Hüttig "Jul" Klapp-Taschen-Camera Nr. 105 von 1906
Hallo zusammen,
es soll die Nr. 105 "Jul" von Hüttig gezeigt werden, eine Klapp-Taschen-Kamera/Plattenkamera im Format 9x12, vorgestellt im Hüttigkatalog von 1906.
Es handelt sich um eine recht, einfache Kamera, mit einfachen Auszug. Im Hüttig-Katalog von 1906 ist sie mit dem Original Objektiv - prima achromatisches Objektiv mit Automat-Verschluss von Hüttig und 4 stufiger Revolverblende - abgebildet.
Beschreibung meiner Jul
Seriennummer im Innengehäuse Nr. 66528 entspricht einem frühen Datum - vielleicht vor 1906 Das Objektiv selbst trägt schon die ICA Prägung. Der Verschluss - Ring-Compound mit Luftbremse mit D.R.G.M 371939 aus dem Jahr 1909 stammt von ICA. Die Verschlusszeiten sind mit I, B, T und Zeiten 1 - 250 angegeben. Alle Verschlusszeiten lösen aus - teilweise etwas zu langsam.
Gehäuse aus Mahagoni mit Metallrahmen hinten, mit Leder bezogen. Kaum Abnutzung und keine lose Belederung. Auf der linken Gehäuseseite befindet sich eine Hüttig-Plakette Modell 1907
Der Balgen ist aus rotem Leder gefertigt, nicht beschädigt und dicht.
Der Mahagoni-Laufboden mit einfachem Auszug ist auf der Unterseite fein beledert. An den Aussparungen der Bogenspreizen aus Aluminium – mit 3 Schrauben auf dem Laufboden befestigt - sieht man das durchgehend rote Holz
Objektivbrett aus Aluminium um Standartenführung gewickelt und ist höhenverstellbar und kann mittels kleiner Rändelschraube festgestellt werden.
Standarte: Die Standartenführungen, der Laufschlitten und der kippbare Brillantsucher sind vernickelt. Die Laufschienen sind aus einem Stück Aluminiumblech gebogen, in der Mitte vernickelt, die Laufschienen selbst nicht - warum auch immer.
Die Handhabe ist von Hüttig, Kurbel mit Krone
Die Spreizen sind fächerförmig - Bogenspreizen aus Aluminium sind mit 3 Schrauben fest auf dem Laufboden verankert.
Besonderheiten
1. Die Linse wurde nachträglich eingebaut: Tessar 1:6,4 - 32, F=15cm Carl Zeiss Jena, Nr.196839 aus dem Jahr 1912.
2. Die Rändelschraube ist in eine Art Klemme drehbar gelagert, wenn man sie in seitlicher Position feststellt, bewegt sie den tiefgestellten Objektivträger beim Zurückfahren der Standarte in das Gehäuse nach oben in eine mittlere Ausgangsstellung, damit der Balgen nicht beschädigt werden kann. Ist die Rändelschraube nach vorn gerichtet, blockiert die Kamera das Einschieben in das Gehäuse.
Ich danke Jan und besonders Axel für die Mithilfe.
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das ist eine interessante Kamera. Als Modell hätte ich Ingo oder Jul gedacht. Ich schaue nachher mal nach Katalogauszügen. Das Tessar datiert auch in die Zeit - schau mal auf https://camera-wiki.org/wiki/Carl_Zeiss_serial_numbers .
vielen Dank, ein interessantes Exemplar! Bemerkenswert finde ich, dass man bei einer so einfachen Kamera einen verhältnismäßig großen Aufwand mit der äußeren Gestaltung (Laufboden, Balgen) getrieben hat.
irifue:Das Objektiv selbst trägt schon die ICA Prägung. Der Verschluss - Ring-Compound mit Luftbremse mit D.R.G.M 371939 aus dem Jahr 1909 - ist noch mit dem Pentagramm von Hüttig versehen.
Der Verschluss ist sicherlich nachträglich angebracht worden, hier hat jemand diese einfache Kamera technisch aufgewertet. Das Pentagramm wurde übrigens von der Ica als Warenzeichen übernommen und für einige Jahre genutzt, erst in den 1920er Jahren wurde ein neues Logo etabliert.
irifue:Die Linse wurde nachträglich eingebaut: Tessar 1:6,4 - 32, F=15cm Carl Zeiss Jena, Nr.196839 aus dem Jahr 1957
Die Seriennummer scheint mir aber eher auf das Jahr 1912 zu verweisen, oder? Würde auch zeitlich gut zu dem Compound passen.
bei Knippsen-Dating wiurde bei Nr. 196839 unter Zeiss 1957 angegeben. Axel hat mir die Seriennummern von Zeiss gegeben. Da kam 1912 raus, wie du gesagt hast. Ich werde also 1957 durch 1912 ersetzen.
du bist genial, du hast die Seiten gefunden. Könnte es auch eine der beiden anderen sein, die auch diese Spreizenform haben. Bei allen drei Beispielen ist immer von schwarz poliertem Holzgehäuse die Rede. Meine Kamera besteht aus Mahagoni - man sieht das unbehandelte Mahagoniholz bei der Aussparung für die Spreize. Außerdem ist der Balgen aus rotem Leder. Ich weiß nicht, ab wann Hüttig diese Spreizenform gebaut hat. Auf der Hüttig-Plakette steht Modell 1907. Vielleicht könnte auch die Seriennummer Nr. 66528 über das Herstellungsdatum Auskunft geben. Sicher ist wohl, dass meine Klio vor 1908 gefertigt wurde.
interessant – eine exakte Übereinstimmung mit den Beschreibungen ist offenbar nicht gegeben; die genannten Kameras haben einen schwarz polierten Laufboden und einen schwarzen Balgen; hier muss es also noch Änderungen gegeben haben. – Ich habe mal versucht, es von der anderen Seite her anzugehen, und nach Fortsetzungsmodellen im Ica-Programm gesucht. Zunächst dachte ich an die Volta 120 aus dem Programm 1910, die hat aber keinen Kurbel-Feststeller; die anderen einfachen Modelle wie Corrida 150/151 und Teddy 140 besitzen andere Spreizen.
Hat Deine Kamera, Ingrid, einen Echtleder- oder einen Kunstlederbezug? Bei Kameras dieser Kategorie wäre eigentlich Lederimitat zu erwarten; dazu passt aber der rote Balgen nicht...
irifue:Ich habe mir die Modellbeschreibungen durchgelesen. Bei meiner Kamera habe ich keinen Balkenschoner gefunden.
Ich frage mich ohnehin, was es mit diesem Balgenschoner auf sich hat. Bei Apparaten mit längerem Auszug gibt es die verschiedenen Streckvorrichtungen bzw. Spanner, die ein Durchhängen verhindern sollen; aber das ist hier ja nicht gegeben. Was bewirkt also ein Balgenschoner?
der Balgenschoner wurde wohl 1908 eingeführt. Hast Du die Standarte mal horizontal verschoben und dann (vorsichtig!) versucht, den Balgen einzuschieben?
Hier noch ein Katalogauszug von 1906 (1907 habe ich nicht):