irifue:Es kann also durchaus sein, dass die Kamera selbst in den Jahren 1921 -1923 gefertigt wurde, aber zu einem späteren Zeitpunkt mit dem neuen Verschluss (1926) und einer neueren Linse (1930)ausgestattet wurde.
Die Datierung des Ibsor ins Jahr 1926 scheint mir zuverlässiger als die Angabe 1908. Neben den schon genannten Argumenten spricht dafür, dass im Katalogauszug von collection-appareils, den Sascha eingestellt hat, Ibso und Compur angeboten wurden. Der Ibsor ist aber der Nachfolger des Ibso, muss also lange nach Einführung des Compur aufgekommen sein.
Die Frage ist, ob das Kameragehäuse wirklich schon aus der Zeit 1921–23 stammt; ist das denn sicher? Das Orionwerk hat ja zumindest bis in die frühen 1930er Jahre produziert, nach Thiele erfolgte der Antrag auf Liquidation erst 1933. Ich habe nur eine Orion-Kamera, es ist die Rollfilmkamera Rio 82B (5x8) mit der Nr. 2321xx, die erst 1928 auf den Markt kam. Für ein frühes Baujahr Deiner Rio spricht vor allem das Holzgehäuse.
Es ist m.E. also denkbar, dass die Kamera um 1930 in genau dieser Kombination verkauft wurde. Verschlüsse waren oft Lagerware, vielleicht stammt der Verschluss aber auch aus dem gleichen Jahr wie das Objektiv. Es ist auch vorstellbar, dass das Gehäuse ein Restbestand war (Querformatkameras waren ja ohnehin nicht der große Verkaufsschlager). Differenzen zwischen den Baujahren von Gehäuse, Verschluss und Objektiv sind nach meiner Beobachtung nicht ungewöhnlich.
Wenn jemand die Kamera nachträglich modifiziert hätte, wäre eher eine bessere Bestückung zu erwarten als der günstige Dreilinser. Hast Du Werkzeugspuren am Konterring gefunden? Das könnten Hinweise auf nachträgliche Arbeiten sein.
Noch ein Literaturhinweis: Hartmut Thiele: Orionwerke Hannover, Zusammenstellung der Modelle. In: Photographica Cabinett 76 (2019), S. 13ff. (Ich habe den Beitrag leider nicht vorliegen.)
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das war vorhin das Erste, das ich nachgeschaut hatte. Es sind leichte Werkzeugspuren am Objektiv. Das Objektiv wurde scheinbar ausgewechselt.
Hallo an alle, die mir bei der Auflösung des Puzzles geholfen haben.
Ich hatte mich bisher nur wenig um Kameras der Orionwerke gekümmert. Meine drei Kameras waren Beifang und fristeten ein recht trauriges Dasein auf dem untersten Regalboden. Wie war das noch mal mit dem hässlichen Entlein? Diese Rio 44c weckte mein Interesse nur wegen des Querformats und der Ähnlichkeit mit Bülter&Stammer. Jetzt bin ich froh, dass diese Kamera einen Namen bekommen hat und katalogisiert werden kann. Vielen Dank dafür.
vielen Dank für das Katalogbild der Rio 44c von 1922. Das legt doch nah, dass die Kamera selbst um 1921 gebaut und später mit anderem Objektiv und Verschluss ausgestattet wurde.
Insgesamt halte ich die Erklärung von Jan für sehr treffend, und ich würde meinen, dass die Kamera bestenfalls in der Mitte der 20er Jahre ist. Danimann erwähnt hier
eine Zahl von etwa 70.000 B+S Einheiten für 1911. Wenn man die Zahlen extrapoliert und die Auswirkungen des Krieges und der Nachkriegszeit berücksichtigt, wäre eine Zahl von 188.xxx etwas weit entfernt von 1920/21 und eher auf die Mitte oder das Ende des Jahrzehnts ausgerichtet. Und das umso mehr, als Orion B+S in einer Zeit niedriger Verkaufszahlen kaufen würde. Orion hatte von Anfang an Ibso-Verschlüsse und Meyer-Objektive verwendet, daher war es sinnvoll, einige Jahre später weiterhin ähnliche aktualisierte Optionen anzubieten.
Die beste Möglichkeit, all diese Daten mit anderen Seriennummern von Kameras und anderen Bildern aus dem Katalog oder der Werbung abzugleichen. Allerdings sind alle Bilder, die ich von deiner Kamera gesehen habe, mit einem Ibso-Verschluss montiert.
Eine weitere Authentizität ist, dass die Brennweite der Trioplan mit der Brennweite der Kamera kompatibel ist. In diesem Sinne, auf dieser Website
Sie können eine Orion 9x12 im vertikalen Format (wahrscheinlich mit einer 14C und einem hölzernen Gehäuse) sehen, ausgestattet mit einem Ibsor-Verschluss und einem Trioplan-Objektiv für eine Brennweite von 13,5 cm. Die Seriennummer des Objektivs ist eine Folge deiner, was auf viel zeitliche Nähe hinweist.
Ich füge als Kuriosität eine Abbildung des chilenischen in spanischen Katalogs von Hans Frey aus dem Jahr 1923 hinzu, wo sie unter der Bezeichnung Norma erscheint.
Daniel Sanchez beschreibt auf der genannten Seite eine Bülter&Stammer. Bülter&Stammer existierte als eigenständige Firma nur bis 1920 und wurde 1921 von den Orionwerken übernommen.
Die bei Emtus vorgestellte Rio - Kamera verfügt über die gleiche Ausstattung - Objektiv, Verschluss - wie die horizontale Rio 44 c. Insofern scheint das Objektiv mit schwächerer Linse nachträglich (Werkzeugspuren innen - siehe Bild) in die querformatige Kamera mit ganz anderer Handhabe eingebaut worden zu sein - warum auch immer. Die Linsennummer verweist auf das Erscheinungsjahr 1930 hin.
Dein Katalogbild aus Chile entspricht vom Aussehen her meiner Kamera, allerdings mit Ibso-Verschluss und Steinheil oder Zeiss Objektiv. Es könnte ein vom Orionwerk exportiertes Gehäuse mit Mechanik sein und das anschließend in Chile mit Objektiv und Verschluss vervollständigt wurde. Nicht unüblich, um Zollgebühren für eine fertige Kamera zu sparen.
wo hast du diese Kameras denn hergezaubert - unglaublich. Meine Kamera enthält keine Signatur Rio 44c, die Libelle ist wohl abgebrochen, sind nur Reste vorhanden.
Wenn ich bedenke, dass ich Kameras der Orionwerke nie auf dem Schirm hatte, mich eigentlich nur die Bülter&Stammer interessierten, habe ich mich doch sehr intensiv mit dieser Kamera beschäftigt. Vielleicht tue ich den Kameras von ICA und Orionwerke Unrecht.
Vielen Dank für die interessante Inforamtion.
Beste Grüße
Ingrid
PS: Ich warte immer noch auf Erleuchtung - Stichwort "Victor-Verschluss", ich gebe da nicht auf.
ich finde den Ansatz von Jorge, die Seriennummern der Orion Kameras (bzw. des Vorgängerbetriebes) zur Datierung der Kameras heranzuziehen, eine gute Idee. Leider ist die verfügbare Datenbasis dafür unzureichend. Ich habe bei einer kurzen Recherche im WEB nur zwei Kameras gefunden, die Daten dazu liefern:
1. beim Dt. Kameramuseum eine Plattenkamera mit Tessar (613384) und Gehäusenummer 174208 datiert 1924 2. eine Rollfilmkamera 6x9 aktuell im Onlineauktionshaus mit Trioplan (381239) und Gehäusenummer 180625 datiert 1930
Meine Rio 82 B, die maximal im Zeitraum November 1928 bis 1933 hergestellt wurde, trägt die Seriennummer 240050.
Das reicht, wie oben erwähnt, leider nicht für eine sichere Datierung, aber vielleicht hat ja noch jemand weitere Daten …
Aber wir wissen auch nicht, wie beim Orionwerk gezählt wurde (durchgehend nach Exemplaren, differenziert nach Modellen?). Ingrid hat oben einen vorangestellten Buchstaben erwähnt, so etwas finde ich auf meiner Rio nicht. Eine solche Praxis gab es ja bei Ica/ZI und z. T. auch bei Voigtländer. Generell scheint es mir aber, wie gesagt, nicht unwahrscheinlich, dass auch ein Exemplar von 1921 noch bis in die späten 1920er Jahre verkauft wurde; man muss ja auch die wirtschaftliche Situation und die damit verbundenen Absatzschwierigkeiten berücksichtigen. Zumindest das Holzgehäuse deutet eher auf eine frühes Baujahr hin, ich weiß aber nicht, ob und wann das Orionwerk überhaupt auf Metallgehäuse umgestellt hat.