besonders in den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts waren Spreizenkameras im „Westentaschenformat“ 4,5x6 sehr beliebt. Den Anfang im gehobenen Segment markierte 1908 die Westentaschen-Tenax von C. P. Goerz (--> https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...&thread=281), es folgten Zulauf mit der Bébé (--> https://knippsen.blogspot.com/search?q=zulauf) sowie weitere Hersteller, darunter Plaubel. Die Frankfurter Firma brachte 1912 die hier vorzustellende Makina 4,5x6 – in Sammlerkreisen auch als ‚Baby-Makina‘ bezeichnet – auf den Markt, nachdem schon 1911 eine Stereo-Version 4,5x10,7 erschienen war. (Die größere und weiter verbreitete Version in 6,5x9 kam erst 1919.)
Es handelt sich um eine Präzisions-Plattenkamera mit Scherenspreizen, die schnell in Aufnahmebereitschaft zu bringen ist. Die Entfernungseinstellung erfolgt mittels eines seitlichen Drehrads, das den Abstand der Spreizen zueinander reguliert. Die Entfernungsskala befindet sich auf der Oberseite. Die Kamera ist mit einem um 90° gedrehten, verdeckt eingebauten Rad-Compur (1–1/250) ausgestattet; auf der Frontplatte befinden sich die entsprechenden Bedienungselemente. Die Blende wird mit einem Schieberegler auf der rechten Seite verstellt; darüber befindet sich der Auslöser. Das Objektiv ist ein (dreilinsiges) Plaubel Anticomar 3/7,5 cm. Verstellungen des Vorderteils sind nicht vorgesehen, was für eine Handkamera letztlich konsequent ist. Als Sucher fungiert ein ausklappbarer optischer Sucher mit blau eingefärbtem Okular auf der Gehäuse-Oberseite.
Die Frontplatte des vorliegenden Exemplars zeugt von ausgiebigem Gebrauch; technisch funktioniert alles. Und immerhin ist ein – wohl originaler – einschraubbarer Objektivdeckel vorhanden.
Im Laufe der Bauzeit gab es einige Änderungen hinsichtlich Konstruktion und optischer Ausstattung, was eine zeitliche Einordnung des hier gezeigten Exemplars erlaubt: Nach der Darstellung bei Walter Kross (Das Buch der Makina, 1937) besaß die erste 'Baby-Makina' von 1912 ein Makinar 1: 4,2/75. Seit 1919, als auch das größere Modell erschien, wurde ein Anticomar 4,2 eingebaut. Bis dahin waren alle Kameras mit Compound ausgestattet. Seit 1921 wurde der Compur verbaut. 1924 wurden dreilinsige Anticomare der Lichtstärke 1:3 eingeführt, wie es beim vorliegenden Exemplar der Fall ist. 1926 wurde die Lichtstärke auf 1:2,9 gesteigert (vgl. S. 21). Seit 1926 besitzt die Makina zusätzlich zum Newtonsucher einen Ikonometer. Die vorliegende Makina lässt sich anhand dieser Merkmale in den Zeitraum 1924–26 datieren.
Von den Abmessungen (Geh. zusammengelegt: 9,5 x 7,5 x 3,3 cm) und dem Bedienkonzept her ähnelt die Makina am ehesten der Goerz Westentaschen-Tenax. Die hat aber den Vorteil, noch taschentauglicher zu sein, weil sie keine vorstehenden Bedienungselemente besitzt. Die Makina trägt immerhin weniger dick auf als die zeitgenössische Ica Bébé 40/2 (--> https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...&thread=415), obwohl ihr Mattscheibenrückteil recht dick ist.
Von links nach rechts: Tenax – Makina – Bébé 40/2
Dieses Rückteil wird übrigens nicht über einen Kassettenschieber am Gehäuse arretiert, sondern es besitzt selbst einen federnd gelagerten Stift zur Arretierung. Der Lichtschacht kann abgeklappt werden, wenn ein freier Blick auf die Mattscheibe gewünscht ist. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass der Makina-Falz mit 61 mm vergleichsweise breit ist; Rückteile bzw. Kassetten anderer Hersteller passen nicht. Kross gibt an, der Falz weiche „absichtlich von der Norm ab, damit der Makina-Besitzer nicht minderwertige Blechkassetten benutzen kann, deren mangelhafte Präzision keine genaue Fokuslage der Aufnahmeschicht gewährleistet“ (S. 52).
Kleine Plattenkameras verloren in den 1920er Jahren gegenüber Rollfilmkameras an Bedeutung. Plaubel konzentrierte sich dementsprechend auf das Modell 6,5x9, das sukzessive weiterentwickelt wurde und nicht nur den Ring-Compur, sondern auch einen Messsucher erhielt und bis in die 1950er Jahre produziert wurde (--> https://camera-wiki.org/wiki/Plaubel_Makina). Die ‚Baby-Makina‘ wurde vermutlich in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre eingestellt, das genaue Produktionsende habe ich noch nicht ermitteln können.
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