die ‚Detektivkameras‘ der Trilby-Serie unterscheiden sich hinsichtlich Format und technischer Ausstattung. Die heute vorzustellende Trilby 33 markiert das obere Ende der Modellreihe. Es handelt sich um eine Magazinbox im Format 9x12, mit der 12 Platten oder 24 Planfilme belichtet werden können. Äußerlich sieht sie wie eine gewöhnliche Plattenbox aus, z. B. die bereits an anderer Stelle vorgestellte Trilby 29 (--> https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...4&thread=25).
Hinter der aufklappbaren Front verbirgt sich allerdings ein richtiger Zentralverschluss mit einem Objektiv, wie es durchaus auch an Laufbodenkameras Verwendung fand, hier einem Ica Helios 8/130 mm. Über einen seitlichen Knopf ist Gesamtverstellung des Objektivs möglich: Eine Stange mit Zahnrad greift in eine Zahnstange und ermöglicht so die Bewegung der gesamten Verschlusseinheit, die in einem Tubus läuft. Die Entfernungsskala reicht bis 2 m. Anstelle eines Gehäuseauslösers gibt es zwei seitliche Durchlässe unterschiedlicher Größe für Auslösefäden bzw. einen pneumatischen Auslöser, je nachdem, welcher Verschluss verbaut ist.
Die vorliegende Kamera ist anhand der Seriennummern von Gehäuse und Objektiv ins Jahr 1913 zu datieren. Zu dieser Zeit wurden die Ica-Automat-Verschlüsse X oder XI angeboten. Das vorliegende Exemplar besitzt jedoch einen Verschluss mit senkrechten Kolben, wie er schon zu Zeiten von Hüttig unter der Bezeichnung Lloyd verbaut worden war; möglicherweise handelt es sich um einen Restbestand. Dieser Verschluss liefert – analog zum Automat XI – Verschlusszeiten von 1 bis 1/100 sowie B und T.
Nachdem die Einstellungen vorgenommen worden sind, kann man die Fronttür schließen und mehr oder weniger unauffällig mit dem schwarzen Kasten fotografieren, indem man am Auslösefaden zieht, der direkt am Auslösehebel befestigt ist. Die Objektivöffnung ist durch einen vorschwenkbaren Deckel verschließbar. Kurioserweise ist der Deckel falsch herum montiert, denn die mit Filz bezogene Seite sollte als Objektivschutz sicherlich nach innen zeigen. Ich wollte den Deckel drehen, allerdings ist der nach außen zeigende Anschlagstift fest vernietet und lässt sich nicht umstecken; möglicherweise ein Montagefehler? Dazu passt, dass auch das der Seriennummer vorangestellte D spiegelverkehrt eingeprägt ist.
Die übrige Ausstattung entspricht weitgehend der der Trilby 29: Es gibt zwei große Brillantsucher für Hoch- und Querformat, allerdings ohne Libelle zur Ausrichtung. Der Plattenwechsel erfolgt über einen Hebel auf der Oberseite, mit dem die jeweils belichtete Platte freigegeben wird, sodass sie auf den Kameraboden fällt. Mit dem Wechselhebel ist eine „Zähluhr“ (1–24) verbunden. Im Katalog ist auch ein „Expositionsanzeiger“ erwähnt, den ich allerdings vergeblich suche. Bei der Trilby 29 wird mit der Auslösung eine rote Marke eingeblendet, die mit dem Gehäuseauslöser verbunden ist; da es bei der 33 keinen Gehäuseauslöser gibt, weiß ich nicht, wie die Expositionsanzeige realisiert werden soll.
Die Box besitzt ein mit Kunstleder bezogenes Holzgehäuse, misst 24x11x19,5 cm und wiegt mit 12 Plattenhülsen ca. 1750 g. Die Größe wird besonders augenfällig im Vergleich mit der Aviso 1 im Format 4,5x6.
Die Trilby 33 war im Zeitraum 1909–1919 im Ica-Programm. Im Katalog 1912/13 beträgt der Preis für die Ausstattung mit Helios und Automat XI immerhin 71 Mark. Das ist nicht wenig, wenn man zum Vergleich die Preise gleich bestückter 9x12-Laufbodenkameras heranzieht: Die Corrida 156 beispielsweise kostet in gleicher Ausstattung nur 58 Mark, bietet aber zusätzlich die üblichen Verstellmöglichkeiten. Bequemlichkeit hatte also ihren Preis.
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