ist jemandem die Busch Vier-Sechs bekannt, hat jemand eine Abbildung davon oder sogar ein Exemplar? Hintergrund meiner Frage: Diese Kamera scheint mir ein gutes Beispiel dafür sein, wie offensichtliche Fehlzuschreibungen in Katalogen ungeprüft übernommen werden.
Die Kamera wird im Buch von Hanneke (Kleine Kameras) in der Auflage von 1920 erwähnt; demnach handelt es sich um eine Platten-Spreizenkamera 4,5x6 mit Schneckengangeinstellung und Compound-Verschluss, die mit verschiedenen Objektiven von 1:6,8 bis 1:3,4 lieferbar war. Hanneke gibt die Maße (3,7 x 6,5 x 9 cm) und das Gewicht (400 g) an, bietet aber keine Abbildung (S. 18).
Diese "Vier-Sechs" wird nun auch in heutigen Sammlerkatalogen geführt, etwa bei Kadlubek (BRW0230) und McKewon (1996, S. 105), jeweils ohne Abbildung. Dazu erhält man die etwas merkwürdige Information, die Kamera sei mit einem Detectiv-Aplanat 6,8 in Compound 25–100 [!] ausgestattet. Das ist der Zeitenbereich eines Vario, nicht eines Compound. Vermutlich gehen diese Angaben auf einen Eintrag bei Umstätter zurück, der unter Nr. 597 eine Spreizenkamera führt, die er als Busch "Vier-Sechs" mit "Detektiv-Aplamat [!] 6,8/75" in "Compound 1/25–1/100" klassifiziert. Es ist offenbar die gleiche Kamera, die auf --> http://www.earlyphotography.co.uk/site/entry_C1105.html als strut camera unbekannter Herkunft gezeigt wird. Sie besitzt ein unbezeichnetes Objektiv 1:9 in einem Selbstspannverschluss vom Typ Vario o.ä. Die Kamera ähnelt stark der Contessa Westca Nr. 19, die hier im Forum bereits gezeigt wurde (--> https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...=70&page=12), allerdings ist die Anordnung der Bedienungselemente anders.
Eine Busch Vier-Sechs mit den bei Hanneke genannten Merkmalen finde ich nirgends; der Eintrag in einer Sammlungsdokumentation führt wieder zu der unbekannten Kamera (--> http://photographica-world.de/fotomuseum/A-E.htm).
Ich möchte vermuten, dass es sich bei der "Vier-Sechs" um eine Kamera handelt, die von einem anderen Hersteller (Contessa Nettel?) produziert und von Busch mit eigenen Objektiven ausgestattet wurde, dafür gibt es ja auch andere Beispiele (--> https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...5&thread=53). Aber auch das ist vorerst nur eine Vermutung; wenn Hannekes Angaben zutreffen und die Kamera mit Schneckengangeinstellung und Compound ausgestattet ist, sollte es sich auf jeden Fall um ein höherwertiges Modell handeln.
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die Busch Vier-Sechs wurde von Contessa gebaut (bei Contessa heisst sie "Westca") und durch Busch als Busch Vier-Sechs verkauft...soweit die These.
Aber:
Ich habe noch keine Westca mit Busch-Gravur gesehen. Ausserdem ist bei der Westca das Objektiv unbezeichnet, sodass sich der Objektivbauer Emil Busch hierüber nicht profilieren konnte...
Oder ist mit der Busch "Vier-Sechs" diese Zulauf / Ica "Bebe" 4,5x6 gemeint:
Freier-Sascha:Oder ist mit der Busch "Vier-Sechs" diese Zulauf / Ica "Bebe" 4,5x6 gemeint:
Dein Foto beweist jedenfalls, dass die Bébé 40 auch von Busch vertrieben und entsprechend gelabelt wurde (wie auch mein oben verlinktes Polyscop). Die Bébé besitzt einen Schneckengang, einen Compound-Verschluss sowie den ebenfalls bei Hanneke genannten Newtonsucher. Und: Die angegebenen Maße stimmen exakt! Die Bébé mit Tessar ist etwas schwerer als die angegebenen 400 g, aber ihr Objektiv ist ja auch lichtstärker als ein Aplanat 6,8 – auch das sollte also passen. Zur endgültigen Bestätigung wäre eine zeitgenössische Anzeige oder ein Busch-Katalog erforderlich. (Manchmal sind es ja Zufallsfunde; ich habe etliche Bücher mit dickem Anzeigenanhang, es ist nur etwas mühselig, alles durchzusehen...).
Die Westca hingegen ist die Kamera, die bei Umstätter und auf photographica-world.de als "Vier-Sechs" firmiert und so aktuell auch bei ebay angeboten wird. Deren Spezifikationen (Objektiv, Verschluss) passen aber nicht zu den Angaben von Hanneke, das ist m.E. eine falsche Zuschreibung, wie sich leicht zeigen lässt.
hab vielen Dank! Das ist sehr interessant und zugleich etwas ernüchternd. Denn daraus ergibt sich ja, dass die "Viersechs" tatsächlich ein neues Modell aus dem Jahr 1916 ist (in den Sammlerkatalogen wird sie übrigens ins Jahr 1920 datiert) – oder zumindest eine starke Überarbeitung. Nun dachte ich spontan daran, dass es sich um die Neubearbeitung der Bébé handeln könne, denn im Ica-Katalog 1912/13 wird die Bébé 40 noch in der alten Zulauf-Ausführung mit Guillotine-Verschluss und anderer Frontplatte vorgestellt (siehe auch --> https://knippsen.blogspot.com/2025/12/zulauf-bebe.html). Aber der Busch-Katalog von 1913 zeigt ja auch schon die 'neue' Bébé mit Compound-Verschluss. Das kann also nicht die entscheidende Änderung gewesen sein.
Die in der Phot. Rundschau erwähnte Winett ist, soweit ich weiß, auch so ein Rätselfall – ich meine mich aber zu erinnern, dass es eine Kamera Stuttgarter Provenienz sein könnte (vielleicht liegt sogar eine Anspielung auf den Namen Nettel vor?) Die frühe Duchessa, die u.a. auch von Steinheil verkauft wurde und die ich hier schon einmal vorgestellt habe (--> https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...&thread=323), passt von den Maßen her nicht zu der Beschreibung von Hanneke. Es bleibt also spannend.