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[iIa + iIa] Agfa Ambiflex und Selectaflex
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12.05.20 15:47
Clack1967 

BZF-Premium-Nutzer

12.05.20 15:47
Clack1967 

BZF-Premium-Nutzer

[ iIa + iIa ] Agfa Ambiflex und Selectaflex

Heute stelle ich für das „virtuelle Museum“ eine Kamera vor, die gleichermaßen für das hohe Qualitätsniveau wie für den verhängnisvollen Irrweg der deutschen Kameraindustrie steht: die Kleinbild-Spiegelreflexkamera „Ambiflex“ von Agfa, mit der auch heute noch brillante Aufnahmen möglich sind. Bei meinem Exemplar funktioniert sogar noch der gekuppelte Selen-Belichtungsmesser — nach gut 60 Jahren!



Zunächst das Datenblatt:

• Baujahr: 1959-1963
• Hersteller: Agfa Kamerawerk, München
• Format: KB (24 x 36mm)
• Objektivanschluss: Ambiflex-Bajonett (mit nichts anderem kompatibel!)
• Objektiv: Agfa „Color Solinar“ 1:2,8 / 50
• Blenden: 2 bis 22
• Verschluss: mechanischer Zentralverschluss „Prontor Reflex“
(5 Lamellen)
• Belichtungszeiten: B, 1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/15, 1/30, 1/60, 1/125, 1/300
• Fokussierung: 0,8 m bis ∞ (manuell)
• Blitz: Synchronkontakt „X“ und „M“ (kein Zubehörschuh)
• Belichtungsmesser: Selenbelichtungsmesser (gekuppelt)
• Filmzählwerk: Zählrad im Boden auf der Rückseite (rückwärts zählend
• Sucher: Prismensucher (Schnittbildentfernungsmesser), gegen
Schachtsucher austauschbar, der auch zur „Colorflex“ (mit festem
dreilinsigem „Apotar“-Objektiv) passt
• Filmtransport: Schnelltransporthebel (in Gehäusekappe integriert)
• Selbstauslöser: ja
• Filmtyp-Merkscheibe: ja (DIN / ASA-Wert wird am Objektiv eingestellt)
• Rückspulmechanismus: Entriegelung mittels eines Knopfes auf der
Unterseite
• Batterie: ---
• Besonderheiten: Springblende, aber kein Rückschwingspiegel;
mechanischer Tiefenschärfe-Indikator am Objektiv
• Zubehör: Bereitschaftstasche, div. Filter (u.a. Gelb, Rot-Orange, UV),
Vorsatzlinsen für den Nahbereich (I: 55-90 cm, II: 38-55 cm),
Sonnenblende, 6 Objektive (in Tropenbehälter mit Silikagel):
2 Normalobjektive „Color-Solinar“ 1:2,8 / 50 (Vierlinser) und „Color-
Solagon“ 1:2,0 / 55 (Sechslinser); 3 Teleobjektive „Color-Telinear“
1:3,4 / 90, 1:4,0 / 135 und 1:4,5 / 180 (selten!); Weitwinkelobjektiv
„Color-Ambion“ 1:3,4 / 35.



Die Kamera liegt gut und schwer in der Hand und wirkt, als sei sie für die Ewigkeit gebaut. Die Messingobjektive mit ihrer charakteristischen Tiefenschärfe-Einkerbung sind schwer und massiv, die gravierten Metallteile glänzen, und man fühlt regelrecht, dass es sich hier um ein Präzisionsinstrument handelt. Dabei ist die Kamera kaum größer als eine „Silette“, also von ihren Ausmaßen her sehr kompakt.



Besonders interessant sind auch die verschraubbaren Tropenbehälter für die Objektive, die am Boden rosa Kieselgel-Kügelchen enthalten, die stark wasseranziehend sind und die Feuchtigkeit in den Behältern binden. Oft fehlen die Kügelchen heute leider und die Bodenkammer ist leer. Agfa hat offenbar erwartet, dass alle „Ambiflex“-Besitzer im Dschungel fotografieren werden.



Ich habe mit der großartigen Kamera schöne Bilder gemacht, die alle korrekt belichtet waren. Sicher ist die „Ambiflex“ einer der Höhepunkte des traditionsreichen Kameraprogramms von Agfa gewesen.

Allerdings ist die „Ambiflex“ wegen ihrer Metallbauweise und komplexen Mechanik sehr schwer (mit Normalobjektiv ca. 1110 g!), ziemlich laut beim Auslösen, und sie hat keinen Rückschwingspiegel. Der Sucher bleibt bis zum erneuten Spannen dunkel. Der Zentralverschluss schafft maximal 1/300 Sekunde, was freilich meistens völlig reicht, für Profis aber angesichts des Preises nicht genug ist. Der Belichtungsmesser sitzt auf der Kameraoberseite, der ermittelte Wert ist im Sucher nicht sichtbar. Dadurch muss man die Kamera ggf. wieder vom Auge nehmen und umständlich neu ablesen, wenn sich während des Anvisierens eines Objektes die Lichtverhältnisse ändern.

Die Kamera hat zudem ein Spezialbajonett. Schraubt man die „Ambiflex“-Objektive versehentlich an die verwandte „Selectaflex“, bekommt man sie nie wieder ab! In meiner Bedienungsanleitung für die „Selectaflex“ wird auf einem Einlegeblatt ausdrücklich davor gewarnt, offenbar weil es öfter passiert ist.

Im „Porst“-Katalog „Der Photohelfer“ (von 1961; s. den angehängten Scan) kostet die „Ambiflex I“ (mit Lichtschacht) 417,- DM, die „Ambiflex II“ (mit Prismensucher und „Solinar“) 499,- DM und die „Ambiflex III“ (mit Prismensucher und „Solagon“) 599,- DM. Auch die Objektive waren sehr teuer. So kostete z.B. das „Telinear“ 1:4,0 / 135 240,- DM. Wenn man also das Set aus Kamera plus Weitwinkel- und Teleobjektiv erwerben wollte, musste man gut 1000,- DM ausgeben, 1961 eine gewaltige Summe.

Ich kann jedem, der Freude an ursprünglicher analoger Fotografie hat, nur empfehlen, diese wunderbare Qualitätskamera einmal zu testen.

Datei-Anhänge
Ambiflex 1.jpg Ambiflex 1.jpg (4x)

Mime-Type: image/jpeg, 641 kB

Ambiflex 2.jpg Ambiflex 2.jpg (194x)

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Ambiflex 3.jpg Ambiflex 3.jpg (1x)

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Ambiflex 4.jpg Ambiflex 4.jpg (2x)

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Ambiflex 5.jpg Ambiflex 5.jpg (1x)

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Ambiflex 6.jpg Ambiflex 6.jpg (1x)

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Ambiflex 7.jpg Ambiflex 7.jpg (1x)

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Ambiflex 8.jpg Ambiflex 8.jpg (5x)

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Ambiflex 9.jpg Ambiflex 9.jpg (3x)

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Photo Porst Katalog 1961.pdf Photo Porst Katalog 1961.pdf (5x)

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Hinweise:
---> Urheberrechte 1: Keine Scans von Prospekten, Bedienungsanleitungen oder Buch/Zeitschriften-Artikeln hochladen.
---> Urheberrechte 2: Nur selbst aufgenommene Photos hochladen. Keine Fotos auf und in fremden Grundstücken.
---> Urheberrechte 3: Textpassagen von fremden Quellen vermeiden, höchstens einige Zeilen mit genauerQuellenangabe.
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12.05.20 20:41
Rainer 

Administrator

12.05.20 20:41
Rainer 

Administrator

Re: Agfa Ambiflex und Selectaflex

Hallo Heiko,

das mit dem Gewicht (Schwergewicht) dieser Agfa-Kamera-Generation kann ich nur in Bezug auf meine Optima Reflex bestätigen. Die wiegt immerhin ca. 850 Gramm. Also auch nicht ganz leicht.

https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...57&thread=2



Grüße von Haus zu Haus
Rainer (Forumbetreiber)

Analog: Aus Negativ wird Positiv.
Digital: Pixel sind nicht alles, aber ohne Pixel ist alles nichts.

Zuletzt bearbeitet am 13.05.20 17:39

12.05.20 21:38
Scannerhannes 

BZF-Meister

12.05.20 21:38
Scannerhannes 

BZF-Meister

Re: Agfa Ambiflex und Selectaflex

Clack1967:
Besonders interessant sind auch die verschraubbaren Tropenbehälter für die Objektive, die am Boden rosa Kieselgel-Kügelchen enthalten, die stark wasseranziehend sind und die Feuchtigkeit in den Behältern binden. Oft fehlen die Kügelchen heute leider und die Bodenkammer ist leer.
Silicagel gibt's übrigens wohlfeil nachzukaufen, in kleinen Säckchen oder kiloweise mit wohl größeren Perlen. Suchbegriff für einen Lieferanten im Inland, Firma, mit 14 Euro pro Kg: "1 kg Silica Gel Orange regenerierbar".
Das Zeugs könnte bei der Problematik von Fungus im Objektiv bei zu feuchter Lagerung helfen. Ich vermeide es übrigens auch, Kameras oder Objektive in Lederhüllen aufzubewahren.

13.05.20 10:25
Clack1967 

BZF-Premium-Nutzer

13.05.20 10:25
Clack1967 

BZF-Premium-Nutzer

iIa Re: Agfa Ambiflex und Selectaflex

Lieber Rainer, lieber Scannerhannes,

danke für die interessanten Rückmeldungen. -- Ja, Bereitschaftstaschen sind nicht unproblematisch bei der Aufbewahrung, dennoch sind Sie ein guter Schutz, auch vor Staub. Ich bewahre meine Kameras, die regelmäßig zum Einsatz kommen und damit "an die frische Luft", in Holzkästen mit Öffnungen auf, d.h. belüftet und in einem trockenen, mäßig warmen Raum. Damit hoffe ich, am besten gegen Fungus & Co. vorzubeugen.

Ich trage hier noch mal Fotos zur erwähnten "Selectaflex" nach. Sie ist in vielem der "Ambiflex" sehr ähnlich, mit der Ausnahme, dass sie (optional) eine Blendenautomatik hat: Stellt man den Blendenring auf "A", wählt die Kamera selbsttätig eine zur eingestellten Belichtungszeit passende Blende aus und zeigt dies im Sucher an. Meine "Selectaflex" meldet allerdings so dubiose, d.h. unglaubwürdige Werte, dass ich ihr nicht vertraue. Vermutlich hat der Selen-Belichtungsmesser längst den Geist aufgegeben. Aber mit der manuellen Blendeneinstellung ist die Kamera glücklicherweise dennoch weiterhin benutzbar.







Sie ist ebenso hochwertig wie die "Ambiflex", schwer, mit wuchtigem Messingobjektiv und rundum solide. Dennoch eine merkwürdige Produktpolitik bei Agfa: Zwei ähnliche Kameras, deren Objektive nicht zueinander passen, und dann solche "Klötze" (wie auch die bizarre "Optima Reflex") zu einer Zeit, in der japanische Kameras technologisch bereits in einer ganz anderen Liga spielten, als wäre Agfa (wie andere deutsche Hersteller auch) nie richtig aus dem Denken in Kategorien von Sucherkameras herausgekommen.



Meine "Selectaflex" habe ich übrigens von einem französischen Verkäufer über ebay erworben. Es waren nicht nur die beiden im Beitrag erwähnten "Ambiflex"-Objektive (!) dabei, die ich tunlichst nicht angeschraubt habe, sondern auch eine alte Fototasche, die u.a. Dokumente zur Kamera enthielt (ein Garantiezertifikat vom Fotoladen "Photo-Ciné Marquette-Vermesse" in Lille von 1964 und ein Garantieschein über 6 Monate nach durchgeführter Reparatur von 1971). Ich liebe solche historischen Beigaben, denn mit ihnen bekommt eine Kamera ja eine "Biographie".

Herzliche Grüße

Heiko

Datei-Anhänge
Selectaflex m. Solinar.jpg Selectaflex m. Solinar.jpg (6x)

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Selectaflex frontal.jpg Selectaflex frontal.jpg (2x)

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Messingobjektiv.jpg Messingobjektiv.jpg (3x)

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Selen-Belichtungsmesser.jpg Selen-Belichtungsmesser.jpg (5x)

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Rückseite.jpg Rückseite.jpg (1x)

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Innenleben.jpg Innenleben.jpg (4x)

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Automatik-Einstellung.jpg Automatik-Einstellung.jpg (2x)

Mime-Type: image/jpeg, 824 kB

Manuell-Einstellung.jpg Manuell-Einstellung.jpg (4x)

Mime-Type: image/jpeg, 737 kB

15.05.20 10:16
Rainer 

Administrator

15.05.20 10:16
Rainer 

Administrator

Re: Agfa Ambiflex und Selectaflex

Hallo Heiko,

ich finde solche "Beigaben" auch gut. Ich habe mal eine Kamera erhalten, wo eine handgeschriebene Bedienungsanleitung dabei war (12 Seiten). Da hat Jemand die originale Anleitung komplett abgeschrieben, 1:1, mit Seitennummern und Verlagstexten.

Ich habe die Anleitung gut in meinen Aktenbestand eingeordnet, finde sie deshalb im Augenblick nicht mehr ...



Grüße von Haus zu Haus
Rainer (Forumbetreiber)

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