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SLR-Kameras mit Zentralverschluss: Kowaflex und Voigtländer Ultramatic
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27.03.22 19:47
Clack1967 

BZF-Meister

27.03.22 19:47
Clack1967 

BZF-Meister

SLR-Kameras mit Zentralverschluss: Kowaflex und Voigtländer Ultramatic

Heute berichte ich einfach mal - zur Warnung und verbunden mit einer Empfehlung - von zwei frustrierenden Neuerwerbungen. In beiden Fällen handelt es sich um Spiegelreflexkameras mit Zentralverschluss.

Die eine ist die Kowaflex (1961) mit Selenzelle, fest eingebautem hochwertigem Kowa-Objektiv (2/50) und Seikosha SLV-Verschluss (bis 1/500 Sekunde). Die schöne kompakte SLR erreichte mich, wie der Verkäufer beim Online-Händler geschrieben hatte, tatsächlich im „funktionsfähigen“ Zustand. Doch beim dritten Spannen kamen plötzlich ungute Geräusche aus dem Inneren, der Spannhebel ließ sich nur noch schwer bewegen, und dann war Schluss. Jetzt kann man den Hebel fast widerstandslos durchziehen, aber die Kamera tut gar nichts mehr. Sie löst nicht mehr aus, und der Spiegel hängt oben fest. Wohl ein technischer und wirtschaftlicher Totalschaden.





Das andere Beispiel ist eine Ultramatic von Voigtländer (1961), ebenfalls mit Selenzelle, Blendenautomatik und dem hochwertigen Septon-Wechsel-Objektiv (bei meiner leider mit großflächiger Separation). Wohl mit das Feinste, was die deutsche Kameraindustrie in ihrer letzten Phase konstruiert hat. Allerdings eben, wie manch andere Zentralverschluss-SLR auch, „over-engineered“ (wie die Briten sagen würden). Man denke nur an die Retina Reflex von Kodak mit komplizierten Seilzügen oder die vertrackte Pentina von Pentacon. Auch diese beiden sind selten in gutem Zustand zu finden. Die Ultramatic erreichte mich ebenfalls in „funktionstüchtigem“ Zustand, und dann auch hier dasselbe: Beim dritten Spannen hängte sich die Kamera auf, der Verschluss blieb stecken, und nun geht gar nichts mehr. Auch vorsichtiges Schütteln oder leichtes Erwärmen mit dem Fön konnte die Mechanik nicht aufmuntern. Ich hätte wohl besser nicht als Erstes die langen Zeiten testen sollen… Auch hier also ein Totalausfall, den man dem Verkäufer wahrlich nicht anlasten kann, und ein teurer noch dazu.







Was lernt man daraus? 1. Solche kompliziert gebauten Zentralverschluss-SLRs sind, auch wenn sie „funktionsfähig“ scheinen, wie rohe Eier zu behandeln. Oft haben Sie Jahrzehnte unbenutzt irgendwo im Schrank verbracht und werden dann verkauft. Bei ein, zwei Versuchen, sie auszulösen, mögen sie dann funktionieren, aber schnell bricht die Mechanik danach trotzdem zusammen. Man sollte die ersten „Experimente“ also sehr behutsam machen und immer mit einem Crash rechnen. 2. Man sollte 60 Jahre alte Zentralverschluss-SLRs am besten beim kundigen Fachhändler kaufen, der ordentliche Beschreibungen einstellt, die Kamera womöglich selber gründlich getestet hat und weiß, wovon er spricht, wenn er angibt, dass die Kamera „tadellos“ funktioniere.

So viel heute von mir zu zwei frustrierenden Käufen, bei denen die Freude in nur 10 Minuten in Enttäuschung umschlug. Manche alte Geräte sind halt unberechenbar – und zieren jetzt als teure Deko-Objekte das Kameraregal.

Viele Grüße

Heiko

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Kowaflex 1.jpg Kowaflex 1.jpg (12x)

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Kowaflex 2.jpg Kowaflex 2.jpg (14x)

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Kowaflex 3.jpg Kowaflex 3.jpg (12x)

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Ultramatic 1.jpg Ultramatic 1.jpg (11x)

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Ultramatic 2.jpg Ultramatic 2.jpg (13x)

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Ultramatic 3.jpg Ultramatic 3.jpg (13x)

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Ultramatic 4.jpg Ultramatic 4.jpg (11x)

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27.03.22 22:55
Rainer 

Administrator

27.03.22 22:55
Rainer 

Administrator

Re: SLR-Kameras mit Zentralverschluss: Kowaflex und Voigtländer Ultramatic

Hallo Heiko,

dieses Risiko ist bei den komplizierten Zentralverschlüssen nach jahrzehnete-langer gebrauchloser Lagerung leider sehr begründet. Auch ich bin davon betroffen, z.B mit meiner Rollei SL26. Manchmal konnte eine Erwärmung noch was retten, manchmal nicht.

In der Regel hilft dann nur noch eine Demontage und Entharzung mit Neueinbringung von entsprechen Schmiermitteln. Aber auch das funktioniert nicht immer, wenn die Schwergängigkeit schon zu Schäden geführt hat.

Nicht immer ist der Verkäufer böswillig, die Kameras haben das Problem in sich.

Aber auch Schlitzverschluss-Kameras können betroffen sein.

Risikoreich sind insbesondere auch die langsamen Zeiten.

Einen Königsweg kenne ich auch nicht. Was sagen die Forumnutzer dazu?



Grüße von Haus zu Haus
Rainer (Forumbetreiber)

Analog: Aus Negativ wird Positiv.
Digital: Pixel sind nicht alles, aber ohne Pixel ist alles nichts.

Zuletzt bearbeitet am 31.03.22 10:12

28.03.22 00:03
Prakticafan 

BZF-Meister

28.03.22 00:03
Prakticafan 

BZF-Meister

Re: SLR-Kameras mit Zentralverschluss: Kowaflex und Voigtländer Ultramatic

Hallo Foristi,

ja das ist schon ärgerlich und wahrscheinlich jedem von uns schon einmal passiert. Mir erst kürzlich bei einer Praktica mat in OVP, laut Verkäufer voll funktionsfähig, lässt sich aufziehen und löst aus. Leider hat er vergessen durch den Sucher dabei zu schauen sonst hätte er bemerkt dass der Spiegel sich nicht bewegt. Aber ich würde den Verkäufern wirklich keine böse Absicht unterstellen, viele haben einfach auch heute nicht mehr das Wissen um den technischen Zustand einschätzen zu können.

In diesem Fall jetzt wäre ich nicht unzuversichtlich dass wenigstens die Voigtländer wieder zu retten ist, sie hat schließlich nur einen Synchro-Compur, den kann ich mittlerweile blind. Bei der Kowa wäre ich mir da nicht so sicher, da dürfte wahrscheinlich irgendein Seikosha … drin hängen, ich hatte auch mal eine Kowaflex als Beifang. Grundsätzlich waren die japanischen Zentralverschlüsse zuerst ja Kopien der bekannten deutschen Verschlüsse aber wie die Entwicklung dann weiterging entzieht sich meiner Kenntnis, sie dürften aber deutlich von den deutschen Weiterentwicklungen unterscheiden. Der Prestor in der Pentina ist anfällig aber meiner Meinung nach auch sehr gut und logisch zu warten.

Ich denke das grundsätzliche Problem an unserem Hobby ist dass es sich um historische Technik handelt, solche Kameras haben mittlerweile über 50 Jahre auf dem Buckel und selbst bei einer frisch gewarteten Kamera dieses Alters kann augenblicklich eine Feder brechen, etc. Ich gehe grundsätzlich immer von einem defekten Gerät aus wenn ich etwas kaufe und freue mich dann über eine positive Überraschung sollte eine Kamera dann doch einwandfrei funktionieren.

Grüße, Benni

28.03.22 11:42
Scannerhannes 

BZF-Meister

28.03.22 11:42
Scannerhannes 

BZF-Meister

Re: SLR-Kameras mit Zentralverschluss: Kowaflex und Voigtländer Ultramatic

Hi,
Eure Kenntnisse über Kamerareparatur habe ich natürlich nicht, also beschränke ich mich seit langen Jahren auf Kameras mit maximal vier Verschlußzeiten - bevorzugt Boxkameras, wo man die Vorderwand abklipsen kann wie den Deckel einer scharfen Sorte Pfefferminzbonbons ;) .
Darüberhinaus ist mir eine Russenkamera oder eine chinesische mit Balgen und stylischem Entfernungsmesser von 1995 mehr wert als eine Super-sonstwas von 1955, einfach weil ich weiß, daß deren Zentralverschluss, jedenfalls ein westdeutscher, im Eimer sein muß.

Aber mein Augenmerk gilt im Falle von Ebay-Käufen den Verkäufern. Wer den Quatsch reinschreibt: "Laut EG-Gesetzgebung wird keine Gewährleistung übernommen", konnte auch reinschreiben: "Ich kenne mich mit Gesetzen nicht aus, aber ich möchte für meine kaputten Sachen noch was rauskriegen und bin überzeugt, dass keiner von den Betrogenen noch Geld für einen Anwalt ausgibt".
Weiterhin ist jemand, der mehr als ein halbes Dutzend gleichartiger Artikel binnen seines ganzen Verkäuferlebens zur Versteigerung angeboten hat, per Definition ein gewöhnlicher Gewährleistungsbetrueger, wenn er sich als "privat" deklariert.
Mein letzter Fall für beides war ungefähr in 2003, als mir ein Verkäufer einer Fixfocus-Digitalkamera von Quelle mit großem Fussel auf dem Sensor antwortete, dass er das weiß, aber ja Gewährleistung ausgeschlossen habe. (Kann er nicht). Statt einer Einnahme von 24 Euro hatte er dann nahe an 100 Euro Anwaltskosten (nur meine) und die defekte Kamera zurück.

Mir ist klar, dass es 99,9 Prozent aller Käufe verhindert, wenn man solche Angebote umgeht - obwohl vielleicht nur 90 Prozent aller derartigen Angebote von böswilligen Cleverlies ("sporadischer Defekt tritt auf? Schnell verkaufen"), der Rest von 9,9 Prozent von unkundigen Naiven, die's nicht böse meinen, stammt. Meine Ebay-Angebote (Tausende, wg. Nachlaß aus drei Haushalten über die Jahre) trugen alle den Nachsatz: "Bei mir werden Sie den üblichen Gewährleistungsausschluß nicht finden. Bei Defekt nehme ich die Ware zurück". Das ist zweimal passiert, bei einer verbogenen Kupplung an einem Märklin-Wägelchen und bei einem Allwellenempfänger, den ich nach Umzug mangels Antenne nicht ausprobieren konnte. Hab' ich mich halt entschuldigt.

Aber was nimmt man sich eigentlich an Lebensfreude, wenn man alle diese dubiosen Schrott-Angebote vermeidet? Man kann drei oder sieben Tage länger hoffen, das Schnäppchen seines Lebens gemacht zu haben, aber hat dann den Kaufpreis, den Ärger und evtl. die Anwaltskosten am Hals.
Einige schöne Kameras, die ich auch genutzt habe, stammen vom Flohmarkt. Eine nach Prüfung intakte Ricoh Taschenkamera für fünf Euro, Handschmeichler, oder eine Revue 400 mit Sechslinser unter 30 Euro lässt man nicht einfach liegen. Aber da kennt man das Risiko und kann es gegen den Preis abwägen.

Viele Grüße, Hannes

29.03.22 16:49
Clack1967 

BZF-Meister

29.03.22 16:49
Clack1967 

BZF-Meister

Re: SLR-Kameras mit Zentralverschluss: Kowaflex und Voigtländer Ultramatic

Hallo zusammen,

ja, Ihr habt mit allem Recht. Komplizierte Geräte, die 50 Jahre oder mehr alt sind und oft weder gut gelagert noch pfleglich behandelt wurden, können einfach spontan "den Geist aufgeben", oft einfach aus Materialermüdung oder verbrauchter Elastizität der Mechanik. Frustrierend bleibt es trotzdem immer...

Andererseits enthüllt die Zeit dann oft auch echte Qualität. Während die komplexen Zentralverschluss-SLRs der 50er-Jahre oder manche Nachkriegs-Balgenkamera mit glänzend-knisterndem Balgen oft wirklich nicht mehr zuverlässig arbeiten, staune ich immer wieder, wenn Welta-, Balda- oder Voigtländer-Kameras aus den 1930/40er-Jahren vor mir abschnurren, als wären sie erst gestern gebaut worden. Qualität ist offenbar der eine Garant für Langlebigkeit, Einfachheit der andere. Ich vermute, meine russische Zenit B oder eine meiner Favoritinnen, die Praktica F.X 2, Kameras ohne technischen Schnickschnack, ohne "Strom" und mit dem elementaren Leistungsumfang an Zeiten und Blenden, den man wirklich braucht, um zu fotografieren, werde ich womöglich dereinst noch vererben können (wenn sie jemand haben will...).

Wie Hannes mit Recht schreibt: Die Erfahrung lehrt, dass man mit einer Kamera, die die Zeiten B - 30 - 60 - 125 und Blenden von, sagen wir, 5,6 bis 16 hat, im Grunde alles machen kann. Man braucht auch keinen Siebenlinser, sondern drei reichen auch. Und wo weniger labyrinthische Technik drin ist, kann eben auch weniger kaputt gehen. Trifft leider nicht auf die Ultramatic zu...

Seid herzlich gegrüßt

Heiko

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