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Kann man alte Kameras selbst reparieren / restaurieren?
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24.07.20 11:12
Rainer 

Administrator

24.07.20 11:12
Rainer 

Administrator

Kann man alte Kameras selbst reparieren / restaurieren?


Teil 1. Reparaturen.

Hallo zusammen,

auf die Frage "Kann man alte Kameras selbst reparieren?" gibt es eine klare Antwort: Jein !

Was will ich damit sagen?

Es gibt Kameras, wo man einige Fehler mit Hobby-Mitteln durchaus reparieren kann. Bei komplexeren Modellen mit ausgefeilter optischer und feinmechanischer Technik wird das "Heimwerken" schon kritischer. Wer sich mit der Materie gut auskennt, braucht diesen Textbeitrag nicht zu lesen, denn er weiss schon alles (besser) .

Zuerst ist zu klären, ob man wirklich reparieren will, mit dem Ziel die Kamera noch zum Fotografieren einzusetzen. Oder geht es "nur" darum, die Kamera vom Äußeren her "aufzupeppen". "Aufpeppen" geht eigentlich in Richtung Restaurierung mit Fokus Sicherung auf einen möglichst guten Erhaltungszustand. Wird im Folgebeitrag angesprochen.

Hier in diesem Beitrag will ich auf Reparaturen eingehen.

Wir sind alle unterschiedlich mit handwerklichen Fähigkeiten ausgestattet, was sich der Eine noch zutraut, ist für den Anderen ein No Go. Kamera-Reparaturen sind nichts für Grobmotoriker. Kameras sind teilweise feinst-mechanische Konstrukte, insbesondere im Bereich Verschlüsse. Aber auch die Linsen (eigentlich Linsensystem die zu einem Objektiv vereint sind) haben es in sich. Eine Demontage von Einzellinsen (um z.B. an einen Glaspilz oder Staub heranzukommen) kann zur Unbrauchbarkeit des Optik-System führen. Dejustage im Sub-Millimeterbereich ist hier das Problem.

Wenden wir uns dem Hauptproblem bei alten Kameras zu. Verharzung von Ölen und Fetten in Verschlüssen und Entfernungseinstellung und Blenden. Diese Bereiche können wegen Verharzung schwergängig werden.

Verschlüsse:
Oft werden besonders die langen Verschlusszeiten zu langsam im Ablauf oder bleiben sogar stecken.

Warnung: Bleibt ein Verschluss (egal ob Zentralverschluss oder Schlitzverschluss) während des Ablaufs stecken, NICHT durch Neuspannen oder Filmweitertransport das Schließen erzwingen!. Warum? Weil einige Verschlüsse das übelnehmen und beschädigt werden können. Hier wäre durch Erwärmen und / oder Beklöpfeln zu versuchen den Verschluss zu schließen. Gerade Selbstauslöser bleiben gern stecken, manchmal kann man den mit zartem Anstossen weiterhelfen. Verharzte / Verölte Verschlüsse sind dauerhaft nur durch Entfettung / Entölung mit Neuaufbringen sanierbar. Das erfordert Demontagen der Verschluss / Optik -Einheit. Solche Demontagen können kritisch sein und erfordern teilweise Feinmechaniker / Uhrmacher - Werkzeug und vorsichtiges sorgfältiges Arbeiten.

Entfernungseinstellungen:
Auch Drehbewegungen bei Entfernungsänderung können extrem schwergängig werden. Hier einfach einen Tropfen Öl anbringen, das hilft oft nur mittelfristig. Dauerlösungen sind Entölungen oder Entfettungen mit Neuaufbringung.

Blenden:
Blenden vom Typ Irisblende sind teilweise kritisch: Generell wurden solche Blenden bei der Produktion im Bereich der Lamellen NICHT geölt! Ein Ölen um wieder Leichtgängigkeit zu erreichen ist kontraproduktiv! Insbesondere wildes Einspritzen von Kriechölen in Gehäuseöffnungen. Hände weg davon. Findet man eine Kamera vor, wo Öl an den Lamellen sichtbar ist, Hände weg vom Kauf. Das Entfernen solcher Verölungen an Iris-Lamellenblenden ist sehr schwierig und erfordert zumeist Demontagen der Verschluss / Optik - Einheit. Solche Demontagen können kritisch sein und erfordern teilweise Feinmechaniker / Uhrmacher - Werkzeug und vorsichtiges sorgfältiges Arbeiten. Man kann dann vorsichtig versuchen mit Löschpapier Öl aufzusaugen.

Optik
Hier geht es zumeist um Staub oder Pilze im System. Man muss wissen, dass Pilze zwischen den Linsen (z.B. Verkittung) kaum zu beheben sind. An manche Bereiche kommt man u.u. nur durch Demontage von Linsen heran. Auch hierfür ist oft Spezialwerkzeug notwendig. Optische Dejustage ist hier die Gefahr beim Wiederzusammenbauen.

Fazit: Diese stichwortartige Auflistung kann nur erste Hinweise geben, um zumindest die Problemlage bei Kamera-Reparaturen im Hobbybereich darzulegen. Im Forum wird an anderer Stelle genauer auf diese Themen eingegangen.


p.s. Natürlich sind aber Berichte über Kamerareparaturen willkommen!

... mehr im Folge-Beitrag zum Teil 2 "Restaurierungen".




Grüße von Haus zu Haus
Rainer (Forumbetreiber)

Analog: Aus Negativ wird Positiv.
Digital: Pixel sind nicht alles, aber ohne Pixel ist alles nichts.

Zuletzt bearbeitet am 25.07.20 20:07


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    25.07.20 19:57
    Rainer 

    Administrator

    25.07.20 19:57
    Rainer 

    Administrator

    Re: Kann man alte Kameras selbst reparieren / restaurieren?

    Teil 2. Restaurierungen



    Hallo zusammen,

    gleich vorne weg: Über das RICHTIGE Restaurieren von Kameras kann man unterschiedliche Meinungen haben. Grob gesagt gibt es drei Ansichten:

    • 1. Möglichst alles so lassen, denn das Gerät ist ein Zeitdokument. Nur reinigen, mehr nicht.

    • 2. Möglichst alle Gebrauchsspuren beseitigen, neuwertiges Aussehen anstreben

    • 3. Mischformen aus 1 und 2



    Die meisten Sammler werden sich wohl mehr oder weniger in die dritte Gruppe einordnen. Sicher ist jeder der drei Ansichten für den Anwender selbst richtig und nicht kritisierbar. Restaurieren kann auch gleichzeitig Reparieren bedeuten. Was fällt an Restaurierungsbedarf an?

    Typische Restaurierungs-Vorhaben ...

    • Sichtbare Schäden aufzuarbeiten, die durch unsachgemäße Lagerung über Jahrzehnte entstanden sind. Das kann Rost, Schimmel, Feuchtigkeitsspuren, Mäusefrass, usw, bedeuten.

    • Sichtbare Schäden, die durch Bestoßungen, Fallenlassen und Fehlbedienungen entstanden sind, im Zustand verbessern.
    • Holzarbeiten, auch mit Ausbessern, lackieren, lasieren, usw.

    • Metallarbeiten, auch Rückbildungen von Verbiegungen, Lackierungen, eventuell Ölen und Fetten.

    • Lederarbeiten, auch mit Pflegen, Kleben, Ausbessern, Neubelegungen, Nachfärben

    • ... weiteres


    Überall gibt es hier kleine und größere Beiträge über Lösungswege. Im Forum wird an verschiedenen Stellen auf solche Vorhaben eingegangen. Dieser Beitrag soll lediglich so eine Art General-Linie vorschlagen. Es ist eben wichtig, zu erkennen, was will man als Besitzer erreichen. Danach kann man den Zeit- und Arbeitsaufwand bestimmen.

    Beispiel für unterschiedliche Herangehensweise: Abplatzungen von schwarzer Bemalung an Kameragehäusen (dort wo sich kein Leder befindet). Man kann das so lassen, die Kamera ist eben so wie sie ist. Man kann aber auch mit einen wasserunlöslichen Filzschreiber (schwarz) die fehlenden Bereich nachmalen (so mache ich das oft). Schließlich könnte man auch mit einer Feinsprühpistole und Abklebungen einen sauberen und vom Farbton und Glanzeindruck passenden Farbauftrag anbringen.

    Wie schon angesprochen gibt es Mischformen zwischen Reparieren und Restaurieren. Ist die Wiederherstellung der Lichtdichtheit eines Gehäuses eine Restaurierung oder ein Reparatur? Ich denke es ist beides richtig.

    Generell gilt bei Restaurierungen auch: Nicht gleich mit einem Projekt loslegen. Erst überdenken, was man sich zutraut, dann einschätzen, was und wie man das umsetzen kann. Kann man das passende Material (z.B. Leder) beschaffen? Hat man das richtige Werkzeug? Lohnt sich der Aufwand? Trägt das Projekt die Gefahr in sich, die Kamera zu verschlimmbessern? Besteht die Gefahr, dass sich der Sammlerwert reduziert?

    Konkrete Hinweise und Fragen zu einzelnen Kameras sind aber besser in Beiträgen im Forum zu stellen und zu beantworten.






    Grüße von Haus zu Haus
    Rainer (Forumbetreiber)

    Analog: Aus Negativ wird Positiv.
    Digital: Pixel sind nicht alles, aber ohne Pixel ist alles nichts.

    Zuletzt bearbeitet am 26.07.20 16:36

      30.09.21 10:43
      Rainer 

      Administrator

      30.09.21 10:43
      Rainer 

      Administrator

      Re: Kann man alte Kameras selbst reparieren / restaurieren?

      Hallo Roland,


      eine gute Dokumentation der Demontage / Remontage des Leica-Nachbaues Leotax Special D III aus Japan. Interessant zu betrachten.


      Grüße von Haus zu Haus
      Rainer (Forumbetreiber)

      Analog: Aus Negativ wird Positiv.
      Digital: Pixel sind nicht alles, aber ohne Pixel ist alles nichts.

        30.09.21 21:29
        mazdaro 

        BZF-Meister

        30.09.21 21:29
        mazdaro 

        BZF-Meister

        Re: Kann man alte Kameras selbst reparieren / restaurieren?

        Hallo Rainer,

        freut mich, dass die Bilder zusagen. Ich würde an dieser Stelle gerne zwei oder drei Zeichnungen aus Josef Stüpers "Die photographische Kamera" (Springer Verlag, Wien, 1962) einstellen, aus denen die Funktionsweise der klassischen Leica hervorgeht. Die gezeigten Bilder der Leotax-Reparatur würden dann in einem völlig anderen Licht erscheinen. Sie würden quasi zueinander finden, würden zu sprechen beginnen. Man würde deutlich sehen können, welche Räder ineinander greifen. Wenn man weiß, wie die Zeitensteuerung (zumindest vom Prinzip her) funktioniert, gewinnt man ein Gefühl der Sicherheit. Man fragt sich dann nicht mehr, ob man etwas falsch gemacht haben könnte, wenn man dies und das gemacht hat. Und sollte man dennoch etwas falsch zusammengebaut haben, wird man den Fehler durch Nachdenken (und Probieren) beheben können. Für mich ist Theorie genauso wichtig wie Praxis. Im Idealfall lässt sich alles vorhersagen. Wenn man etwas nicht versteht, lässt man besser die Finger davon: ruiniert ist schnell etwas. Natürlich kann man auch dann ein Gerät reparieren, wenn man die Funktionsweise und diverse Zusammenhänge nicht kennt; allerdings nur dann, wenn der Fehler offensichtlich ist (Lockere Schraube(n), abgegangenes Kabel etc.).

        Die "Schraubleica" und deren Nachbauten (Russische und japanische Kopien) bieten anders als die M-Serie (Nicht rotierendes Verschlusszeiten-Einstellrad) den großen Vorteil, dass man das (rotierende) Einstellrad beim Ablauf des Verschlusses mit den Fingern nach Belieben bremsen kann. Auf diese Weise sieht man schön, wie das Leitz-Patent der nicht gekoppelten Verschlussvorhänge funktioniert.

        Auf einem der Bilder sind die beiden Spannfedern für die Vorhänge zu sehen, die in den schmalen Trommeln verborgen sind. Oftmals sind diese zylindrischen Federgehäuse schwer zu öffnen. Außerdem müssen für eine gründliche Reinigung und Schmierung der Federn Tuch und Bändchen abgenommen und danach wieder richtig (exakt parallel) angeklebt werden. Um sich diese eher mühsame Arbeit zu ersparen, kommen nicht nur Amateure, sondern auch professionelle Betriebe auf die unrühmliche Idee, zum Einstellen der Verschlusszeiten die Federspannung drastisch zu erhöhen. Die Folge davon sind instabile Zeiten, Zurückprellen des Schließvorhangs und im schlimmsten Fall Federbruch.


        Gruß Roland

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