zugegeben spät aber nicht zu spät. Heuta abend auch in Deutschland eine partielle Sonnenfinsternis (85 % Bedeckung). Nicht wenige Menschen haben keine UNBEDINGT NOTWENDIGE echte Schutzbrille mehr bekommen oder ihre alte Brille verlegt.
Hier kann mein Betrachter als Notbehelf aus einem Schuhkarten in 15 Minuten gebastelt helfen. Er ermöglicht das gefahrlose Betrachten des Ereignisses. Dabei wird der Schuhkarton zu einer Lochkamera, sogar mit zwei "Brennweiten".
Man richtet die Lochkameraseite in Richtung Sonne OHNE in diese Richtung zu blicken. An die richtige Richtung herantasten, ohne in die Sonne zu blicken. Stattdessen wird von der Seite durch die passende Klappöffnung des Kartons schräg auf die weisse Projektionsfläche (einem Stück weißes Druckerpapier) im Karton geblickt. Dort wird, wenn man richtig gezielt hat, die Sonne als kleine Scheibe sichtbar. Die andere nicht benutze Klappöffnung bleibt zu.
Je nach dem, ob man die lange oder kurze Seite der Karton-Lochkamera nutzt, erscheint die Sonne etwas größer oder kleiner.
Das Kameraloch der beiden Kamerastrecken wird als großes Loch im Karton mit einem Stück aufgeklebten Alu-Folienstück gebildet in dem ein Loch mit einer Stecknadel gepickt wird. Ist das Bild zu dunkel, dieses Loch mit einem Nagel etwas vorsichtig vergrößern.
Nochmal! NIEMALS "unbewaffnet" (auch nicht für eine Sekunde) in die Sonne blicken, nein, auch nicht mit Sonnenbrille oder ruß-geschwärzter Glasscheibe! Schlimmste Augenschäden drohen.
Dagegen ist die Lochkamera völlig ungefährlich, weil man beim Betrachten nicht in Richtung Sonne blickt.
Leider kann in Deutschland meine schöne Lockamera erst wieder 2081 (bei einer totalen Sonnenfinsternis genutzt werden...... Partielle Sonnenfinsternisse gibt es aber auch davor.
Die beiden Betrachtungsklappen etwas geöffnet.
Ein 1 cm Loch in Karton, darauf die Alufolie mit Stecknadelloch kleben.
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hier als "Protokollbeleg" 3 Musterfotos, aufgenommen mit dem Schukartonbetracher.
Achtung: Für Fotoaufnahmen ist der Betrachter minderoptimal. Die Kamera blickte schräg in den Karton, Karton in linker Hand Sony DSC-HX90 in der rechten Hand, freihändig also. Belichtungszeit 1/30 Sek.
Beim Betrachten mit den Augen eigentlich alles gut und klar erkennbar. Durchmesser der Sonne ca. 3-4 mm.
Standort Berlin Spandau am Ostrand eines 500 Meter im Quadratfeldes.
Beste Grüße von Haus zu Haus Rainer (Forumbetreiber)
Analog: Aus Negativ wird Positiv. Digital: Pixel sind nicht alles, aber ohne Pixel ist alles nichts.
Moin, Rainer, Glückwunsch zu Deinen Beobachtungen!
Ich habe ja nun schon viele Sonnenfinsternisse erlebt, 1966, 1971 und so weiter, sodass zwei sich überschneidende Kreise nicht so die Sensation für mich sind. Sonnenflecken beobachten ist viel interessanter. Das elfjährige Maximum ist erst anderthalb Jahre vorbei. Es ist schade, wenn man dadurch die Stimmung verpasst. Die Natur bekommt eine bleierne Farbe und Schwere, von der Tierwelt ist kein Ton zu hören, kein Vogel ruft, und wenn der Spuk vorbei ist, scheinen alle Lebewesen aufzuatmen. Natürlich will ich auch zumindest den momentanen Bedeckungsgrad verfolgen können, damit ich weiß, wie lange das Ereignis noch dauert. Da mache ich es mir einfach und richte einen Feldstecher mit den großen Linsen auf die Sonne. WICHTIG: MAN KEHRT BEI DIESER BEOBACHTUNG DER SONNE STRIKT DEN RÜCKEN ZU. Der Laie weiß oft nicht, daß der Hauptnutzen eines Fernglases nicht in der Vergrößerung, sondern im Sammeln vom Licht besteht, vom 8x21 Binokulars über das "Jagdglas" (das genau deswegen so heisst, typischerweise mit 50-70 Millimeter Objektivdurchmesser) bis zum 5-mtr-Spiegelteleskop. Ein Standard-Feldstecher mit 30mm Linsen hat ca. 800 Quadratmillimeter Lichteinlaß-Fläche, die menschliche Pupille am hellichten Tag ca. zwei Quadratmillimeter. Wer sein Objektiv auf die Sonne richtet, kann in Sekundenbruchteilen permanent erblinden. Oder, wie seinerzeit ein Schulkamerad bei seiner kostbaren Russenleica, bekommt ein Loch in den Schlitzverschluß gebrannt. Fehlt nur noch ein Blatt starkes weißes Papier als Projektionsfläche. Man lässt den Schatten des Feldstechers auf das Blatt fallen. Nun dreht und wendet man das Fernglas so lange, bis der Schatten einer Hälfte den kleinsten Kreis annimmt und die Sonnenstrahlung hindurch leuchtet. Die Größe wird stark durch die Entfernungseinstellung beeinflußt, die Scharfstellung durch die Entfernung zwischen Fernglas und Papier.
eine totale Sonnenfinsternis ist wohl erst 2081 wieder in Deutschland zu beobachten, partielle aber schon davor.
an die Finsternis von 1999 kann ich noch gut erinnern. Ich befand mich gerade beim Einlaufen in den Hafen von Saßnitz von Bornholm kommend. Es wurde so komisch dunkel, kühler und die Landschaft sah aschfahl auf. ähnlich 2015 in Berlin auf der Straße des 17.Juni. Ist doch schon beeindruckend.
Vorgestern in Falkensee, knapp westlich von Spandau waren viele Leute an dem Feldrad eingetroffen, ich dachte, es wäre eine Geheimtipp von mir selbst .....
Beste Grüße von Haus zu Haus Rainer (Forumbetreiber)
Analog: Aus Negativ wird Positiv. Digital: Pixel sind nicht alles, aber ohne Pixel ist alles nichts.
Illustrierung der Projektions-Methode von Scannerhannes
Hallo Miteinander,
die von Hannes beschriebene Methode habe ich benutzt, da wir nur aus unserem Nord-Fenster "freie" Sicht nach Westen haben und meine Frau so auch aus dem Rollstuhl das Spektakel sehen konnte. Das links erkennbare 8€-Monokular "16x52" hat 40 mm Objektivdurchmesser und eine erschreckend gute Abbildungsqualitat im Alltag. Deshalb habe ich mit Kabelbindern eine Handy-Stativhalterung gegen senile Wackelitis befestigt. Das ist das Gestänge, das man im Monokular-Schatten rechts sieht.
Mit freundlichen Grüßen
RolandG
PS: Im hiesigen öffentlich-rechtlichen Alte-Leute Radio gabs's zwischen 10:05 und 11:55 eine Sendung mit einem Astronomen vom MPI Heidelberg, der u.A.den zu kurz-gekommenen die Schuhkarton-Methode empfohlen hat. Die Projektions-Methode hat ein Kommilitone, der seine Diplomarbeit an diesem MPI gemacht hat zur Beobachtung von Sonnenflecken benutzt. Bei der Suche nach Tipps zu dieser Methode habe ich gefunden, dass verkittete Okulare (Plössl) und Spiegel von Reflektor-Teleskopen evtl. Schaden nehmen könnten. Ich denke, das betrifft aber eher die Mittagssonne.
Moin, danke für die faire Nennung. Um das Ganze noch fotografisch zu dokumentieren, muss man ja ein Oktopus sein: Fernglas halten und ausrichten (nicht zu vergessen, dass die Sonne ja auch weiterwandert, und zwar mit einem Affenzahn, ca. 40.000 Kilometer auf 24 Stunden gerechnet), Projektionsfläche ebenfalls ausrichten, damit keine Verzerrung entsteht (nagut, bei mir kam die Rauhfasertapete hinter dem Giebelfenster des Hauses gerade recht, ich war nicht anspruchsvoll), Fotoapparat ausrichten und auslösen. Gibt's da ein paar extra Arme bei Dir? Und ja, auch für mich war die Beobachtung der damaligen Rekord-Sonnenflecken vor ca. zwei Perioden (das wären 22 Jahre) ein Erlebnis. Ich hoffe, dass ich irgend wann mal das Zugangspasswort für das Alte-Leute-Radio kriege. Mit 77 müsste ich eigentlich langsam die Berechtigung haben
Ehre wem Ehre gebührt :-). Immerhin hast Du die Projektionsmethode hier in Erinnerung gebracht. Das Foto oben: in der linken mitfotografierten Hand das leichte Monokular, in der rechten eine leichte Digitalkamera (Weitwinkel) mit richtigem Auslöser, das war wirklich kein Hexenwerk. Der größte Aufwand war die die vergebliche Suche nach dem weißen Klebeband. Das war direkt hinter der Kellertür - halt der Fluch des Mehrfamilienhauses Das Weiterwandern der Sonne war kein Problem, aber das Altersgewackel am Monokular (Weitwinkel und die kurze Belichtungszeit haben geholfen). Zum Alte-Leute-Radio gibt's eine PM; mein Pensum an Off Topic ist m.E. voll.