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Porst-Rechnung von 1938 zur Welta Weltax
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21.05.20 11:58
Clack1967 

BZF-Premium-Nutzer

21.05.20 11:58
Clack1967 

BZF-Premium-Nutzer

Porst-Rechnung von 1938 zur Welta Weltax

Vor etwa einem halben Jahr habe ich bei ebay eine Vorkriegs-„Weltax“ (Mittelformat 6x6 cm) ersteigert, die mich interessierte wegen ihres Objektivs. Sie war mit einem vierlinsigen Schneider Kreuznach „Xenar“ (1:2,8) ausgestattet. Das ist an dieser Balgenkamera relativ selten (vgl. Beschreibung u. Fotos von M. Reisner unter: http://www.seeing1.de/3f_Weltax.html). Sie hat sonst dreilinsige Meritare, Victare, Cassare usw.

Mit ihr kam aber noch etwas Besonderes: die Originalrechnung ihres ersten Besitzers, eines deutschen Offiziers, der diese Kamera im Juli 1938 bei „Photo Porst“ in Nürnberg für 110,- Reichsmark per Ratenzahlung gekauft hat.



Sie möchte ich hier zeigen, denn sie ist in mehrfacher Hinsicht fotohistorisch interessant:

1. Vom Verkäufer der Kamera, einem Historiker, konnte ich über den ersten Besitzer (und Empfänger der „Porst“-Rechnung) folgende Informationen erhalten: Paul Windholz war ein deutscher Offizier (Oberleutnant der Infanterie) im II. Weltkrieg. Er fiel 1944 in Ungarn. Er ist u.a. in der Online-Gräbersuche des „Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ verzeichnet. Die „Weltax“ gehörte zu jenem Nachlass, der nach seinem Tod von der Front in die Heimat geschickt wurde und neben Orden etc. später von Windholz' Witwe dem Verkäufer übereignet wurde. Von Dresden (Hersteller „Welta“) gelangte die Kamera somit über Nürnberg („Photo Porst“, 1938), Ungarn (1944) und Südwestdeutschland (Verkäufer) 2019 zu mir nach Teltow in Brandenburg. Könnte die — erstaunlich gut erhaltene — Kamera sprechen, sie hätte wohl viel zu erzählen...



2. „Photo Porst“ hat von Anfang an eine originelle und offensive Marketingstrategie umgesetzt: Hanns Porst spricht in der Rechnung persönlich in der Ich-Form mit seinen Kunden und erleichtert ihnen die Kaufentscheidung durch das Angebot von Ratenzahlungen. Sein aufstrebendes Unternehmen bezeichnet sich als „der Welt größtes Photohaus“ und erlaubt sich, der Lieferung aus „Fürsorge“ noch einige unbestellte Produkte beizulegen, hier eine Bereitschaftstasche und einen Filter, die man bei Nichtgefallen gegen Gutschrift zurückschicken darf. Eine clevere Verkaufsstrategie, die freilich auch als Service verstanden werden kann, denn beide Gegenstände sind ja tatsächlich nützliche Accessoires. Die freundschaftliche Tonlage durchzieht auch alle „Porst“-Kataloge jener Zeit, die mehr Foto-Ratgeber als Verkaufsprospekte sind. Diese Art der Kundenbindung ist also keine Erfindung von IKEA & Co., sondern es gab sie schon viel früher.



3. Der zeittypische Straßenname der Erlanger „Porst“-Filiale zeigt, in welcher (dunklen) Epoche der deutschen Geschichte man sich befindet.

Es ist ja eigentlich unglaublich, wie viel geschichtlicher Hintergrund, Leben und Einzelschicksale hinter mancher Kamera stecken und was sie womöglich schon alles „gesehen“ hat. Immerhin war diese Kamera im Krieg. Insofern heißt alte Kameras zu sammeln auch, Geschichte zu bewahren — und wahrlich nicht nur Technik-Geschichte!

Datei-Anhänge
Porst-Rechnung Weltax Xenar.jpg Porst-Rechnung Weltax Xenar.jpg (1x)

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Adressat.jpg Adressat.jpg (1x)

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Porst-Beigaben-Angebot.jpg Porst-Beigaben-Angebot.jpg (1x)

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21.05.20 15:17
Rainer 

Administrator

21.05.20 15:17
Rainer 

Administrator

Re: Porst-Rechnung von 1938 zur Welta Weltax

Hallo zusammen,

vielleicht ganz passend zum Rechnungsersteller Photo-Porst ein Link zur Literaturquellenseite vom BZF:

https://blende-und-zeit.sirutor-und-comp...2&thread=82

Dort wird die Hauszeitschrift von Photo-Porst 1950 vorgestellt.



Grüße von Haus zu Haus
Rainer (Forumbetreiber)

Analog: Aus Negativ wird Positiv.
Digital: Pixel sind nicht alles, aber ohne Pixel ist alles nichts.

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