[ iIa ] Hüttig Lloyd von 1905/06 für Rollfilm 8x10,5 und Platten 9x12
Hallo zusammen,
einige Lloyd Kameramodelle sind bereits im Forum zu finden, hier folgt nun ein weiteres Modell.
Die Kamera für Aufnahmen von 8x10,5 auf Rollfilm 118 und für 9x12 auf Platten, ist mit einem Universal Rapid Aplanat F 8 und einem Hüttig Automat-Verschluss bestückt. Sie kann aufgrund ihrer konstruktiven Merkmale in die Zeit von 1905 – 1906 eingeordnet werden. Eine Angabe der genauen Modellnummer ist nicht möglich, da für das Modell im genannten Zeitraum die Modellnummer in den Katalogen wechselten (1905: 544, 1906/1: 558 und 1906/2: 555C). Die weiteren Ausstattungsmerkmale der Kamera können dem folgenden Katalogauszug entnommen werden.
Die Kamera stand einige Zeit bei Kleinanzeigen für einen moderaten Preis zum Verkauf und schließlich habe ich sie wegen eines ganz speziellen Ausstattungsmerkmals erworben: sie besitzt rückseitig zwei Filmsicht-Rotfenster.
Nach einigem Suchen glaube ich nun auch, dass ich dem Zweck dieser speziellen Ausstattung auf die Schliche gekommen bin: Die Kamera ist für die Verwendung von Vidil-Film vorgerichtet. Der Vidil-Film wurde 1903 vom Leipziger Unternehmer Hugo Fritzsche erfunden und patentgeschützt (Vgl. dazu Jan Beenken: Vervollkommnete Roll-Film-Photographie mit Vidil-Film. in: Photo Antiquaria Nr. 147 (Juni 2021), S. 22-30). Bei diesem speziellen Film waren zwischen einzelnen Filmblättern jeweils Abschnitte mit Mattscheiben (aus Mattglaspapier) angeordnet, die eine Einstellung des Aufnahmemotivs per Mattscheibe ermöglichten. Die belichteten Filmblätter konnten einzeln entnommen werden.
Wie andere Kamerahersteller bot auch Hüttig in der Folge Kameras an, die extra für den Vidil-Film vorgerichtet waren und wies darauf auch in seinen Katalogen hin. Er bot auch einen besonderen Lichtschirm an, der an Stelle des Holzdeckels in den Plattenhalter der Kamerarückwand eingeschoben werden konnte und die Verwendung von Vidil-Film erleichtern sollte. Dieser Vidil-Film besaß aber auch eine spezielle Nummerierung auf dem Rückseitenpapier.
Wie das Vorspulen des Films nach welchem der Filmfenster genau erfolgte, ist mir leider nicht bekannt. Auch im Patent und im oben erwähnten Artikel von Jan Beenken wird nicht näher auf die Beschriftung des Rückseitenpapiers eingegangen.
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