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Schrauben am Apparat veraten viel
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21.08.08 00:57
Rainer 

Administrator

21.08.08 00:57
Rainer 

Administrator

Schrauben am Apparat veraten viel

Hallo zusammen,
Sie wollen sich eine alte Kamera zulegen?
Prüfen Sie als erstes die kleinen Schrauben am Gehäuse mit einer Lupe. Sind Schabespuren oder Materialabscherungen zu erkennen? Dann Finger weg: Da war wohl ein "Fachmann" dran. Wer weiss, was er alles verbessert hat.

MFG Rainer

Möge die Belichtung immer kürzer als 1/30 Sekunde sein.


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31.03.18 16:28
Laufboden 

BZF-Master

31.03.18 16:28
Laufboden 

BZF-Master

Re: Schrauben am Apparat veraten viel

Hallo Rainer,

Rainer:
Sie wollen sich eine alte Kamera zulegen?
Prüfen Sie als erstes die kleinen Schrauben am Gehäuse mit einer Lupe. Sind Schabespuren oder Materialabscherungen zu erkennen? Dann Finger weg ..
alles ist relativ.
Vor allem, was eine alte Kamera ist.

Eine ganz junge aus den 1950ern macht typischerweise noch wenig Sperenzchen. Wenn doch, ist sie mühelos und billig durch eine gleiche andere ersetzbar.
Meine haben aber zumeist einen oder zwei Weltkriege überlebt - und danach oft noch bis zu über 70 Jahre Bodenhaltung
(Dachboden, Keller).
Die könnte man natürlich alle gleich mal auf den Sperrmüll werfen. Denn ganz ohne Spuren, zumindest ohne Ersatzteile, sind die kaum zu reparieren.
Wobei diese Spuren natürlich mehr oder weniger sorgfältig überdeckt werden können.

Bei einem Schätzchen mit ganz grob 100 Jahren Alter mußte sicher schon mal jemand Hand anlegen.
Ist natürlich schön, wenn das so leicht geht wie das bei einer "neuen" Kamera aus den 1960ern. Das kommt durchaus vor, ist aber nicht die Regel.
Und recht nett, wenn es jemand mit exakt passendem Werkzeug getan hat.
Leider sitzen alte Gewinde schon mal furchtbar fest. Schon ein ganz klein wenig Korrosion sorgt dafür.
Die muß man schon mal mit allen möglichen Tricks "zu überreden versuchen", sich trotzdem drehen zu lassen. Kann Stunden oder Tage dauern. Und ist nur fast immer von Erfolg gekrönt. Nutzt nur nichts, wenn sich danach z.B. nur drei von vier Schräubchen drehen lassen.

Gute Profiwerkstätten - aber erst recht schlechte - werden eine solch alte Kamera sowieso allerhöchstens gegen eine satte Inspektionsgebühr zur Prüfung annehmen, die dann in Ablehnung oder einen so berechtigten wie haarsträubenden Kostenvoranschlag mündet.
Hinweis: Canon verlangte bei einem der aktuellen Objektive €80.- für diese Inspektion .. das Ergebnis war "Reparaturkosten übersteigen deutlich den Zeitwert".
Dieses mechanisch, aber nicht optisch beschädigte Objektiv ist deshalb in meinen Besitz übergegangen, und nach einigem, zweifellos einem Fachmann unwürdigem Mühen habe ich es soweit wiederhergestellt, daß es sich fast ohne Einschränkung verwenden läßt.
Der Kostenvorschlag einer früheren, bekannten Stuttgarter Kamerawerkstatt für die Reparatur eines zwei Jahre alten Objektivs lag deutlich über dem Kaufpreis. Mein in diesem Bereich völlig ungeübter, damals jugendlicher Sohn reparierte es selbst, und es funktionierte wie neu.

Ein Fachmann würde beschädigte Schräubchen zumindest früher ersetzt haben. Heute müßte er Schräubchen oder Federn mit guter Wahrscheinlichkeit erst selbst herstellen. Mancher Uhrmacher könn(t)e das - wenn man ihn dafür bezahlt. Oder er geht nach dem Prinzip "aus drei mach eins" vor - meist billiger. "Aus zwei mach eins" wird zu oft nicht klappen. Meist schwächeln dieselben Teile.

Es muß noch nichteinmal sein, daß Fungus in der Optik ist - aber dort, wo er sich findet, ist Rost in aller Regel nicht weit.
Ähnlich wirksam können z.B. bei der letzten "fachmännischen" Reparatur ins Gewinde eingebrachte Fasern sein, die z.B. vom Balg stammen können.
Noch wirkungsvoller ist's, wenn ein wenig Kanadabalsam ins Gewinde gekommen ist. Da hat man vielleicht die Wahl, das Ganze auf hundert Grad erhitzt zu zerlegen. Wenn das nicht geht, das Ganze ein Weilchen - ggf. paar Monate - in ein Lösungsmittel legen. Zum Schluß ist das Objektiv neu zu verkitten und ggf. alles frisch zu lackieren.

Amateure wie auch ich einer bin haben keineswegs immer das richtige Werkzeug für alle Fälle. Das heißt, daß evtl. größere Spuren zurückbleiben als die unvermeidbaren.
Wer also so pingelig ist, sollte sich nur "mint"-Objekte zulegen. Die kosten dann nämlich nur einen Bruchteil dessen, was die wirklich professionelle Reparatur selbst eines gut erhaltenen Objekts kostet.
Es ist zu vermuten, aber keineswegs sicher, daß sich an mint-Kameras bei Bedarf die Schräubchen widerstandslos drehen lassen.

Ich persönlich ziehe funktionsfähige Kameras mit funktionierendem Verschluß und klarem Objektiv ohne Fungus vor.
Die Zahl meiner alten Kameras, die das alles bei Lieferung erfüllten, ist einstellig. Die, die auch nach Reparatur nicht alles erfüllen, ebenfalls.
Von den ganz jungen, also denen von 1960 und später, brauchte ich bisher nur zwei zerlegen.

Sollte ich je Rainer eine Kamera verkaufen wollen, wüßte ich, was zu tun ist - ein paar außenliegende Schräubchen kontrollieren, besonders die am Compur. Die lassen sich nämlich nur fast immer problemlos lösen. Doch dann kann man sie leicht gegen unbeschädigte von anderen Compuren tauschen .

Es gibt Pfusch bei der Reparatur, ohne Schräubchen zu drehen.
Letztens blieb mir das als letzter Ausweg. Der Anschraubung war nicht zu lösen. Es gelang zufällig, ihn "naß" von außen zum Laufen zu bringen. Das ist schräubchenkonform, aber zweifellos die allerschlechteste Lösung. Denn wie's drin aussieht ..

Grüße, Laufboden

Zuletzt bearbeitet am 31.03.18 19:21

31.03.18 23:32
Laufboden 

BZF-Master

31.03.18 23:32
Laufboden 

BZF-Master

Re: Schrauben am Apparat veraten viel

Hallo miteinander,

zweifellos habe ich schon viele Brutalreparaturen gesehen.
Die wurden zumeist von den eigentlichen Nutzern durchgeführt.
Da wären z.B. grauslich geflickte Balgen zu nennen.
Aber was soll's - Plattenkameras waren damals schon in die Jahre gekommene, eher von der Zeit überholte Gebrauchsgegenstände, und diese Brutalapplikationen sicherten ihnen noch ein paar Extrajahre der Verwendbarkeit. Sonst wären sie möglicherweise im Müll geendet.
Hin und wieder war etwas falsch zusammengebaut. Ein falsch zusammengebauter Compur z.B. rächt sich dadurch, nicht richtig zu funktionieren.
Zumeist sind defekte Bauteile ein weit größeres Problem.

Gut, ein falsch zusammengebautes Objektiv war vermutlich darauf zurückzuführen, daß jemand einen Chip in der Frontlinse "verstecken" wollte.

Derart sichtbare Spuren wie grausliche Balgen geben eher ein Entwarnungszeichen - da war niemand dran, der anderen ein X für ein U vormachen wollte.
Und es ist zweifellos deutlich schwerer, einen so zugerichteten Balgen besser herzurichten als einen ohne diese Reparatur.

Und doch war es für ursprüngliche Besitzer vernünftig, so zu handeln. Diese Geräte waren abgeschrieben.
Niemand hat erwartet, daß diese Kameras 70 Jahre später oder noch mehr ein zweites Leben haben würden.

Die bei weitestem "nettesten" Überraschungen waren jedoch Kameras, die ich von kameratechnisch geschulten Fotohändlern erhalten hatte - z.B. ein für die Kamera krass unpassendes Objektiv auf einem vom Gewinde her unpassenden Verschluß ... aber ohne äußere Spuren verbaut.

Daß Mattscheiben relativ häufig kaputtgingen, daß dies gelegentlich zu seltsamen Konstrukten führte, und daß Ersatzmattscheiben sowieso oft falsch herum eingebaut wurden - klar. Daß ein zwischendurch vom Nutzer selbst geputztes Objektiv trotz eventuell zurückgelassener Bearbeitungsspuren immer noch besser ist als ein verpilzt gelassenes, sollte auch klar sein - die Abbauprodukte der Pilze sind ätzend, auf Dauer greifen sie sogar Glas an.

Eine noch nichteinmal im Rentenalter befindliche Kamera (also < 65 Jahre) braucht, wenn sie seither gut gelagert wurde, noch keine erkennbaren Bearbeitungsspuren haben. Die deuten dann also vor allem auf schlechte Lagerung hin. Bei billigen Kameras, insbesondere Boxkameras auch aus den 1950ern, war schlechte Lagerung aber wiederum eher die Regel.

Bei immer besten Lagerungsbedingungen sind Kamera und Objektiv auch nach hundert Jahren noch gut in Form. Nur gab es die kaum. Zumeist rauchte irgendjemand in der Familie. Das allein reicht bereits für trübe Scheiben.
Also ist das Objektiv entweder mindestens einmal schon geputzt worden oder trüb bis angeätzt. Ob das Putzen durch Servicetechniker oder Amateure erfolgte, erscheint da eher zweitrangig. Überwiegend hatten meine Kameras zuvor kein Service erlebt. Am besten war natürlich professioneller Service - bei weitem am übelsten leider das, was nachweislich professionelle Fotografen anstellten (wie z.B. 'Reparatur' durch Guffertape. Da ist das Flicken eines Balgen durch etwas wie Leukoplast nichts dagegen ..).
Den von den Herstellern empfohlenen regelmäßigen Service hatte kaum eines meiner Sammelobjekte erlebt, die meisten keinen einzigen, nur ganz selten waren zwei Reparateursignets zu erkennen. Das wirkt sich dann auf die Gängigkeit der Gewinde aus ...

Gefreute Ostertage*) wünscht allen hier
Laufboden

*) die sind echt erhebend, da sie an Landluft, Berge und Heidi erinnern

Zuletzt bearbeitet am 01.04.18 00:55

01.04.18 09:59
Sony-Fan 

BZF-Master

01.04.18 09:59
Sony-Fan 

BZF-Master

Re: Schrauben am Apparat veraten viel

Hallo Laufboden und Rainer

Das stimmt sicher was Laufboden vorträgt. Ich habe aber den Rainer so verstanden: Schrauben mit Nutzungsspuren können ein Hinweis auf unsachgemässe Reparaturen sein. Müssen aber nicht. Ich würde auch beim Kamerakauf von historischen Modellen auch darauf achten.

Ich hatte vor vielen Jahren eine Agfa Kamera zur Reparatur geschickt. Die kam besser zurück als ich sie hingeschicht hatte. Alle Schrauben wie neu. Auf einem Trödlermarkt wollte ich eine Zeiss-Ikon erwerben - bin aber wegen vergurkter Schrauben zurück geschreckt.

Sony-Fan

01.04.18 12:20
Laufboden 

BZF-Master

01.04.18 12:20
Laufboden 

BZF-Master

Re: Schrauben am Apparat veraten viel

Hallo Sony-Fan,

Sony-Fan:
Das stimmt sicher was Laufboden vorträgt. Ich habe aber den Rainer so verstanden: Schrauben mit Nutzungsspuren können ein Hinweis auf unsachgemässe Reparaturen sein. Müssen aber nicht. Ich würde auch beim Kamerakauf von historischen Modellen auch darauf achten.

Ich hatte vor vielen Jahren eine Agfa Kamera zur Reparatur geschickt. Die kam besser zurück als ich sie hingeschicht hatte. Alle Schrauben wie neu. Auf einem Trödlermarkt wollte ich eine Zeiss-Ikon erwerben - bin aber wegen vergurkter Schrauben zurück geschreckt.
Klar.
Stimmt schon. Man sollte auf alle Details achten, vernudelte Schrauben gehören zu den wichtigen Indikatoren, aber nur innerhalb des Gesamtbilds.
Die Schrauben waren neu. Eine gute Fachwerkstatt, die nicht auf Restaurierung spezialisiert ist, darf nur makellose Kleinteile verbauen.
Vergurkte Schrauben weisen zumindest auf den Versuch hin, die Kamera zu zerlegen, 80 Jahre nie gelöste Schrauben auf mögliche Probleme beim Lösen.

Bei historischen Kameras ist heute ein genau passender Ersatz z.B. bereits für Anschraubringe schwieriger bzw. teuer. Sie können erbärmlich festgeklemmt sein. Einmal konnte ich einen solchen nur durch Zerstören lösen. Ein 'neuer' gebrauchter Ring kostet als solcher schon mal ein Stück mehr als eine Kamera mit so einem Ring - wie ja auch immer mal wieder ein von der Kamera befreites Objektiv teurer ist als zuvor, zusammen mit der noch dranhängenden Kamera. Von ganz besonderen Objekten abgesehen lohnt es nicht, eine Kamera aus Einzelteilen aufzubauen. Eine existierende für Einzelteilgewinnung zu zerlegen ist für Kleinverbraucher wie mich selten lohnend. Fast nichts paßt zu anderen Kameras.

Dieselben Bearbeitungsspuren kann man, je nachdem, wie der Anbieter einzuschätzen ist, unterschiedlich deuten.
Ich bin Sammler. Noch habe ich nichts wieder verkauft.
Doch wenn ein Sammler die Kamera verkauft, bin ich sehr kritisch. Manch einer will seine zu breit gewordene Sammlung spezialisieren, andere ihre Gurken loswerden.
Ist der Verkäufer Fotohändler, ist auf Stimmigkeit zu achten, darauf, daß die Einzelteile zueinanderpassen. Gut einzuschätzende Kameras und Objektive sind da üblicherweise deutlich zu teuer, doch einige meiner interessantesten - und günstigsten! - Sammelobjekte habe ich aus so einer Quelle.
Es ist immer ein mehr oder weniger großes Glücksspiel, historische Kameras von Laien, Entrümplern und Resteverwertern zu kaufen. Fast durchgehend ist unklar, was man wirklich bekommt, fast immer Nacharbeit nötig. Wenn einen das nicht schreckt, ist es in der Regel das Günstigste. Ob und wieviel Glück man hatte, ist bis zur erfolgten Aufarbeitung unsicher.
Starke Bearbeitungsspuren zusammen mit fehlender Funktionalität deuten darauf, daß sich da jemand vergeblich abgemüht hat. So etwas nehme ich zu einem Preis, den mir nutzbar erscheinende Einzelteile wert sind. Doch manchmal waren solche Objekte einfacher wiederherzustellen als solche, die wenige i.d.R. gut behandelbare Mängel hatten.
Wenn die Fehler aber unter dickem Lack begraben sind, lasse ich die Hände weg von dem Objekt.

Ein perfektes Äußeres kann je nachdem Indiz für wenig Gebrauch und perfekte Lagerung sein, für gründliche Sanierung stehen, oder für professionelles Zudecken der Mängel. Letzteres ist leider das, was sich für den, der's macht, am meisten lohnt.
Für den Profi mit großem Ersatzteillager ist dabei das leichteste, kleine Schräubchen zu ersetzen. Kann ja auch prinzipiell nicht negativ auffallen, wenn Schraubenköpfe unberührt aussehen - klassische Fachwerkstätten ersetzen Schrauben mit Bearbeitungsspuren selbstverständlich.
Gilt übrigens für offizielle Werkstätten "edler" Automarken wohl auch heute noch - zumindest(!) wenn z.B. Radmuttern Nutzungsspuren zeigen, werden sie ersetzt. Natürlich stehen die neuen dann auf der Rechnung. Schließlich gibt es tatsächlich Radmuttern, die im Lauf eines Autolebens das Zeitliche segnen. Als früherer Volvo-Fahrer habe ich die Werkstatt gewechselt, als ich gesehen hatte, mit welcher Abscheu der Mechaniker völlig intakte, lediglich unsaubere Kleinteile mit spitzen Fingern in den Abfall befördert hat. Abgesehen davon - bei Renovierungen gehört es natürlich zur Berufsehre des Handwerkers, nur neue Kleinteile zu verwenden. In diesem Fall ist das völlig normal, er muß schließlich für das Ergebnis garantieren. Ein gebrauchtes Ventil mag praktisch noch neu sein, es ist aber weniger als bei einem Neuteil auszuschließen, daß es vorzeitig versagt.
Im Mittel(!) habe ich die besten Erfahrungen mit Kameras beim Preis, aber nicht nur dabei, gemacht, wenn der Verkäufer keine Ahnung hatte. Natürlich ausgenommen all die vielen Verkäufer, die aus purer Ahnungslosigkeit Mondpreise verlangt haben.

Wenig hilfreiches Fazit: man kann alles nehmen - wenn man damit etwas anfangen kann und der Preis stimmt.

Grüße, Laufboden

Zuletzt bearbeitet am 01.04.18 14:08

01.04.18 19:00
Laufboden 

BZF-Master

01.04.18 19:00
Laufboden 

BZF-Master

Re: Schrauben am Apparat veraten viel

Hallo miteinander,

bei Objektiven sind meine Erfahrungen wieder ein wenig anders.

Die bis WK I hatten zwar alle deutliche Beläge, waren jedoch einfach zum Putzen zu zerlegen.
Das gleiche galt für die mit geringen Bearbeitungsspuren aus der Zeit zwischen den Weltkriegen.
Ein kleiner Teil derer ohne jede Bearbeitungsspur und ein etwas größerer Teil derer mit starken Spuren widersetzten sich dem Öffnen, einzelne mit 'Erfolg'.
Waren Objektive stark beschlagen oder gar verpilzt, ohne Bearbeitungsspuren zu zeigen, deutete das eher auf Fehlen jedweder Wartung hin und stellte jedenfalls alles andere als ein Qualitätsmerkmal dar. Die Wartung ist dann deutlich erschwert und spurlos schwer möglich ohne Ersatzteile.

Neuere Objektive sind erheblich heikler. Kein Wunder - kleineres Objektiv mit meist deutlich mehr Linsen, die sich zudem oft kompliziert gegeneinander bewegen.
Da kann ich nichts mehr tun, höchstens hoffen, daß alle zentriert sind und richtig gesteuert werden.
Für neuere GF-Objektive gilt, daß die Toleranzen geringer sind, und daß neue Materialien neue Probleme schaffen können wie etwa schlechteres Langzeitverhalten. Für den Sammler wird die Ausbeute in Zukunft geringer.

Wenn so mancher Hersteller bei jedwedem Pilzbefall Reparaturen ablehnt, könnte dies mehr auf die angesprochenen Komplikationen zurückgehen als auf die Ansteckungsgefahr. Fungus ist Indikator für größere Ablagerungen und für ziemlich viel Feuchtigkeit über längere Zeit - also auch für Korrosion. Die Kosten wären unkalkulierbar. Ausschwärmende Pilzsporen wären zwar eine ernste Gefahr für die Luftreinheit, aber kaum ernste Ansteckungsgefahr. Pilzsporen sind ubiquitär. Kein Zweifel, sie finden auch in jedes soeben gewartete Objektiv. Zum Gedeihen brauchen sie dann aber genügend organische Ablagerungen und genügend Feuchtigkeit.

Zumindest neuere historische Objektive lassen sich in der Regel leicht öffnen - nur selten waren feststehende Gruppen schon luftdicht versiegelt. Dann sollten sie andererseits auch nach 80 Jahren innen noch klar sein, und sind dies i.d.R. auch. Wo's sauber ist, braucht man nicht zu putzen.

Professionelle Bearbeitung merkt man regelmäßig an Bearbeitungskürzeln, oft mit Datumsangabe. Fand ich selten. Und in ganz alten Zeiten gab's das erste Kürzel evtl. bei der Fertigung.

Für Profiequipment wird regelmäßige Wartung empfohlen. Allzu häufig hielten sich Profis offenbar nicht daran. Manchem offenbar oder explizit als schlecht verklopften Objektiv fehlte schlicht jedwede Wartung - verdreckt, dejustiert, hingefallen (Glas unter Spannung bricht anders, ist sogar doppelbrechend). Bei einem meiner Symmare reichte Auseinandernehmen und Zusammensetzen, das Gehäuse war nicht verbeult. Die Optik darf einfach nicht im Gehäuse verklemmt sitzen.

Grüße, Laufboden

06.04.18 16:05
Laufboden 

BZF-Master

06.04.18 16:05
Laufboden 

BZF-Master

Re: Schrauben am Apparat veraten viel

Hallo miteinander,

gestern habe ich eine Rollei A26 bekommen. So'ne Art Beifang außerhalb meines üblichen Sammelgebiets. Hat zwar 'n paar leichte Dellen im Gehäuse - oder soll ich sagen im abziehbaren Deckel? -, die ich gleich mal ein wenig ausgedrückt habe, nicht bis zur Unsichtbarkeit, da das Ding beim Schließen, Öffnen, bzw.Aufziehen des Verschlusses ein klein wenig gestreift hatte.
Rainer würd's freuen - die von außen sichtbaren Schrauben sehen alle wie neu aus .

Mal sehen, wie sie sich schlägt ... in ein paar Tagen möchte ich sie hier vorstellen.

Grüße, Laufboden

06.04.18 16:19
Sammelott 

BZF-Master

06.04.18 16:19
Sammelott 

BZF-Master

Re: Schrauben am Apparat veraten viel

Laufboden:
Hallo miteinander,

gestern habe ich eine Rollei A26 bekommen. So'ne Art Beifang außerhalb meines üblichen Sammelgebiets. Hat zwar 'n paar leichte Dellen im Gehäuse - oder soll ich sagen im abziehbaren Deckel? -, die ich gleich mal ein wenig ausgedrückt habe, nicht bis zur Unsichtbarkeit, da das Ding beim Schließen, Öffnen, bzw.Aufziehen des Verschlusses ein klein wenig gestreift hatte.
Rainer würd's freuen - die von außen sichtbaren Schrauben sehen alle wie neu aus .

Mal sehen, wie sie sich schlägt ... in ein paar Tagen möchte ich sie hier vorstellen.

Grüße, Laufboden

Ähmmm : http://www.blende-und-zeit.sirutor-und-c...6&thread=23

sonnige Grüße-OTTI

07.04.18 10:09
Laufboden 

BZF-Master

07.04.18 10:09
Laufboden 

BZF-Master

Re: Schrauben am Apparat veraten viel

Sammelott:
Laufboden:
.. gestern habe ich eine Rollei A26 bekommen. So'ne Art Beifang außerhalb meines üblichen Sammelgebiets. ..
Mal sehen, wie sie sich schlägt ... in ein paar Tagen möchte ich sie hier vorstellen.
Ähmmm : http://www.blende-und-zeit.sirutor-und-c...6&thread=23
Gerne unter diesem Thread - und dann ggf. natürlich i.w. Ergänzendes

Momentan hatte und habe ich parallel dazu mit größerer Priorität noch ein paar andere Kameras in Arbeit: eine Ikonette 504/12 (soweit fertig, aber mit bleibenden Mängeln), eine Foth (als Leiche gekauft), und ganz aktuell eine invalide Nagel 18 ("Recomar"), die mich mit krass mit Leukoplast verklebtem Balgen und festsitzendem Schlitten - das sind bzw. waren nur die größten Mängel - gefühlt einen Monat lang in der Bucht angeweint hatte ,,

Grüße, Laufboden

Zuletzt bearbeitet am 07.04.18 10:34

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