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[iIa] Das Kampfmodell: Balda Rollbox
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10.08.17 13:51
Tengor

nicht registriert

10.08.17 13:51
Tengor

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[ iIa ] Das Kampfmodell: Balda Rollbox

Liebe Foristen,

Wie in Götz' "Box-Cameras made in Germany" nachzulesen, war es Agfa nach der Weltwirtschaftskrise 1929 sehr daran gelegen, den Absatz von Filmen, und dazu auch von Kameras, anzukurbeln. Ihre Boxkameras wurden als Schul- oder Werbeprämien unter's Volk gebracht und um eine Kamera für vier Reichsmark verkaufen zu können, verstiegen sie sich so weit, dass sie zum Schluß ihre "Agfa-Preis-Box" aus Pappe bauten, nur um die Konkurrenz vom Markt zu wischen. Um die Fotohändler auf ihre Seite zu ziehen, führten sie ein Zeichen für ihre autorisierten Vertriebsstellen, die "Agfa-Strahlenkrone", ein.
Wie reagierte die Konkurrenz? Gemein. Max Baldeweg machte Propaganda für seine "Balda-Patent-Stahl-Rollbox" und setzte den Preis ebenfalls auf vier Mark an. Nicht seine Billigbox, aber das hier gezeigte Modell "Balda Roll-Box" verzierte er mit einer geprägten Strahlenkrone, die Poka II mit einem verchromten Strahlenkranz.

Hier stelle ich Euch meine Balda Rollbox vor!


Hersteller, Modell: Balda Rollbox, Ausführung II "Sonnendekor schwarz"
Baujahr: 1938
Format: 6 x 9 cm Rollfilm.
Objektiv: Meniskuslinse
Aufnahmen: 8
Blende: 11
Verschluss: Momentaufnahme, B
Blitz: nein
Belichtungsmesser: nein
Filmzählwerk: ja, auf Film
Sucher: zwei kleine Brillantsucher
Filmtransport: Transport-Drehknopf
Entfernungsmesser: nein
Selbstauslöser: nein
Film-Empfindlichkeiten: alle
Filmtyp-Merkscheibe: nein
Abmessungen: :81 x 114 x 126 mm, 402 Gramm
Besonderheiten, Sonstiges: zwei Stativgewinde, Drahtauslöseranschluß


Im Gegensatz zur Balda-Frontbox, die 1932 nicht mit einem kriegerischen Anklang gedacht war, sondern zwecks besseren Eindrucks ihre Meniskuslinse gut sichtbar vor dem Verschluß (engl. "in front") hatte, liegt bei der Roll(-film)box die Linse tief im Inneren hinter dem Verschluß und gegen Streulicht (z.B. vom Himmel, reflektiert am Glas) hat man eine Gegenlichtblende eingebaut.


Oben der Aufzugsknebel für den Rollfilm. Unter der Sucherlinse der Zughebel für "B" Zeitaufnahmen. An dem Drahtauslöseranschluß rechts ganz unten sieht man, daß die Rollbox mit ihren zwei Stativgewinden für "hochkant" und "quer" ernsthaft auch für Zeitaufnahmen gedacht war. Der Auslöser hat keine Einrichtung gegen Doppelbelichtung oder Leeraufnahme.


Solide konstruiert, hat die Balda Rollbox eine federnde Filmandruckplatte und eine mehrfache Lichtfalle. Bei den niedrig empfindlichen, orthochromatischen (= für alle Farben lichtempfindlichen, bei "rot" aber doch weniger) Filmen hielt man einen Verschlußschieber vor dem roten Fensterchen für die Bildnummer nicht für nötig.


Die Rollbox hat einen herausnehmbaren Einsatz für den Film, im Gegensatz z.B. zur Zeiss Tengor oder zur Ensign All-Distance. Bei Balda sitzt das Objektiv nicht in demselben wie z.B. bei der späteren Agfa Synchro-Box. Max Baldeweg, der Inhaber von "Balda", ließ das Werbeargument nie aus, daß seine Boxen mit einem Schlüsselchen zum komfortablen Festdrehen der Filmspule nach dem Einlegen kamen (im Bild, herausziehbar).


Ich habe extra dieses Foto von 1973 zur Demonstration dessen ausgewählt, wozu die einfachsten Box-Kameras (nicht) fähig waren. Bei einer Pocketkamera mit typischerweise 26mm Brennweite und ienem hyperfokalen Fixfocus-Objektiv wird vom Halbportrait bis zum Horizont alles scharf abgebildet. Wie man sieht, ist mit dem Fixfocus-Objektiv einer 6x9 Kamera von typischerweise 105mm Brennweite nicht einmal eine Person oder Personengruppe im Vollportrait scharf abzubilden. Die Stirnseite der Bank ist nicht als Holzstruktur zu erkennen. Scharf, sogar randscharf, ist dagegen die viel weiter entfernte Familie mit Kinderwagen oder z.B. das Geäst der entfernten Bäume.
Den Unterschied werde ich Euch gelegentlich noch an einer Ensign "All-Distance" Box (herausziehbare Objektivhülse) oder der Zeiss "Tengor" (zwei verschiedene Nahlinsen einblendbar) zeigen.

Viele Grüße,

Hannes :)

Zuletzt bearbeitet am 10.08.17 13:53

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