Hallo in die Runde, ich habe heute mal wieder ein wenig Altglasfotografie betrieben und ein Helios 44-2 mit 58mm und Offenblende von 2.0 russischer Bauart vor meine Nikon Z50II (APS-C) gespannt und hatte so de facto ein 87mm/2,0 an der Kamera. In den Siebzigern wurde das Objektiv an den ZENIT Kameras verkauft.
Das Helios 44-2 ist ein voll mechanisches Objektiv mit M42 Objektivgewinde aus den 70ger Jahren. Ein Ring zum Scharfstellen mit Meterskala und zwei Ringe vorn für die Blende. Der erste Ring vorn ist so eine Art Blendenvorwahl bzw. -begrenzer. Man kann den Wert der gewünschten maximalen Blende einstellen, zB . Blende 8 und hat so die Möglichkeit bei Offenblende von 2,0 zu fokussieren und dann mit einem Dreh zum Anschlag auf der anderen Seite die 8 zu erreichen. Der Blendenring arbeitet stufenlos. Kurios ist, das das ganze rückwärts läuft. Habe ich die vordere Markierung auf 8 fixiert und den Blendenring mit seimer MArkierung auf die 8 gebracht, ist nicht etwa die Blende eingestellt, sondern das Objektiv ist offen. erst nach dem Dreh in Richtung 2,0 wird am Anschlag die Blende 8 erreicht. Die Logik dahinter hat sich mir bisher noch nicht erschlossen. Aber die Genossen werden sich schon etwas DABEI GEDACHT HABEN ;o)) Da ich aber sowieso die Offenblende testen wollte, hat es heute nicht gestört. Über die Schärfenleistung an der Naheinstellgrenze von 50cm war ich echt erstaunt. Das fotografieren aus der HAnd mit manuelle Fokussierung war wie in alten Zeiten - entschleunigend. Nur die ISO-Automatik hab ich mir gegönnt.
Ein schönes Wochenende Karl
Im Kopf entsteht das Bild, danach erst in der Kamera.
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KarlKnips:Der erste Ring vorn ist so eine Art Blendenvorwahl bzw. -begrenzer.
Hallo, Karl!
Als es noch richtige Kameras gab, wurden drei Arten unterschieden: 1.) Rastblende. Hatte das Objektiv bei Offenblende eine Lichtstärke von 2,8, dann musste man nach dem Scharfstellen drei Rasten am Blendenring zählen, wenn für die Belichtung die Blende 8 erforderlich war. Beispiel das Trioplan für die Exa/Exakta.
2.) Vorwahlblende (Dein Helios). Der Blendenring (richtig von Dir als Begrenzer beschrieben) wurde auf Blende 8 (in meinem Beispiel) eingerichtet, dann auf volle Öffnung gedreht und über den Sucher scharfgestellt, dann bis zum Anschlag zugedreht und die Aufnahme getätigt. Beispiel das Meritar 1:2.9 50mm, das genauso teuer wie das Trioplan war.
3.) Die automatische Blende. Man könnte meinen, die Varianten 1.) und 2.) hätten keine Chance gegen diesen Auslösekomfort. Aber diese Objektive hatten auch Nachteile: - sie waren teuer. Das zierliche Trioplan kostete um 54 Mark, das größere Domiplan, im Exa(-kta) System mit einem externen Auslöser, um 87 Mark. Die Optik war die gleiche. - sie waren klobiger - sie brauchten eine mechanische Übertragung der Auslösung und waren daher schwerer und ließen eine geringere Lebensdauer bzw. mehr Wartung befürchten - man musste besondere Vorkehrungen treffen, um nicht durch die Blendenautomatik Verwackelungen bei Langzeitaufnahmen zu befürchten. Der Idealfall wäre gewesen, die Kamera auf dem Stativ keinem Spiegelschlag auszusetzen, aber auch, sie während der Belichtung auf keinen Fall zu berühren und keine Vibrationen durch das Öffnen und Schließen der Arbeitsblende zu riskieren. - Keine Beurteilung der Tiefenschärfe, ohne daß mit dem Druck auf den Auslöser zwecks Blendenschließung auch eine Aufnahme gemacht wird. Oder man braucht einen Drahtauslöser. 3a.) Diese stand vor der Aufnahme auf Offenblende, die eingestellte Blende wurde erst vom Auslösergestänge angefahren. Es ist unglaublich, wie leicht der Auslöser des Domipan 50mm 1:2.8 dies bewerkstelligte, das Parallelobjektiv zum Trioplan mit derselben Optik, und das noch heute nach ca. sechzig Jahren. 3b.) Die Springblende. Selbsttätige Abblendung wie unter 3.) geschildert, muss aber vorgespannt werden.
Warum wurde für das Trioplan mit Rastblende genau so viel bezahlt wie für das Meritar mit der Vorwahlblende? Vielleicht waren die Käufer auf das Fabrikat Meyer geeicht. Ausserdem ist das Trioplan die Optik an sich, das Meritar hat mit seinem Blendenanschlag schon ein Gadget, das für die Fotografie nicht nötig ist.
Ja, die Helios-44* Objektive sind schon cool und wegen ihres "Swirly Bokeh" und ihrer leichten Adaptierbarkeit an DSLRs und spiegellose Kameras heute wieder sehr beliebt. Wird aufgrund ihres besonderen "Charakters" ja sogar manchmal in Hollywood eingesetzt (The Batman, 2022).
Auch wenn Dein konkretes Objektiv aus den 1970ern stammt (genauer: aus 1971, hergestellt von KMZ), gebaut wird es schon seit der zweiten Hälfte der 1960er. Und die Konstruktion ist nochmal deutlich älter, die geht auf das Biotar 58/2 von Carl Zeiss Jena zurück (entwickelt 1936). Dessen Konstruktion wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der Sovietunion "übernommen".
Viele Grüße, Sven (der etwa zehn unterschiedliche Helios-Objektive besitzt)
Hallo Hannes , danke für die Erläuterungen. Das deckt sich mit den Erfahrungen in meiner Exa-Sammlung.
Hallo Sven, ebenfalls danke für die Erläuterungen. Die Kamera stammt von meinem Schwiegervater, der sie 1972 erwarb. Passt also alles.
Jetzt noch meine Frage an den 10fachen Objektivbesitzer: Ich habe ja oben schon erläutert, das diese Blendenvorwahl o. -begrenzung, ungewöhnlich verkehrt herum funktioniert. Noch mal zwei Nahaufnahmen dazu.
Im ersten Bild steht die Markierung des oberen Ringes auf Blende 8 - man erwartet also, das man wenn man den unteren Ring auf die 8 dreht auch die Blende acht eingestellt ist. Das Gegenteil ist der Fall - die Blende ist auf 2 offen in dieser Stellung beider Markierungen.
Erst wenn der Blendenring mit seiner Markierung auf 2 steht, wie im 2. Bild ist die Blende auf den Wert von 8 geschlossen. DAs ist auch bei allen anderen Blendenwerten so. Der untere Einstellring für die Blende arbeitet übrigens ohne Rastung. (heute ideal für Videofilmer )
Ein bischen verkehrte Welt ist das schon, oder? Ist das nun bei allen Heliosobjektiven so, oder hab ich ein besonderes oder Mängelexemplar?
Schöne Wochenendgrüße Karl
Im Kopf entsteht das Bild, danach erst in der Kamera.
das scheint bei den Helios-Objektiven dieser Bauart üblich zu sein, den auch bei meinen zwei Exemplaren funktioniert die Blende so merkwürdig. Das kann recht schnell zu Fehlbelichtungen führen und ich finde es arg gewöhnungsbedürftig.
Grundsätzlich ist es wohl so, daß bei den meisten ostdeutschen Objektiven (und den entsprechenden sowjetischen "Kopien") der Blendenmechanismus so gebaut ist, daß eine Drehbewegung nach rechts (von hinter der Kamera gesehen) die Blende schließt. Das waren die Fotografen auch so von ihren "alten" Objektiven gewohnt, die noch keine Vorwahlblende besaßen. Als dann diese Objektive durch Vorwahlblende erweitert wurden, hat man die Drehrichtung beibehalten. Durch die Einstellung der Vorwahlblende verschiebt man einfach die Blendenskala, so daß der linke, variable Anschlag (Offenblende) etwas weiter rechts sitzt und der rechte, fixe Anschlag (Vorwahlblende) die Blendenskala beim Wert der Vorwahlblende "abschneidet".
Ich weiß, ist keine wirklich zufriedenstellende Erklärung und erklärt auch nicht, warum man nicht mit einem fixen linken und einem variablen rechten Anschlag gearbeitet hat (konstruktionsbedingt?). Dann würde beim Abblenden durch den unteren Ring dessen roter Punkt wirklich auf dem Wert der Vorwahlblende stehen, wenn man auf diesen Wert abgeblendet hat.
Ich denke, am besten kommt man mit dieser Funktion klar, wenn man sich merkt, daß die obere Blendenskala keinerlei Relevanz für den unteren Ring hat (und wo dessen roter Punkt steht). Es reicht, wenn man sich bezüglich des unteren Rings merkt, daß der linke Anschlag Offenblende und der rechte Anschlag Vorwahlblende ist. Also: Vorwahlblende setzen - unteren Ring ganz nach links drehen - Fokussieren - unteren Ring ganz nach rechts drehen - Auslösen.
Ich kann bestätigen, daß alle drei Helios 44-2 (verschiedene Varianten von verschiedenen Herstellern), die ich besitze, genau so arbeiten, wie Deins: Drehen des Rings nach rechts blendet ab.
Was mich bei Deinem ersten Foto etwas wundert: Bei Deinem Objektiv steht der rote Punkt des unteren Rings etwas links von der '8', die als Vorwahlblende eingestellt ist. Anders ausgedrückt: Der obere rote Punkt steht weiter rechts als der untere rote Punkt. Bei meinen Objektiven ist das anders: Am linken Anschlag stehen beide rote Punkte genau übereinander. Den unteren Ring kann ich dann nicht weiter nach links drehen. Ich frage mich, ob bei Deinem Objektiv ein früherer "Bastler" beim Zusammenbau etwas geschludert hat oder ob das bei der Herstellung schon so war (sozialistische Qualitätskontrolle).
Noch ein Wort zur fehlenden Rastung: Ja ist gut geeignet für Videographer, aber man kann die meisten Objektive aus dieser Zeit auch innerhalb von ein paar Minuten "entrastern". Dazu muß man oft nur eine winzige Stahlkugel entfernen.
das scheint bei den Helios-Objektiven dieser Bauart üblich zu sein, den auch bei meinen zwei Exemplaren funktioniert die Blende so merkwürdig. Das kann recht schnell zu Fehlbelichtungen führen und ich finde es arg gewöhnungsbedürftig.
Beste Grüße
Axel
Diese Bedienung beschränkt sich nicht nur auf die Helios-Objektive, die habe ich auch bei einigen ostdeutschen Objektiven der 1950er gesehen. Es gibt aber auch welche, die andersrum funktionieren. Da dreht man beim Abblenden nicht vom Vorwahl-Blendenwert weg sondern auf diesen zu (aber immer noch Rechtsdrehung). Wenn man dann auf die Vorwahlblende abgeblendet hat, steht der rote Punkt auch wirklich auf dem korrekten Skalenwert.
LumoStoria:Was mich bei Deinem ersten Foto etwas wundert: Bei Deinem Objektiv steht der rote Punkt des unteren Rings etwas links von der '8', die als Vorwahlblende eingestellt ist. Anders ausgedrückt: Der obere rote Punkt steht weiter rechts als der untere rote Punkt. Bei meinen Objektiven ist das anders: Am linken Anschlag stehen beide rote Punkte genau übereinander. Den unteren Ring kann ich dann nicht weiter nach links drehen. Ich frage mich, ob bei Deinem Objektiv ein früherer "Bastler" beim Zusammenbau etwas geschludert hat oder ob das bei der Herstellung schon so war (sozialistische Qualitätskontrolle).
Habe noch mal nachgedacht. Die Ursache, daß bei Dir der untere rote Punkt weiter links steht als der obere rote Punkt sollte sein, daß der optische Block bei Deinem Objektiv nicht ganz festgeschraubt ist. Das Schöne an den Helios-Objektiven ist ja, daß man den gesamten optischen Block mit allen Linsen als Einheit aus dem Objektiv-Tubus herausschrauben kann (entgegen dem Uhrzeigersinn, von vorn gesehen). Das ist sehr praktisch, wenn man nur an der Mechanik des Objektivs arbeiten will (zum Beispiel am Helicoid). Man kann den optischen Block dann einfach rausschrauben, zur Seite legen und am Ende wieder einschrauben.
Kannst Du mal versuchen, ob bei Deinem Objektiv der optische Block etwas locker sitzt und noch etwas weiter eingeschraubt werden kann? Dazu mit der einen Hand den Objektivtubus greifen und mit der anderen nur die Blendenskala (nicht den darunter liegenden Ring). Dann versuchen, den optischen Block durch Drehung im Uhrzeigersinn etwas weiter einzuschrauben. Nach dieser Aktion sollten die beiden roten Punkte bei Linksanschlag des unteren Rings genau übereinander liegen.
Hallo Sven, danke für die ausführliche Erklärung. Heute war ich mit dem Telemegor 250mm/5.5 von Meyer Optik Görlitz in Exa-Fassung unterwegs. Dazu vielleicht später mehr.
Gruße Karl
Im Kopf entsteht das Bild, danach erst in der Kamera.
LumoStoria:Kannst Du mal versuchen, ob bei Deinem Objektiv der optische Block etwas locker sitzt und noch etwas weiter eingeschraubt werden kann? Dazu mit der einen Hand den Objektivtubus greifen und mit der anderen nur die Blendenskala (nicht den darunter liegenden Ring).
Hallo Sven, da rückt und rührt sich nichts. st aber auch so schlimm. Mich stört die kleine Abweichung nicht. Gruß Karl
Im Kopf entsteht das Bild, danach erst in der Kamera.