verzierungen lackiert waren, wurde für die Bilder ein eigener Photoanstrich in Hellgrau mit dunklen Streifen aufgebracht. (nach Lok Photolackierung im Web suchen)
Bei der Entwicklung konnte der Fortschritt bei dunkelrotem Licht kontrolliert werden.

Panchromatischer Film ist für (fast) alle Farben des sichtbaren Spektrums sensibilisiert und ermöglicht die tonwertrichtige Wiedergabe in korrekten Graustufen.
Bei der Entwicklung ist absolute Dunkelheit erforderlich.
Bei früheren, niedrigempfindlichen Platten und Filmen konnte bei der Schalenentwicklung in den letzten Minuten zur Kontrolle der Dichte schwaches dunkelgrünes Dunkelkammerlicht (lt. Agfa Datenblatt Filter No. 105 mit 15 W Lampe in 75 cm Entfernung) eingeschaltet werden.
Auf den Filmen und Platten war die richtige Entwicklung erreicht, wenn die Lichter auf der Planfilmrückseite deutlich erkennbar waren.

Bilder zu von mir verwendeten Ortho- und Panchroplatten gibts hier: http://www.blende-und-zeit.sirutor-und-c...23&thread=4
Ich hab sie bei rotem bzw. dunkelgrünem Duka-Licht entwickelt

Liebe Grüße
Willi

Zuletzt bearbeitet am 31.12.14 12:19

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