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[iIa] Ernemann Minor (ca. 1903–04)
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04.09.26 18:13
Jan_S 

Moderator

04.09.26 18:13
Jan_S 

Moderator

[ iIa ] Ernemann Minor (ca. 1903–04)

Hallo Forum,

bei der Ernemann Minor handelt es sich um eine gut ausgestattete Magazinkamera für 12 Platten 9x12 mit Fallwechselsystem, die im Zeitraum 1896–1919 angeboten wurde und während der Bauzeit verschiedene Änderungen erfuhr. Das hier vorzustellende Exemplar dürfte gemäß Seriennummer um 1903–04 hergestellt worden sein.



Die Anzahl der Bedienungselemente lässt schon erahnen, dass die Kamera eine Reihe von Einstellmöglichkeiten bietet, die über die Ausstattung einfacher Boxen hinausgehen. So ermöglicht ein Drehknopf auf der Oberseite die Gesamtverstellung des Objektivs zur Fokussierung. Auch die Belichtung ist steuerbar: Um das Objektiv – einen nicht näher bezeichneten Aplanaten – befindet sich ein Ring, mit dem die Irisblende eingestellt wird. Dazu gibt es eigene Skalenwerte, die nichts mit den üblichen Blendenzahlen zu tun haben.





Beim Verschluss handelt es sich um einen Guillotineverschluss mit stufenloser Zeiteinstellung, ebenfalls mit einer proprietären Skala; ähnliche Systeme kenne ich von französischen Stereokameras, bspw. von Gaumont. Der Drehknopf, mit dem die Werte eingestellt werden sollen, dreht leider ohne Widerstand, sodass ich nur eine Momentzeit realisieren kann; ich habe versucht, die Frontplatte abzunehmen, um mir den Verschluss genauer anzusehen, bin aber am Knebel des Aufzugsknopf gescheitert. Vielleicht muss man ihn nur beherzt herausziehen, ich wollte aber keine Gewalt anwenden. Der Aufzugsknebel muss nur um etwa 30° gedreht werden. Der Beim Spannen des Verschlusses öffnet sich dieser kurz. Sollte das konstruktionsbedingt sein, wäre das die Erklärung für den ‚angeleinten‘ Objektivdeckel, der dann nach jeder Aufnahme wieder aufgesetzt werden müsste. Die Funktionsweise des Verschlusses muss ich aber noch einmal prüfen. Der Auslöser befindet sich auf der rechten Seitenwand.





Besonders markant ist die schöne Zähluhr, die Auskunft über den Plattenvorrat gibt. Der Plattenwechsel erfolgt durch Drehen des Knaufs um eine Vierteldrehung; die belichtete Platte wird damit freigegeben und fällt auf eine Art Tablett auf dem Kameraboden, und die nächste rückt an ihre Stelle. Die Kamera wird mit 12 Platten bestückt, die in sog. Plattenhülsen sitzen und Aussparungen für die Führungsschienen haben. Man konnte die Minor alternativ auch mit 24 Planfilmen laden.







Das Gesicht der Box wird auf den ersten Blick etwas asymmetrisch: Für Hochformataufnahmen gibt es einen Brillantsucher, nicht aber für das Querformat! Diese Ausführung besaß für diesen Zweck ursprünglich einen klappbaren Newtonsucher (der auch Aufnahmen aus Augenhöhe ermöglichte). Er ist leider verlorengegangen, die Bohrungen sind aber noch erkennbar. Darüber hinaus ist die Kamera mit Stativgewinden für Hoch- und Querformat ausgestattet, und eine Dosenlibelle ermöglicht jeweils die genaue Ausrichtung.

Einen Überblick über die verschiedenen Minor-Versionen gibt der Artikel auf camera-wiki.org (http://camera-wiki.org/wiki/Ernemann_Minor); demnach liegt hier das mittlere Modell vor, dessen Merkmal u.a. der erwähnte Newtonsucher ist. Die Kamera wurde offenbar auch von der Fa. Stöckig unter der Handelsmarke Union vetrieben; ein Exemplar genau dieser Ausführung ist vor einiger Zeit zu einem stolzen Preis in einer Auktion versteigert worden (https://www.leitz-auction.com/de/Erneman...nion/AI-7-24664).

In einem nicht genau datierten Katalog um 1904 wird die Minor leicht geänderten Version (Brillantsucher, Form und Position der Bedienungselemente) für 75 Mk. angeboten.



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Beste Grüße
Jan

Zuletzt bearbeitet am 04.09.26 18:15

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05.09.26 12:20
Rainer 

Administrator

05.09.26 12:20
Rainer 

Administrator

Re: Ernemann Minor (ca. 1903–04)

Hallo Jan,


mir gefällt diese Box-Plattenkamera gut, auch deshalb, weil sie über Blenden- und Entfernungseinstellung verfügt und dabei noch 12 Platten (oder sogar 24 Planfilms) bevorraten kann. Mit dem Aplanat (einem "richtigen" Objektiv) sind ja schon recht gute Aufnahmen machbar. Im Grunde überholt sie damit so manche Klappplattenkamera mit Mattscheibe im Bereich Schnelligkeit beim fotografieren. 12 Aufnahmen in kurzer Zeit, das hat schon was.

Klassische Klappkameras können da nicht mit. Hätte es damals schon den Begriff Street Photography gegeben, wäre die Minor bestimmt erwähnt worden. Eine Bilderreserve unterwegs, schnelle Bildfolge ohne großes Wechsel-Gefummele.


Beste Grüße von Haus zu Haus
Rainer (Forumbetreiber)

Analog: Aus Negativ wird Positiv.
Digital: Pixel sind nicht alles, aber ohne Pixel ist alles nichts.

Zuletzt bearbeitet am 05.09.26 20:08

06.09.26 08:31
Jan_S 

Moderator

06.09.26 08:31
Jan_S 

Moderator

Re: Ernemann Minor (ca. 1903–04)

Hallo Rainer,

ja, die Bedienung ist schon vergleichsweise schnell und bequem, nicht umsonst wurden solche Kameras ja seinerzeit als Detektivkameras bezeichnet. Der Kasten ist allerdings nicht so klein, wie der Name suggeriert…

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Beste Grüße
Jan

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